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Bedeutung zivilgesellschaftlicher Organisationen für den Schutz der Rechte binationaler Familien

EU-finanzierte Forscher wandten einen Aktionsforschungsansatz auf die Untersuchung von Migrationspolitik und Verwaltungspraktiken an, welche den Zugang zu Staatsbürgerschaft und Aufenthaltsbewilligungen regeln. Schwerpunkt waren binational verheiratete Paare, d. h. Familien, die aus einem EU-Bürger und einem Drittstaatsangehörigen (third country national, TCN) bestehen.
Bedeutung zivilgesellschaftlicher Organisationen für den Schutz der Rechte binationaler Familien
Ein Drittstaatsangehöriger mit Wohnsitz in einem EU-Mitgliedstaat unterliegt speziellen Verwaltungspraktiken und Rechtsvorschriften, die in binationalen Familien auch den EU-Ehegatten betreffen. Das Projekt AMORE (Awareness and migration: Organizations for bi-national family rights empowerment) untersuchte unbeabsichtigte Konsequenzen von Migrationspolitik für den Ehegatten, der Drittstaatsangehöriger ist, aber auch für EU-Bürgerinnen und Bürger, um zu klären, an welchem Punkt diese Politiken und Praktiken die Freiheit des Familienlebens (als ein universelles Menschenrecht) negativ beeinflussen.

Das Forschungsteam führte in Belgien, Frankreich und Italien Feldforschung mit Schwerpunkt auf lokalen Praktiken in Brüssel, Straßburg und Turin durch. Das Team wandte eine ethnografische Forschungsmethode und Teilnehmerbeobachtung in Verbänden an, welche die Rechte binationaler Familien verteidigen. Nach einer Bestandsaufnahme der Verbände, die sich aus rechtlichen und sozialen Gründen mit binationalen Familien befassen, wurden in je Stadt vier Verbände ausgewählt und beobachtet. AMORE befragte Mitglieder von EU-Politikgruppen und Familienorganisationen, jenen Gremien, die Veränderungen des Familienmigrationsgesetzes überwachen und behandeln. Es wurden mindestens zwei Mitglieder von Verbänden und anderen Gruppen interviewt, die sich mit den Rechten binationaler Familien und Migranten befassen. Parallel dazu sammelte das Team in jeder Stadt Lebensgeschichten von zehn binationalen Familien mit einem marokkanischen Partner. Zum Abschluss interviewten die Forscher außerdem zehn Polizisten, die für die Kontrolle und den Umgang mit binationalen Verbindungen verantwortlich waren, sowie sechs Staatsangestellte, um die Perspektive der Verbände und der Paare besser zu kontextualisieren.

Zusätzlich konnten dank einer gründlichen Teilnehmerbeobachtung vier informelle Gruppen (zwei in Brüssel, eine in Straßburg und eine europäische Plattform) und deren Aktivitäten und Aktionen (durchgeführt während der Laufzeit des Projekts) als Fallstudien verwendet werden. Dieser partizipative Ansatz wertete das Aktionsforschungspotenzial des Projekts auf und unterstützte innovative Perspektiven in der Erforschung von Familienmigrationspolitik und Binationalität.

Die vorläufigen Erkenntnisse wurden auf 13 Konferenzen weltweit präsentiert. Eine Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten wurden erstellt und ein Buch konnte fertiggestellt werden. Das Abschlussseminar „Bi-national Family Day“ ist für Januar 2017 geplant, wo man die Ergebnisse dieses Projekts und die damit in Verbindung stehende Forschung präsentieren wird. Das Seminar wird sich auf das Rechtsbewusstsein und die Bearbeitung von Rechtsgründen konzentrieren, wie sie sowohl von Paaren als auch Mitgliedern der Zivilgesellschaft beabsichtigt werden. Diese beiden Themen wurden im Zusammenhang mit der Erweiterung der AMORE-Ergebnisse ausgewählt. Die Ergebnisse gehen in einen Meinungsaustausch mit eingeladenen Referenten ein, die im Vereinigten Königreich und Deutschland an Themen arbeiten, die in hohem Maße mit AMORE in Verbindung stehen.

Es mangelt derzeit an Untersuchungen zum Rechtsbewusstsein der Zivilgesellschaft und von Familienmitglieder in der Forschung zu öffentlichen Politiken. Die AMORE-Resultate haben somit Auswirkungen auf die zukünftige Forschung zur Familienmigration. Insgesamt ermöglicht die Arbeit ein detaillierteres und vollständigeres Verständnis der Auswirkungen verschiedener politischer und verwaltungstechnischer Faktoren auf das Leben von binationalen Familien.

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Schlüsselwörter

Zivilgesellschaft, binationale Familien, Migration, Zu- und Abwanderung, Migrationspolitik, juristische Kompetenz, juristische Sachkenntnis, AMORE
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