Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft - CORDIS

Turiner Studie zeigt Effekte von Migration auf Arbeitsmarkt

Eine Einwanderungswelle nach Norditalien vor fast 300 Jahren zeigt, welche gravierenden dynamischen Prozesse Arbeiter, Arbeit und Umsiedelung beeinflussen. Die Forschungsergebnisse sind vor allem angesichts des enormen Ausmaßes an Zuwanderung relevant.
Turiner Studie zeigt Effekte von Migration auf Arbeitsmarkt
In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erlebte die Stadt Turin in Italien einen Zustrom von Migranten aus dem Königreich Savoyen und umliegenden Regionen wie Mailand und den nordwestlichen Alpen. Parallel zum Bevölkerungswachstum wanderten auch fähige Arbeiter ein, die sich im Bausektor verdingten. Im Zuge dessen entwickelte sich die Baukunst, wie sich am Palazzo Madama, der Superga-Kathedrale und der königlichen Jagdhütte von Stupinigi zeigt, die in Folge der enormen Restaurationstätigkeit des Architekten Filippo Juvarra entstanden.

Die EU-finanzierte Projekt WORK AND MIGRATION (Migration, integration and labour market: Skilled workers and building sites in Turin in the eighteenth century) untersuchte, wie Migranten in diese frühneuzeitliche europäische Stadt integriert wurden, wie Immigranten in neuen Städten wie Turin Zugang zur Gesellschaft erhielten und sich integrierten und wie diese Menschen zur Gruppenidentität beitrugen.

Durch Erweiterung des nordwestlichen Sektors erlebte Turin eine rasche Urbanisierung, einhergehend mit einer Reihe von Reformen, die in dieser Zeit die institutionelle Organisation von Staat und Stadt vorantrieben.

Für das Projektvorhaben wurde untersucht, wie Neulinge auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassten und sich in die Gesellschaft integrierten. Dabei wurden die Herkunft der Immigranten sowie Solidarität in der Gruppe, Identität und Bildung von Immigrantenenklaven betrachtet, mit weiterem Schwerpunkt auf der institutionellen Förderung der Integration von Migranten in den städtischen Gebieten.

Aus einer Vielzahl von Quellen wie zivil- und strafrechtlichen Akten, Notariatsbüros, Volkszählungen, Arbeitsprotokollen und Berichten von Baubehörden wurden aussagefähige Daten gewonnen und analysiert. Die Ergebnisse liefern genaue Einblicke in das Verhalten der sozialen Gruppen und zeigen den Prozess, im dem soziale Räume definiert wurden. Sie skizzieren Migrationsketten und Zusammenhalt unter Landsleuten und enthüllen auf diese Weise komplexe berufliche Netzwerke um die Baustellen herum.

Diese gesellschaftspolitische und ökonomische Analyse kann die Debatte um Globalisierung, Einfluss von Arbeitsmärkten und Rolle wichtiger nationaler Institutionen ergänzen und das europäische Einwanderungsrecht unterstützen, das den Wohnsitz entsprechend Arbeitsvertrag und Arbeitserlaubnis zuerkennt.

Schließlich lag ein Schwerpunkt des Projekts auf den Alpengebieten in Frankreich, Italien und der Schweiz als Region, die auf europäischer Ebene tatsächlich transnationalen Charakter hat. Die Forschung zeigt, wie die Region unterschiedliche Identitäten zusammenbringt, damit als Labor für die Entstehung unterschiedlicher Kulturen und Minderheiten fungiert und bisherige Forschungen zum Thema bestätigt. In der heutigen Welt, in der Globalisierung und Migration wichtige Themen sind, liefert diese Studie wichtige Hintergründe für die weitere Debatte.

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Scientific Research

Schlüsselwörter

Turin, Einwanderung, Arbeitsmarkt, WORK AND MIGRATION, Integration, Alpenregion
Folgen Sie uns auf: RSS Facebook Twitter YouTube Verwaltet vom Amt für Veröffentlichungen der EU Nach oben