Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft - CORDIS

Einrichtung eines Marktplatzes für Mobilitätsanwendungen

Im EU-finanzierten Projekt ECIM wurde ein cloudbasierter Marktplatz entwickelt, auf dem Dienstleister, Datenanbieter und Entwickler gemeinsam Smart Mobility-Anwendungen konzipieren und realisieren können.
Einrichtung eines Marktplatzes für Mobilitätsanwendungen
Viele Bürger würden Smart Mobility begeistert annehmen, da es verspricht, Staus zu reduzieren und schnellere, umweltfreundlichere und kostengünstigere Transportmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. In dem Konzept geht es darum, über verschiedene Verkehrseinrichtungen hinweg ein nahtloses, effizientes und flexibles Reisen zu ermöglichen, wie beispielsweise Park-&-Ride-Angebote und Reisebuchungen, die Züge, U-Bahnen und Busse umfassen.

Der integrierte Zugang zu Mobilitätsdienstleistungen kann jedoch entmutigend sein, da die Nutzer häufig zwischen Apps, Zahlungssystemen und Programmen wechseln müssen, um ihre Reiseroute zu suchen. Um all diese Puzzlestücke zusammenzufügen, kombinierte man in einem EU-finanzierten Projekt eine bestehende cloudbasierte Plattform mit neuen Funktionalitäten.

Daraus entstand der Marktplatz ECIM für Transportlösungen, über den lokale Behörden und Unternehmen nahtlose Online-Mobilitätsdienste anbieten können. „Dies ist nicht nur eine weitere IT-Plattform – es handelt sich dabei um einen Marktplatz, der Interaktionen zwischen verschiedenen Interessen- und Kundengruppen ermöglicht“, erläutert der Projektleiter von ECIM, Hugo Kerschot. „ECIM ist ein 'One-Stop-Shop', wo Anbieter von Dienstleistungen und Daten zusammenkommen können, um gemeinsam Mobilitätsanwendungen zu konzipieren und umzusetzen.“

Ein Mobilitäts-Marktplatz

Für öffentliche Verwaltungen stellt ECIM eine Cloud-basierte Plattform zur Verfügung, auf der sie bestehende Transportdienste migrieren, neue erstellen und einen Marktplatz einrichten können, auf dem diese Dienste verkauft werden. Dieser Marktplatz liefert den Mobilitätsdienstleistern nicht nur einen wirksamen Vertriebskanal, sondern auch die Möglichkeit, neue Märkte zu erschließen. Für Entwickler bietet ECIM einfachen Zugang zu standardisierten Programmierschnittstellen (Application Programme Interfaces, API) unterschiedlicher Mobilitätsdienste, von denen einige ausschließlich auf der ECIM-Plattform zu finden sind.

Laut Hugo Kerschot funktioniert der Mobilitätsmarkt ähnlich wie die üblichen App-Stores und spielt in Bezug auf Daten-/Dienstleistungserfassung, Abonnements, technische Schnittstellen und vertragliche, finanzielle und rechtliche Vereinbarungen eine Vermittlerrolle. Im Gegensatz zu bestehenden Open-Data-Initiativen liefert er nicht nur Daten, sondern auch Web-Services, wodurch Entwickler mit Dienstleistern kommunizieren können.

Auf der Plattform gibt es eine Reihe von Empfehlungen für API-Formate, um die Interoperabilität der Dienstleistungen zu erhöhen, die Entwickler dabei zu unterstützen, neue Dienste in eine App zu integrieren und beiden Seiten zu ermöglichen, die grenzüberschreitenden Möglichkeiten, die ECIM bietet, zu nutzen.

Eine gemeinschaftliche Revolution

Von diesem gemeinschaftlichen Marktplatz aus wurden neue, endnutzerorientierte Mobilitätsanwendungen auf den Markt gebracht. Zum Beispiel wurden in einer Pilotanwendung von ECIM, die in Brüssel getestet wurde, Mobilitätsdienstleistungen und Daten in eine einzige App integriert. „Brüssel leidet unter chronischen Verkehrsstaus, wobei ein Drittel des Verkehrs durch parkplatzsuchende Autos verursacht wird“, sagt Hugo Kerschot. „Mit dieser App können die Nutzer den nächsten Parkplatz finden und mit einem einzigen Zahlungssystem bezahlen.“

Die App enthält zudem eine Karte, die alle verfügbaren Parkplätze auf und neben der Straße in Echtzeit anzeigt, sowie Informationen über die in der Nähe befindlichen Transportmöglichkeiten. Die App bezieht diese Informationen von den Parkplatzanbietern, und wenn der Nutzer sein Fahrzeug geparkt hat, kann er direkt über die App bezahlen und braucht kein Bargeld mit sich zu führen. Darüber hinaus stellt die App Mehrwertdienste wie Sehenswürdigkeiten und Routenvorschläge von Google Maps zur Verfügung.

„ECIM geht über das Konzept von Open Data hinaus und legt den Grundstein für Open Services, wo ein authentifizierter und autorisierter Entwickler öffentliche und private Dienste nutzen und monetarisieren kann, die bislang nur den Anbietern selbst zur Verfügung standen“, sagt Hugo Kerschot. „Durch den ECIM-Marktplatz zieht das App-Store-Konzept in den Bereich der Mobilität ein. Damit wird die Art und Weise, wie Mobilitätsdienste konzipiert und dem Bürger angeboten werden, revolutioniert.“

Verwandte Informationen

Schlüsselwörter

ECIM, Cloud Computing, Open Source, Smart Mobility, Mobilitätsdienstleistungen, Mobilitätsanwendungen
Datensatznummer: 191248 / Zuletzt geändert am: 2017-03-01