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Doppelte Staatsbürgerschaft in Deutschland im Wandel

Eine EU-finanzierte Studie hat sich auf die doppelte Staatsbürgerschaft in Deutschland konzentriert, um die EU-Einwanderungspolitik besser zu verstehen, sowie damit beschäftigt, wie der Status der doppelten Staatsbürgerschaft in die Abläufe des täglichen Lebens einbezogen werden kann.
Doppelte Staatsbürgerschaft in Deutschland im Wandel
Die Doppelstaatsbürgerschaft ist in mehreren europäischen Ländern zu einem wichtigen politischen Thema geworden. Zurückzuführen ist das auf Veränderungen in der Zu- und Abwanderung, der EU-Integration sowie der Angleichung der Rechte zwischen Männern und Frauen. Das Projekt TRANSFORNATION (Dual citizenship recognition and equal rights in Germany: Construction of a (trans)national form of citizenship in 21st century Europe) verfolgte bei der Untersuchung der doppelten Staatsbürgerschaft einen ethnografischen Ansatz und kombinierte ihn mit einem multidimensionalen Modell der EU-Einwanderungsprobleme. So schlug erstmalig eine umfassende wissenschaftliche und methodische Studie eine Herangehensweise an die Doppelstaatsbürgerschaft durch Verschmelzen der politischen Anthropologie des Staates mit der Ethnographie des Alltags und Subjektivitäten vor.

Die Studie untersuchte, auf welche Weise sich die Gesellschaft im historischen und politischen Sinn gewandelt hat, sowie die demokratische Ausgestaltung der deutschen Politik. Sie analysierte diskursive Strategien und kollektive Maßnahmen zur Anerkennung der doppelten Staatsbürgerschaft. Man untersuchte juristische und verwaltungstechnische Praktiken sowie recherchierte persönliche Berichte, um die Art und Weise zu veranschaulichen, wie Geschlecht, Rasse und soziale Klasse die Funktionsweise der Doppelstaatsbürgerschaft lenken.

In Deutschland sind bestimmte politische Parteien gegen die doppelte Staatsbürgerschaft, und diese Parteien haben im deutschen parlamentarischen System einen starken Einfluss. Es gibt Kontroversen, die in der Überzeugung bzw. dem Generalverdacht begründet liegen, dass Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft in Loyalitätskonflikte geraten. Ungeachtet der Auseinandersetzung wurden Reformen des Staatsangehörigkeitsrechts als ein Instrument zur Integration von Ausländern und deren Kindern eingesetzt. Des Weiteren wurden die rechtliche Gleichstellung von Männern und Frauen hinsichtlich der Übergabe der Staatsangehörigkeit an die Kinder eingeführt, was zur Anerkennung der Doppelstaatsbürgerschaft für Kinder von Paaren mit unterschiedlichen Staatsangehörigkeiten führte.

TRANSFORNATION leistete einen Beitrag zum soziologischen Verständnis der länderübergreifenden Formen von Staatsbürgerschaft. Man leitete die Bedingungen des Aufkommens der Frage einer doppelten Staatsbürgerschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland her und untersuchte die Verwaltung der Doppelstaatsbürgerschaft für den Fall der Einbürgerung. Überdies arbeitete man daran, die gelebten Erfahrungen von Doppelstaatsbürgerinnen und -bürgern nachzuvollziehen, indem man die Auswirkungen eines Rechtsstatus unter verschiedenen Aspekten des gesellschaftlichen Lebens betrachtet.

Die Errungenschaften wurden in Bezug auf Momente in der Problematisierung der Fragen der Doppelstaatsbürgerschaft, die doppelte Staatsbürgerschaft im Lichte bürokratischer Praktiken und die gelebten Erfahrungen von Doppelstaatsbürgern betrachtet. Infolgedessen berücksichtigte man die doppelte Staatsbürgerschaft als ein komplexes und pluralistisches Thema, das Gleichberechtigung sowie Anerkennung durch nationalstaatliche und transnationale Politik einbezieht. Die Studie ist ein Mittel, um zu verstehen, auf welche Weise die deutsche Staatsbürgerschaft gewährt wird, welche Regelungen der Doppelstaatsbürgerschaft erwogen werden und wie sie in Zukunft neu definiert oder verändert werden könnte.

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Schlüsselwörter

doppelte Staatsbürgerschaft, Doppelstaatsbürgerschaft, Deutschland, Einwanderungspolitik, TRANSFORNATION, transnationale Politik
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