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Literatur und Weltanschauung im spätmittelalterlichen Island

Eine Studie hat erkennen lassen, auf welche Weise Literatur im spätmittelalterlichen Island Weltanschauungen und Identität im Verhältnis zur Außenwelt reflektiert und geformt hat.
Literatur und Weltanschauung im spätmittelalterlichen Island
Das von der EU finanzierte Projekt IITLMI (Identity, ideology and textual production in late medieval Iceland) hat umfangreiches Wissen über die isländische Literatur des Spätmittelalters erarbeitet. Zu diesem Zweck nutzte man eine Vielzahl von Genres, nichtliterarischen Quellen, Handschriften, Materialien und Textveränderungen. Die Forschungsmethoden wurden aus postkolonialen und anderen kritischen Theorien übernommen und auf das Material angewendet, um einige der Vorstellungen über Macht und internationale Angelegenheiten zu erklären, die im spätmittelalterlichen Island in der Textkultur in Erscheinung treten.

Eine Rekonstruktion der Bedeutung, welche den verschiedenen Personen und Gruppen in der Welt um sie herum zugeschrieben wurde, konnte man anhand einer Analyse des realen Erscheinungsbilds der von ihnen produzierten Handschriften vornehmen. Zudem betrachtete IITLMI die in diesen Bänden niedergeschriebenen Texte sowie die geschichtlichen Umstände, aus denen diese hervorgingen.

Die Resultate lassen erkennen, dass in verschiedenen Regionen Islands lebende Gruppen viele Werte gemeinsam vertraten, und verdeutlichen abweichende Weltanschauungen, Einstellungen, Voreingenommenheiten und Interessen. Es waren außerdem gemischte Gefühle über die Anwesenheit von Fremden im Land sowie Bemühungen zur Verhinderung von Einwanderung sowie der Auswanderung von Isländern in England zu verzeichnen.

Die Erkenntnisse verdeutlichen einige der ideologischen Maßnahmen und Entwicklungen, die im spätmittelalterlichen Island in Hinsicht auf ausländische Mächte stattfanden.

Des Weiteren gab die Studie Aufschluss über die Geschichte der Frauen und verdeutlichte, dass Frauen die Erstellung von Handschriften förderten und ihren literarischen Beitrag nutzen konnten, um Identität und ideologische Positionen zu beeinflussen. Die Forschung zeigt, dass Frauen eine wichtige Rolle im Haushalt zukam. Dazu gehörte nicht nur, den Kindern lesen und schreiben beizubringen, sondern sie auch über ethische Belange zu unterrichten. Frauenbilder in literarischen Texten offenbaren, dass Geschlechterrollen ein wichtiges Thema darstellten.

Drei wissenschaftliche Artikel wurden im Arts & Humanities Citation Index publiziert. Forschungsresultate fanden in Form von Gastvorträgen an Universitäten, Konferenzpräsentationen sowie mehreren nationalen und internationalen Konferenzen und Workshops Verbreitung.

Um lokale Themen wie etwa kulturelle Identitäten und globale Themen wie die Zuwanderung aufgreifen zu können, sind diese Erkenntnisse von Bedeutung. Durch Analyse von Themen spätmittelalterlicher isländischer literarischer Texte in Verbindung mit deren historischen und manuskriptiven Kontexten hat IITLMI es ermöglicht, zu einem besseren Verständnis der Identität und Weltanschauung der Isländer zu gelangen.

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Life Sciences

Schlüsselwörter

Literatur, Weltanschauung, Ideologie, spätmittelalterliches Island, IITLMI, Identität, postkolonial
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