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Zu den molekularen Prozessen des Erinnerungsvermögens

Eine der spannendsten Fragen in den Neurowissenschaften ist, wie Erinnerungen entstehen und abgespeichert werden. In einer europäischen Studie stellten nun Wissenschaftler einen neuen Mechanismus vor, der sich therapeutisch gegen pathologisch bedingten Gedächtnisverlust nutzen lässt.
Zu den molekularen Prozessen des Erinnerungsvermögens
AMPA-Glutamatrezeptoren (AMPAR) sind die primären Mediatoren der exzitatorischen synaptischen Kommunikation im Gehirn. Neue Studien legen nahe, dass das Nervensystem über AMPARs die synaptische Stärke und Erregbarkeit nach Bedarf verändern kann. Belegt ist, dass das Langzeitgedächtnis auf der Modifikation neuronaler Synapsen und synaptischer Stärke beruht. Jüngere Studien zeigen nun, dass konstant eine bestimmte Menge von AMPARs an den Synapsen vorhanden sein muss, damit Ereignisse erinnert werden können.

Wissenschaftler des EU-finanzierten Projekts MEMORY PERSISTENCE (Molecular mechanisms of memory persistence) sollten die Mechanismen klären, mit denen AMPARs an Synapsen reguliert werden, vor allem, auf welcher Basis Ereignisse erinnert oder vergessen werden.

Hierfür wurden verschiedene Proteine untersucht, die am AMPAR-Transport beteiligt sind. Experimentell wurden die endogenen Werte von BRAG2 und PICK1 reduziert, d.h. von Molekülen, die für die Internalisierung und den Abbau von AMPAR zuständig sind. Um zu klären, wie sich diese Veränderungen auf das Erinnerungsvermögen von Ratten auswirken, bekamen diese die Aufgabe, sich die Lage bestimmter Objekten auf einem offenen Feld zu merken.

Die Ergebnisse zeigten, dass ein PICK1-Knockdown die Bildung und Abspeicherung von Erinnerungen nicht beeinflusst. Damit wäre ein über PICK1 vermittelter AMPAR-Transport nicht am Verlust des Langzeitgedächtnisses beteiligt. Ein BRAG2-Knockdown hatte keinen Einfluss auf die Gedächtnisbildung, wenn die Erinnerungen einen Tag nach dem Test abgerufen wurden. Weitere Experimente ließen vermuten, dass die Interaktion von BRAG2 und AMPARs den natürlichen Prozess des Vergessens von Langzeiterinnerungen einleitet.

Gemeinsam liefert die aktuelle Studie Grundlagenwissen zu Erinnerungsvermögen und Gedächtnisverlust. BRAG2 bietet sich damit als attraktives Ziel für künftige Studien auf diesem Gebiet und für die Behandlung kognitiver Störungen im Zusammenhang mit pathologischem Gedächtnisverlust an.

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Life Sciences

Schlüsselwörter

Gedächtnis, AMPA-Rezeptor, Synapse, MEMORY PERSISTENCE, BRAG2
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