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Erfahrungen indigener Völker während Brasiliens Kolonialisierung

Ein EU-finanziertes Projekt hat die Erfahrungen indigener Völker verschiedener brasilianischer Eingeborenenstämme erforscht, welche in die Kolonialisierung des portugiesischen Amerikas einbezogen wurden. Die Forscher untersuchten die Anklagen und Verhandlungen gegen diese Menschen und deren Nachkommen in Brasilien, die vom 16. bis 19. Jahrhunderte an das Inquisitionsgericht in Portugal gesandt wurden.
Erfahrungen indigener Völker während Brasiliens Kolonialisierung
Insbesondere im 18. Jahrhundert gab es viele Arten von Zusammenstößen zwischen indigenen Völkern unterschiedlicher ethnischer Herkunft und aus verschiedenen Regionen in Brasilien und den sowohl portugiesischen als auch nichtportugiesischen Eroberern. Die kulturellen Unterschiede sowie die wechselnden Bündnisse zwischen den verschiedenen Kulturen führten zu weit verbreiteten politischen Spannungen, ethnischen Gewalttätigkeiten und sozialer Spaltung. Das Projekt NATIVE INQUISITION (The native peoples and the Portuguese inquisition) analysierte die sozialen Beziehungen und weitere kulturelle und religiöse Praktiken, die sich durch Kontakte zwischen christlichen Kolonialisten, Afrikanern und eingeborenen Völkern des portugiesischen Amerikas ausbildeten.

Hauptziel des Projekts war mehr Verständnis dafür zu entwickeln, wie sich die Eingeborenen des portugiesischen Amerikas ihrer Einbeziehung in die koloniale brasilianische Gesellschaft widersetzt und an diese angepasst haben, die durch kulturelle Hybridität und gemeinsame Nachkommen von Menschen verschiedener Ethnien gekennzeichnet ist. Unter Anwendung eines ethnohistorischen Ansatzes und mit Blick auf sozial-kulturelle und religiöse Praktiken wollten die Forscher die kulturellen Zwickmühlen dieser Bevölkerungsgruppen bei den religiösen und interethnischen Kontakten mit den Kolonialherren interpretieren.

Erste Arbeiten konzentrierten sich auf die Vielfalt der Beziehungen zwischen den eingeborenen Völkern und weiteren kulturellen Akteuren (z. B. religiöse Orden, Händler, Siedler, Entdecker), afrikanischen Sklaven und afrikanisch-brasilianischen Nachkommen. Ziel war, Aufschluss über die Anpassungsfähigkeit und den Widerstand der indigenen Völker im Verhältnis zu diesen anderen Akteuren zu geben.

Im Folgenden untersuchten die Wissenschaftler die Rolle der indigenen Völker und ihrer Nachkommen in diesem Szenario. NATIVE INQUISITION betrachtet den alltäglichen Kontakt zwischen diesen Gruppen, um die verschiedenen Ebenen kultureller Verbindungen zu verstehen.

Die Arbeit betrachtete überdies den paradigmatischen Gegensatz zwischen indigenen und gemischten Menschen („Mestizen“) des modernen Europas. NATIVE INQUISITION lieferte eine Beschreibung und erforschte inquisitorische Anschuldigungen gegen Indigen und Mestizen sowie kartierte die ethnischen Gruppen und ihre Regionen vom 16. bis 19. Jahrhundert.

Man erstellte ein Bestandsverzeichnis relevanter historischer Quellen, um die zukünftige Forschung über die von der portugiesischen Inquisition betroffenen Eingeborenenvölker zu erleichtern. Das Team erschuf außerdem eine Datenbank, in der alle von der Inquisition verfolgten sowie eine detaillierte Auflistung aller inquisitorischen Anschuldigungen und Prozesse gegenüber indigenen Völkern aufgeführt sind.

Die Forschungsarbeit des Projekts sowie die Verbreitung der neuen Erkenntnisse durch Unterrichtseinheiten trägt dazu bei, das Wissen über indigene Kulturen zu vertiefen und gleichermaßen das Verständnis des modernen Lateinamerikas zu verbessern.

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Life Sciences

Schlüsselwörter

indigene Völker, indigene Bevölkerung, Kolonialisierung, Brasilien, portugiesisches Amerika, NATIVE INQUISITION
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