Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft - CORDIS

Epigenetische Ursachen für ADHS

Europäische Forscher untersuchten epigenetische Komponenten der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), um künftig die im ADHS-Gehirn stattfindenden Veränderungen besser entschlüsseln zu können.
Epigenetische Ursachen für ADHS
ADHS ist eine der häufigsten erblichen psychiatrischen Erkrankungen und beginnt bereits im Kindesalter. ADHS-Kinder können sich schlecht konzentrieren und sind hyperaktiv und impulsiv, was wiederum Psyche und Entwicklung beeinträchtigt. Zudem erhöht sich das Risiko für unsoziales Verhalten, Drogenmissbrauch und psychiatrische Störungen sowie Probleme im schulischen Umfeld und gesellschaftlichen Umgang.

Trotz Hinweisen auf eine familiäre Häufung von ADHS sind bislang weder eindeutige genetische Zusammenhänge noch der genaue genetische Hintergrund von ADHS geklärt. Das EU-finanzierte Projekt EPIMEN (Epigenetics in mental disorders: The role of imprinting and methylation patterns in attention deficit hyperactivity disorder (ADHD)) untersuchte die Epigenetik von ADHS in genomweiten Studien, um mögliche genetische Loci in der Elterngeneration zu finden und die Methylierungsmuster solcher Loci bei ADHS zu bestimmen.

Die Studie untersuchte eine große Kohorte von Familien mit jeweils drei Probanden: dem Patient mit diagnostizierter ADHS sowie zwei lebenden biologischen Eltern mit oder ohne Erkrankung. Aus zwei Kohorten (Psychiatric Genomics Consortium und die Norwegische Mutter-Kind-Studie) wurden ebenfalls Trios aufgenommen, aber insgesamt kein genomweiter signifikanter Hit gefunden. Für Analysen des Methylierungsmusters bei ADHS wurde eine Genotypisierung bei 70 erwachsenen ADHS-Patienten und 58 Kontrollen durchgeführt, um epigenetische Veränderungen aufzuzeigen, die auf ein erhöhtes ADHS-Risiko hindeuten.

Intensiv wurde an einer Methodik für logarithmische/lineare Modelle zu POE (Abhängigkeit von der elterlichen Herkunft, Parent-of-Origin-Effekt) bei kontinuierlichen Merkmalen wie ADHS gearbeitet. Auf diese Weise konnten verschiedene Aspekte und Faktoren von POE wie Assoziation, maternaler Effekt und Imprinting bewertet werden.

Da ADHS mit funktionellen Störungen in mehreren Hirngebieten assoziiert wird, werden die Studienergebnisse Zusammenhänge zwischen epigenetischen Variationen und den beobachtbaren Symptomen aufzeigen. Bei komplexen Merkmalen wie ADHS sind wahrscheinlich mehrere Gene mit kleinen bis mäßigen Effekten beteiligt, was zeigt, dass die molekulare Architektur dieser Störung noch genauer geklärt werden muss.

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Life Sciences

Schlüsselwörter

Epigenetik, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, EPIMEN, Methylierung, "parent of origin"-Effekt
Folgen Sie uns auf: RSS Facebook Twitter YouTube Verwaltet vom Amt für Veröffentlichungen der EU Nach oben