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Gesundheitsverhalten als kardiovaskulärer Risikofaktor bei jugendlichen Immigranten aus Äthiopien

Das Gesundheitsverhalten ist ein maßgeblicher Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen (cardiovascular risk, CR), die als Hauptursachen für Morbidität und Mortalität in den modernen Industriestaaten gelten. Ein EU-Forscherteam untersuchte nun ethnisch bedingte Ungleichheiten beim Zugang zu medizinischer Versorgung und Einflüsse auf das Gesundheitsverhalten im Vergleich zur einheimischen Population.
Gesundheitsverhalten als kardiovaskulärer Risikofaktor bei jugendlichen Immigranten aus Äthiopien
Nach dem von Urie Bronfenbrenner entwickelten ökosystemischen Ansatz wird die menschliche Entwicklung durch Prozesse, Mitmenschen, Umfeld und Zeit beeinflusst. Das Projekt BYAIMS (Native-born youth of African immigrants and cardiovascular risk: A mixed methods study) untersuchte nun den Einfluss dieser vier Domänen auf CR-Faktoren bei Jugendlichen. Schwerpunkt war die erste und zweite Generation von Jugendlichen mit äthiopischer Herkunft.

Europa und Israel sind primäre Zielregionen für Migranten aus den am wenigsten entwickelten Ländern Afrikas. In Europa leben etwa 600.000, in Israel etwa 120.000 äthiopische Einwanderer. BYAIMS initiierte eine gemeinschaftsbezogene partizipative Forschungsstudie, die Stichproben aus diesen Bevölkerungsgruppen mit anderen Immigranten und Nicht-Immigranten vergleicht.

Den Angaben zufolge ist der sozioökonomische Status jugendlicher Immigranten generell niedriger, einhergehend mit höherer psychischer Belastung und schulischen Problemen. Im Vergleich zu anderen Immigranten und Nicht-Immigranten ist der Gesundheitszustand der zweiten Generation äthiopischer jugendlicher männlicher Immigranten am schlechtesten (CR-Faktoren).

Während andere jugendliche Immigranten und Nicht-Immigranten Gesundheitsinformationen meist von ihren Eltern erhalten, ist für äthiopische Immigranten das Internet die primäre Informationsquelle. Diese berichteten auch über eine vergleichsweise schlechtere Gesundheitsversorgung und schlechtere Kommunikation mit Ärzten. Alle Gruppen benannten Stressfaktoren im Umgang mit Gleichaltrigen und schulischen Umfeld, zudem müssen sie Eltern beim Kultur- und Spracherwerb unterstützen. Bei äthiopischen jugendlichen Immigranten dokumentierte BYAIMS zudem Belastungen durch offensives rassistisches Verhalten, Diskriminierung und Respektlosigkeit in den Aufnahmegesellschaften.

Intensiver muss daher an Interventionen gearbeitet werden, die eingewanderte Jugendliche aus armen Familien stärker in die Gesellschaft einbinden. Obwohl dadurch bereits CR-Faktoren im Zusammenhang mit Ernährung und Bewegung gesenkt wurden, ist dies in anderen Bereichen wie etwa Tabakkonsum noch nicht gelungen. Zudem erleichterten solche Interventionen zwar die Integration in die israelische Kultur, führten aber anderseits auch zum Niedergang der äthiopischen Migrantenkultur.

Die BYAIMS-Studie hat gezeigt, dass alle ökosystemischen Faktoren (Familie, Schule, Gesundheitssystem, Einstellung der Gesellschaft und Regierungspolitik) Einfluss auf das kardiovaskuläre Risiko haben und vor allem äthiopische jugendliche Immigranten davon betroffen sind.

Viele Einstellungen und Verhaltensweisen festigen sich während der Adoleszenz, sodass sich Nachteile, die in diesem kritischen Entwicklungsstadium erlebt werden, negativ auf das gesamte spätere Leben des Einzelnen auswirken können. Mit den Ergebnissen der Studie könnte es gelingen, eine effektivere Gesundheitsversorgung für alle Jugendlichen durchzusetzen und Ungleichheiten bei künftigen europäischen Migrantengenerationen zu reduzieren.

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Scientific Research

Schlüsselwörter

Gesundheitsverhalten, kardiovaskuläre Risikofaktoren, jugendliche Immigranten, ökosystemischer Ansatz, BYAIMS
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