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Fundierte Analyse langfristiger Trends bei Unwetter- und Klimaereignissen

Durch natürliche Gefahren ausgelöste Extremwetter- und Klimaereignisse sind in den letzten Jahrzehnten im Zunehmen begriffen. Eine EU-Initiative verfolgte das Ziel, derartige Extremereignisse besser zu verstehen, um eine optimale Vorhersage und Planung vornehmen zu können.
Fundierte Analyse langfristiger Trends bei Unwetter- und Klimaereignissen
Die wissenschaftliche Forschung betrachtet zudem weiterhin den zwischen Katastrophen und Wetter und Klima bestehenden Kausalzusammenhang. Ein Schwerpunkt ist die kurzfristige Vorhersage von Extremereignissen durch Wetterberichtanbieter. Zudem stehen Nachweis und Zuordnung eines anthropogenen Klimawandels (der globalen Erwärmung) in der Vergangenheit sowie die Bewertung potenzieller Veränderungen der Eigenschaften von Extremereignissen und von Charakteristiken möglicher Entwicklungen des zukünftigen Klimas im Fokus.

Potenzial zukünftiger Klimaentwicklungen erforschen

Im Zusammenhang mit der Variabilität von lenkenden Faktoren und Prozessen, die an der Modulierung von Häufigkeit und Intensität von Extremereignissen in Zeiträumen von Tagen bis zu 30 Jahren und darüber hinaus beteiligt sind, ist die Erkenntnislage noch nicht ausreichend. In Bezug auf Mechanismen, welche die Schwankungsbreite von Extremereignissen steuern, wird Wissen über die dekadische (natürliche) Variabilität, die mit dem potenziellen langfristigen anthropogenen Klimawandel in Wechselwirkung steht, für die Bereitstellung von zuverlässigen Informationen für Interessengruppen und Endnutzer aus Industrie und Gesellschaft von äußerster Wichtigkeit sein. „Informationen dieser Art sind von hohem Stellenwert, da sie mit langfristigen anthropogenen Einflussfaktoren verknüpft werden können“, sagt der leitende Projektforscher Dr. Gregor Leckebusch. „Das wird für die kommenden Jahrzehnte bis in die Mitte des Jahrhunderts realistischere Schätzungen des Extremereignisverhaltens zulassen.“

Das von der EU finanzierte Projekt EVE (Extreme events variability over Europe) untersuchte die Ursachen für die in verschiedenen Zeiträumen vorliegende Schwankung bei meteorologischen und klimatologischen Extremereignissen in europäischen und nordatlantischen Regionen. Man konzentrierte sich auf schwere außertropische Wirbelstürme, die als die größte meteorologische Gefahr für Europa gelten. Über 2040 hinaus wurden auf Szenarien beruhende Simulationen untersucht, um Schätzungen über langfristige Entwicklungen abzugeben. Zudem schätzte das Projekt das Schadenspotenzial von Stürmen innerhalb verschiedener Zeiträume ab.

Vorhersage von Extremereignisszenarien im zeitlichen Verlauf

EVE untersuchte im Zusammenhang mit der Entwicklung von Extremereignissen auf umfassende Weise verschiedene Zeiträume im Bereich von wenigen Tagen bis hin zu ganzen Jahrzehnten. Dr. Leckebusch zufolge lieferten derartige Analysen nennenswerte Resultate, an denen bereits die Finanzbranche Interesse angemeldet hat. „Prognosen über die Häufigkeit schwerer Winterstürme in Europa eine Saison vorher abgeben zu können, dürfte einen enormen Einfluss auf den Finanzsektor, vor allem die Versicherungswirtschaft haben“, erklärt er. Gleichermaßen wurde ein Modell entwickelt, um den Grad des gehäuften Eintretens von schadensträchtigen Stürmen und Hitzewellen in Europa vorherzusagen.

Das Projekt wies nach, dass bekannte Arten der Schwankungsbreite wie das ENSO-Phänomen (El Niño-Südliche-Oszillation) im Westpazifik durch zusätzliche Anomalien verstärkt werden müssen, um Auswirkungen auf die Sturmaktivität über dem europäischen Bereich des Nordatlantiks zu haben. „Diese Erkenntnis ist von grundlegender Bedeutung für die Entwicklung von stärker konzeptionell ausgerichteten Modellen für tropische und außertropische Wechselwirkungen im Hinblick auf Extremereignisse“, so Dr. Leckebusch. „Diese könnten zu Frühwarnanzeichen zur Abschätzung der außertropischen Sturmaktivität weiterentwickelt werden.“

Mit der Analyse historischer Trends, die aus verschiedenen, dem modernsten Stand der Technik entsprechenden Daten aus erneuter Analyse abgeleitet sind, stellte EVE die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen in Bezug auf die Triebkräfte der multidekadischen Variabilität unter Beweis. Auf den Einfluss dieser Datensätze reagieren insbesondere langfristige Trends aus der Zeit vor den 1970er Jahren empfindlich. „Wir konnten zur Erörterung und Erkennung historischer Trends der Sturmaktivität beitragen“, fügt Dr. Leckebusch hinzu.

„Die im Rahmen von EVE gewonnenen Einblicke werden Hilfestellung bei realistischeren Abschätzungen der erforderlichen Anpassungsstrategien in Hinsicht auf anthropogene Auswirkungen des Klimawandels sowie deren zeitnaher Planung und Einführung geben“, bekräftigt Dr. Leckebusch abschließend.

Fachgebiete

Life Sciences

Schlüsselwörter

Extremereignisse, anthropogener Klimawandel, EVE, meteorologisch, Stürme
Datensatznummer: 198718 / Zuletzt geändert am: 2017-05-26
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