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FP7

SLAVHERIT Ergebnis in Kürze

Project ID: 327465
Gefördert unter: FP7-PEOPLE
Land: Vereinigtes Königreich

Das Schweigen brechen: Brasilien und die Sklaverei

In Reaktion auf Ereignisse aus jüngster Zeit hat ein EU-Team moderne brasilianische Diskurse über die Sklaverei untersucht. Im Rahmen der Untersuchung kam man zu dem Schluss, dass das Thema ohnehin erneut in der brasilianischen Politik aufgetaucht ist, wobei Weiße in ökonomischer Hinsicht eher von neuen Initiativen profitieren.
Das Schweigen brechen: Brasilien und die Sklaverei
Archäologen entdeckten unlängst in Rio de Janeiro, Brasilien, ein Hafenviertel, das dem Sklavenhandel gedient hatte. Schon bald darauf brachte der neu gestaltete Rundkurs unter der Bezeichnung Circuit of African Heritage durch Rio die Diskussion über die Sklaverei in Brasilien in Bewegung.

Das EU-finanzierte Projekt SLAVHERIT (Breaking the silence: Archaeological discoveries and the making of public slave heritage in Rio de Janeiro) hat nun die Ethnografie der Sklaverei untersucht. Das Team legte dar, auf welche Weise die Erinnerung an die Sklaverei in die öffentliche Diskussion in Brasilien zurückkehrt. Im Rahmen der interdisziplinären Studie kombinierte man Anthropologie, Geschichte, Literatur und Politik.

Zu den Hauptaktivitäten von SLAVHERIT zählten zwei längere Forscherabordnungen. Die erste ging für zwei Jahre an eine Universität in Rio und umfasste Weiterbildung, bibliografische Forschung und Feldforschung. Weiterbildung und Verbreitung waren Gegenstand der zweiten Abordnung, die für ein Jahr am Kings College London beheimatet war. Die Arbeit mündete in fünf fertiggestellten, von Experten begutachteten Artikeln, drei Buchkapiteln und einen Dokumentarfilm.

Die erste der drei wichtigsten Schlussfolgerungen bestand darin, dass der Circuit of African Heritage nicht nur eine Folge der Entdeckung der Sklavendocks von Rio war. Der Circuit ist Bestandteil eines langfristigen Wandels in der brasilianischen Politik. Man stellte im Rahmen des Projekts fest, dass der Circuit auf verschiedene Arten geradezu revolutionär war.

Die Forscher hoben gleichermaßen Widersprüche in Hinsicht auf den Circuit hervor. Zunächst fiel das Programm mit der mit großen sportlichen Ereignissen verbundenen Innenstadterneuerung zusammen. Obgleich die Erneuerung der Aufwertung des afrobrasilianischen Erbes diente, vertrieb man in der Realität die schwarzen Einwohner. Der Circuit begünstigt kulturelle Erinnerungen, denen das Potenzial auf Gewinne innewohnt. Zudem sind in den Prozess der Verdeutlichung des schwarzen Erbes aus rein wirtschaftlichen Gründen hauptsächlich weiße Menschen involviert.

Im Endeffekt kam das Team zu der Schlussfolgerung, dass es keinen echten Konflikt zwischen den Idealen des Multikulturalismus und der Rassenmischung gibt. Vorstellungen und Ideen dieser Art verstärken einander.

Die im Zuge des SLAVHERIT-Projekts durchgeführte Analyse der kulturellen Bedeutung der Erschaffung des Circuit of African Heritage verdeutlichte das aktuelle Denken über die Rassenfrage in Brasilien. Diese Arbeit kann nun den politischen Entscheidungsträgern Hilfestellung geben.

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Life Sciences

Schlüsselwörter

Sklaverei, Brasilien, Circuit of African Heritage, SLAVHERIT, Sklavenerbe
Datensatznummer: 190853 / Zuletzt geändert am: 2017-01-12
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