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Das kasachische Volk und seine Ahnen

Ein EU-Team hat die Verbindung des kasachischen Volks mit den altehrwürdigen Traditionen der Ahnenverehrung untersucht. Traditionen dieser Art bringen die Menschen in Konflikt mit dem modernen Staat, während sie gleichermaßen den Menschen Geborgenheit und eine politische Stimme verschaffen.
Das kasachische Volk und seine Ahnen
Zentralasien wird typischerweise als eine Region gescheiterter postsowjetischer Staaten betrachtet, wo Korruption und islamischen Extremismus gedeihen. Aus diesen Gründen sehen einige ethnografische Untersuchungen des Gebiets es als dringend an, die „echten“ kulturellen Funktionsweisen der Region aufzudecken.

Das EU-finanzierte Projekt DIALOGAUTHORKZSTAN (The dialogic emergence of authority: Ancestors’ shrines as healing sites in Kazakhstan) untersuchte, auf welche Weise die mündliche Ausdruckskultur neue politische und angestammte Autoritäten aufkommen lässt. Derartige Autoritäten stellen die autoritäre Herrschaft in Frage und fördern ein Verständnis von einer aus den Nationalstaaten herausgelösten Macht. Autorität der Ahnen ist für viele Zentralasiaten wünschenswert, die auf der Suche nach sozialer Fürsorge und spiritueller Obhut sind. Das Projekt untersuchte, wie die Vorfahren der Kasachen die Lebenden leiten und umsorgen.

Eine EU-Forscherin führte in Kasachstan Feldforschung durch, lebte in kasachischen Familien und arbeitete überdies mit Informanten und Forschungsassistenten zusammen. Im Rahmen dieser Arbeit untersuchte sie die verschiedenen Umfelder, in denen die Ahnen „dialogisch präsent“ werden, wozu Haussegnungen, Pilgerreisen und Wundergeschichten von Wärtern an Schreinen zählen. Es wurde ein Manuskript erstellt, in dem erklärt wird, auf welche Weise derartige Formen des Ahnendialogs eine alternative Weltanschauung im Unterschied zu der der heutigen zentralasiatischen Nationalstaaten darstellen.

Während der Abschlussphase des Projekts untersuchten die Forscher die weitreichendere Rolle der Ahnen und der heiligen Geografie in Hinsicht auf Land und Souveränität in Kasachstan. Das Team beobachtete den Konflikt zwischen traditioneller, in der Natur wurzelnden Spiritualität und einer degradierten, postsowjetischen Landschaft. In der Studie argumentierte man, dass sich derartige Konflikte mit den Vorstellungen von kultureller Souveränität überschneiden und damit zu einem Vehikel des politischen Dialogs werden.

Die Forscher gründeten eine Forschungsangliederung an der Nazarbajew-Universität in Astana, Kasachstan. Die Zusammenarbeit umfasste die Aufstellung eines studentischen Forschungsteams, das sich für Umweltforschung interessierte. In der Arbeit unterstrich man zudem die Rolle des Dialogs bei der Erschaffung von Wissen.

Die Forschung unterstrich einen kulturellen Blickwinkel auf das kasachische Umwelt- und Politikbewusstsein.

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Life Sciences

Schlüsselwörter

Kasachstan, Vorfahr, Ahne, DIALOGAUTHORKZSTAN, dialogisches Erscheinen, die Ahnen betreffende Autoritäten
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