Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft - CORDIS

Narrative über Unrecht

Im Rahmen einer Studie in den Niederlanden hat man untersucht, auf welche Weise sich im letzten Jahrzehnt Erinnerungen aus der Nachkriegs- und Postkolonialzeit gegenseitig beeinflusst und zu einer neuen Form der Anspruchskultur entwickelt haben.
Narrative über Unrecht
Seit dem Ende des Kalten Krieges ist die Anerkennung historischen Unrechts in Europa ein vorrangiges Thema. Aufgrund dessen ist es allgemeine Praxis, dass Staaten an die Opfer des Zweiten Weltkriegs und von Diktaturen Zahlungen leisten. Das Problem der Opfer des Kolonialismus ist jedoch erst vor kurzem in der öffentlichen Debatte angekommen.

Übergangsjustiz ist ein neues Gebiet in Forschung und Praxis, das etabliert wurde. Dabei geht es darum, die Langzeitwirkungen von Menschenrechtsverletzungen und die Mittel zur Bewältigung von Gräueltaten in der Vergangenheit zu untersuchen, wozu Strafrechtsverfahren, Entschuldigungen, historische Kommissionen und Reparationen zählen. Das von der EU finanzierte Projekt NARRATED INJUSTICE (Narrated injustice compensation claims and transgenerational narratives of injustice) betrachtete drei Fallstudien.

Die Arbeit umfasste eine Überprüfung der Zahlungen an niederländische jüdische Opfer seit dem Jahr 2000. Im Besonderen betrachtete man, wie diese Zahlungen zum Bezugspunkt in Rechtsfällen wurden, die Ansprüche der Opfer des niederländischen Entkolonialisierungskriegs in Indonesien legitimierten. Die Opfer gewannen verschiedene aufeinanderfolgende Gerichtsverfahren, was bedeutete, dass die niederländische Regierung verpflichtet war, erstmalig finanzielle Entschädigung an die Opfer der Kolonialpolitik in Indonesien zu zahlen.

Die Berichte wurden analysiert, um öffentliche Diskurse über die Wiedergutmachungsfrage zu etablieren. Des Weiteren wurden Interviews mit Mitgliedern der verschiedenen Gruppen durchgeführt, um deren Wünsche oder Erfahrungen zu beleuchten. Aus der Erforschung zahlreicher Entschädigungsfälle im selben Land ergab sich die Gelegenheit, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Gruppen zu erkennen. Auf diese Weise konnte man allgemeine Muster aufdecken.

Man fand heraus, dass die Mitglieder der Diaspora eine Schlüsselrolle bei Entschädigungsansprüchen spielen und sich selbst über die Forderungen identifizieren. Oftmals haben die Menschen innerhalb der Länder entweder andere Prioritäten oder es fehlen ihnen die Mittel. Das steht mit dem wachsenden Wunsch der Einzelnen in Verbindung, mit ihrem eigenen kulturellen, religiösen, ethnischen und (post)kolonialen Hintergrund anerkannt zu werden.

In den Erkenntnissen von NARRATED INJUSTICE offenbaren sich die Folgen von Entschädigungspolitik für Einzelpersonen und die Gemeinschaft und sie geben vor, wie derartige Strategien und deren Resultate zukünftig verbessert werden können.

Verwandte Informationen

Schlüsselwörter

Narrative über Ungerechtigkeit, Berichte über Unrecht, postkolonial, historisches Unrecht, historische Ungerechtigkeit, NARRATED INJUSTICE, Entschädigungsansprüche
Folgen Sie uns auf: RSS Facebook Twitter YouTube Verwaltet vom Amt für Veröffentlichungen der EU Nach oben