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Die Philosophie der Rechtssprache   

Ein EU-Team untersuchte die Semantik und Philosophie von juristischen Stellungnahmen. Die Arbeit befasste sich mit "sollte"- und "könnte"-Aussagen sowie mit Metaphysik, Metaethik und kollektiver Intentionalität.    
Die Philosophie der Rechtssprache   
Das von der EU finanzierte Projekt CAND (Collective attitudes and normative disagreement) untersuchte die kontextualistische Semantik zu evaluativen und normativen Sprachprädikaten im Rahmen von juristischen Stellungnahmen. Es ging als um die Frage, was man nach dem Gesetz tun sollte.

Das Team erforschte die Beziehung zwischen vier Debatten. Dazu gehörten die Pragmatik von "sollte"- und "könnte"-Behauptungen in der Philosophie der Sprache, sowie die Natur von juristischen Stellungnahmen in der Rechtsphilosophie. Die anderen Debatten betrafen normative Werte in der Metaphysik und Metaethik und schließlich die kollektive Intentionalität in der Philosophie des Geistes und Handelns.

Die Leitlinien der Forschung bildeten zwei Ideen. Erstens, dass kontextualistische Semantik für normative Aussagen ausreicht, und zweitens, dass schwierige Fälle mit entsprechenden Standards und kollektiver Intentionalität erklärt werden können.

Die Forschung ergab 10 Artikel in Peer-Review-Zeitschriften und reichte 3 weitere zur Prüfung ein. Drei der veröffentlichten Artikel waren Enzyklopädieneinträge. Außerdem sicherte sich das Projekt eine Buchveröffentlichung.

Die Forscher führten Unterrichtsbesuche an anderen Institutionen auf der ganzen Welt durch, veranstalteten drei Forschungsseminare und organisierten eine Konferenz.

Das Hauptergebnis des Projektes ist eine neue Theorie (Hybrid-Dispositionalismus), die sich gleichzeitig mit evaluativen, normativen und rechtlichen Inhalten und ihren ausdrucksvollen Dimensionen befasst. Hybrid-Dispositionalismus ist eine Annahme über den evaluativen und normativen Diskurs. Er geht davon aus, dass evaluative und normative Wörter antwortabhängige Eigenschaften bezeichnen. Diese Eigenschaften bezeichnen im Wesentlichen uns selber: sie hängen grundsätzlich von unserer Natur und Dispositionen ab.

Evaluative und normative Einstellungen sind die Arten von Einstellungen, die unsere Wahrscheinlichkeit erhöhen, unsere Aktionen auf gemeinsame Ziele zu koordinieren. Der Ansatz geht von einer kontextabhängigen Semantik aus: Auswertungsbegriffe sind kontextsensitiv auf (ggf. variable) Wertstandards.

Hybrid-Dispositionalismus bietet eine Antwort auf die Probleme von normativen Meinungsverschiedenheit. Die Theorie berücksichtigt die handlungsführenden Rollen der evaluativen und normativen Sprache und erklärt die Natur ihres kognitiven Inhalts.

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Schlüsselwörter

Rechtssprache, Semantik, Metaethik, CAND, kollektive Haltung, normative Meinungsverschiedenheit   
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