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Neues zur molekularen Uhr bei Nagetieren

Die Vielfalt bei Altweltmäusen und -ratten (Murinae) ist sehr groß und es existieren zahlreiche Fossilienfunde. Deren Analyse soll nun Schlüsselfaktoren für die morphologische Variation und evolutionäre Auffächerung (Radiation) aufzeigen.
Neues zur molekularen Uhr bei Nagetieren
Schwerpunkt des Projekts MURINEVOL (Of mice and rats: a new molecular palaeobiological approach and best practice in divergence time estimation) war dieser bisher unerforschte Bereich bei Nagetieren. Die Ergebnisse sind für die Kalibrierung der so genannten molekularen Uhr von Bedeutung, einer genetischen Methode zur zeitlichen Bestimmung der Aufspaltung zweier Arten. Dabei wurden lebende bzw. noch existierende wie auch ausgestorbene Individuen der Gruppe untersucht. Zudem wurden Zusammenhänge zwischen phänotypischen Innovationen, biogeographischen Ereignissen, Klimaveränderungen und Diversifikation ermittelt.

Die Analyse der molekularen Uhr umfasst fossile Taxa, und MURINEVOL bewertete alternative Ansätze zur Charakterisierung der Morphologie. Eine genaue Klassifikation der Mäusefossilien mittels molekularbiologischer Analyse lieferte beeindruckende Ergebnisse und erstmals in der evolutionären Forschung Daten zu mehr als 100 ausgestorbenen und vorhandenen Taxa.

Mit komparativen phylogenetischen Methoden konnten Faktoren und Entwicklungen geklärt werden, die die Evolution einiger Nagergruppen beeinflussten. So zeigten sich etwa Zusammenhänge zwischen der Evolution von Nagern der Unterfamilie Rhizomyinae und Monsunveränderungen (z.B. Zeitpunkt und Intensität).

Mittels Synchrotron-Röntgenfluoreszenz- und Absorptionsspektroskopie sowie Infrarotspektroskopie wurde ein mit Weichgewebe und Fell sehr gut erhaltenes Nagetierexemplar analysiert.
Neben der hochaufgelösten 3D-Rekonstruktion des Unterkiefers und Schädels konnten die Forscher auch den Rest des Skeletts rekonstruieren.

In unabhängigen Fachzeitschriften erschienen hierzu mehrere Beiträge, darunter "A transitional gundi (Rodentia: Ctenodactylidae) from the Miocene of Israel" in PLoS One. Vorbereitet werden zudem vier Kapitel für das "Handbook of Mammals of the World" (Handbuch der Säugetiere der Welt).

Die Zusammenführung mehrerer Quellen zu neuen und existierenden Daten lieferte einen neuen Ansatz, um den Divergenzzeitpunkt zu bestimmen, der dann mit der phänotypischen Evolution abgeglichen werden kann. Die neuen Werkzeuge und Methoden könnten die Evolutionsbiologie damit deutlich voranbringen.

Verwandte Informationen

Schlüsselwörter

Molekulare Uhr, fossile Funde, MURINEVOL, molekularbiologische Datenanalysen
Datensatznummer: 198602 / Zuletzt geändert am: 2017-05-26
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