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Wie sich Erziehung auf das Gehirn eines Kindes auswirkt

Neue nichtinvasive bildgebende Verfahren für das Gehirn haben es der Wissenschaft gestattet, in Kleinkinder bei der Interaktion mit ihrer Mutter „hineinzuschauen“.
Wie sich Erziehung auf das Gehirn eines Kindes auswirkt
Die Art, wie Kleinkinder Fertigkeiten im Verhalten, sozialen Leben und in der Sprache erwerben, wird stark durch ihre frühen Interaktion mit Eltern oder Pflegepersonen beeinflusst. Auf welche Weise sie auf verschiedene Arten der Erziehung reagieren – von emotional verbunden oder positiv bis hin zu ungebunden oder negativ – wird auch von ihren Genen bestimmt.

Die von der EU finanzierte Initiative INFANT NIRS (Frontal asymmetry as an endophenotypic marker of differential susceptibility to parenting in infancy: A functional NIRS study) wollte einen einfachen Weg finden, um einzelne Personen zu ermitteln, deren Gehirne empfindlicher auf Erziehungsbedingungen reagieren als andere. Eine solche Empfänglichkeit gegenüber positiven oder negativen Erziehungserfahrungen kann bei Kindern zu Verhaltens- und Entwicklungsproblemen führen.

Die Forscher konzentrierten sich auf einen Teil des Gehirns, der für soziale Kompetenzen wie Gefühle, Problemlösung, Gedächtnis und Sprache verantwortlich ist. Ihrer Vermutung nach könnten Unterschiede in der Aktivierung der rechten und linken Seite des vorderen Gehirnabschnitts Kennzeichen für anfällige Gehirne sein.

Sie setzten ein einfaches Gehirn-Bildgebungverfahren ein, um zu beobachten, auf welche Weise Feinfühligkeit (Maternal Sensitivity )diese Gebiete des Vorderhirns bei Kleinkindern beeinflusst. Bei diesem Einfühlungsvermögen (d. h., einer Art von emotionaler Offenheit) geht es um die Fähigkeit einer Mutter, Hinweise von ihrem Baby zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Im Allgemeinen gilt: je feinfühliger die Mutter, desto gesünder, sozialer entwickelt wird das Kind.

Nach Beobachtung der Mütter, die mit ihren Kleinkindern im freien Spiel interagieren, schauten sich die Forscher Abschnitte des Gehirns der Kinder an, die aktiviert wurden, als ihre Mütter mit ihnen sprachen. Sie fanden heraus, dass Kleinkinder mit Müttern, die beim Spielen positives Verhalten zeigten, positivere Gehirnreaktionen auf einen glücklichen als auf einen wütenden Klang in der Sprache hatten.

Während dieses Resultat nicht überraschte, fand INFANT NIRS keinen Beweis dafür, dass die Reaktionen der Kleinkinder durch Unterschiede in der Aktivierung ihres linken und rechten Vorderhirns beeinflusst wurden. Obgleich diese Tatsache darauf hindeutet, dass man mittels Gehirnbildgebung beim Kleinkind nicht vorhersagen kann, ob die Kinder ein normales oder abnormales Verhalten entwickeln, stellen die Projektergebnisse wichtige Einblicke in die Kognition des Kleinkinds dar.

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Schlüsselwörter

Elternschaft, Gehirnbildgebung, INFANT NIRS, mütterliche Empfindlichkeit, Vorderhirn
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