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Afrikanische Architektur tritt aus den Schatten

Die Einflüsse, welche die Bauweise der afrikanischen Länder südlich der Sahara auf die Nachkriegsarchitektur in Europa und Nordamerika ausgeübt hat, sind noch nicht in vollem Umfang untersucht oder in geeigneter Weise dargestellt worden. Eine neue Studie verdeutlicht nun diese faszinierende Verbindung.
Afrikanische Architektur tritt aus den Schatten
Afrikanische Architektur gibt es seit Jahrhunderten, aber erst in den letzten Jahrzehnten hat sie an Boden gewonnen. Der Subsahara-Stil in der Architektur beginnt angesichts des Eurozentrismus und der architektonischen Diskriminierung durch einige westliche Denkschulen, insbesondere vor dem Zweiten Weltkrieg, erst jetzt langsam aber sicher, seine Einzigartigkeit zu bewiesen.

Das von der EU finanzierte Projekt AFROBRIDGE (The African connection and post-war design principles in architecture: The intellectual bridge to Europe and the USA) überprüfte die westliche gegenüber der nichtwestlichen Dynamik hinsichtlich des architektonischen Austauschs zwischen Europa, Nordamerika und Afrika. Es betrachtete, auf welche Weise die Architektur der afrikanischen Länder südlich der Sahara die Nachkriegsmoderne in Europa und Nordamerika unter Berücksichtigung von Bewegung und Austausch zwischen Menschen und Ideen beeinflusst hat.

Im Sinne seiner Ziele stellte das Projektteam dar, wie der Austausch stattfand, wobei die maßgeblichen Architekten und Designbeispiele ermittelt wurden. Gleichermaßen wurden Subsahara-Konstruktionsprinzipien definiert und das Thema der Nachhaltigkeit berührt und außerdem die Auswirkungen, welche die Arbeit des Projekts heutzutage haben könnte, betrachtet.

AFROBRIDGE sammelte zu diesem Thema viele Bücher und Veröffentlichungen aus den 1940er und 1950er Jahren. Man befasste sich eingehend mit der Charta von Athen, die nach dem Zweiten Weltkrieg vom Weltklassearchitekten Le Corbusier entwickelt und auf dem Congrès International d'Architecture Moderne (CIAM) verabschiedet wurde, um den Wiederaufbau nach dem Krieg anzugehen.

Sowohl die Publikationen als auch die Charta hatten die Verbreitung des Themas Afrika in den Bereichen Architektur und Design vorangetrieben. Es folgten Betrachtungen darüber, wie Mitglieder von Team Ten, einer Gruppe von zehn Architekten, die in den 1950ern CIAM abgelöst hatte, die traditionelle afrikanische Architektur interpretierten.

Ein weiterer bedeutender Teil des Projekts konzentrierte sich auf den Zeitraum zwischen den 1950er und 1960er Jahren. Man identifizierte die Arbeit weniger bekannter afrikanischer Architekten, die im Gegensatz zu ihren westlich beeinflussten Kollegen keine eurozentrische Vision für den Aufbau Afrikas verfolgten, sondern lokale Elemente in ihre Entwürfe integrierten. Zu guter Letzt bemühte man sich darum, hervorzuheben, wie in den 1970er Jahren bestimmte westliche Architekten das Studium der traditionellen afrikanischen Architektur unterstützt haben und wie dies mit der Entwicklung der grünen Bewegung in der Architektur verbunden war.

Die aufschlussreichen Ergebnisse des Projekts fanden über Zeitschriftenveröffentlichungen, internationale Projekte und online Verbreitung. Sie stellen die einzige fundierte Untersuchung des afrikanischen Einflusses auf die europäische und nordamerikanische Nachkriegsarchitektur dar, wobei sie die Rolle der Subsahara-Traditionen in der modernen Welt neu definieren. Die Studie beleuchtet die Debatte über Einflüsse von Kolonialisierung und Nachkolonialisierung auf die Architektur, wobei sich den heutigen Architekten wertvolle Einblicke bieten und Afrika seinen rechtmäßigen Platz in der globalen Architektur bekommt.

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Life Sciences

Schlüsselwörter

afrikanische Architektur, Nachkriegsarchitektur, AFROBRIDGE, Nachkriegsmoderne, Designtraditionen, traditionelles Design
Datensatznummer: 191091 / Zuletzt geändert am: 2017-02-15
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