Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft - CORDIS

Philosophische Betrachtungen zu Husserls Konzept von "Stiftung"

In den letzten zwei Jahrhunderten befassten sich europäische Philosophen aus vielen Perspektiven mit dem von Husserl gebrauchten Begriff "Stiftung". Eine aktuelle Studie zeigt den roten Faden, der sich durch eines der wichtigsten gesellschaftlichen Elemente zieht.
Philosophische Betrachtungen zu Husserls Konzept von "Stiftung"
Das Konzept "Stiftung", was im husserlschen Sinne Aufkommen, Ankunft, Urstiftung meint und in französischer und englischer Sprache mit "institution" im Sinne von "Einführung" übersetzt wird, umfasst viele historische und symbolische Konnotationen. Der deutsche Philosoph versteht "Stiftung" als Geburt, Manifestation, Erfahrung und Geschichte einer Idee, die die Dynamik zwischen Ereignis und Struktur sowie zwischen Tatsache und Wesen verdeutlicht. Das EU-finanzierte Projekt PHENINST (The phenomenological concept of institution: Event, history, symbolic) untersuchte dieses wichtige, von Husserl geprägte Konzept. Der Philosoph Husserl ist Begründer der Phänomenologie, einer Wissenschaft, die Erfahrungs- und Bewusstseinsstrukturen aus philosophischer Sicht untersucht.

Husserl versteht unter "Stiftung" den Anfang neuen Denkens, obwohl andere Philosophen diesen Gedankengang in Frage stellen. Das Projekt analysierte nun Ähnlichkeiten und Unterschiede in den Ansichten verschiedener Philosophen zu diesem Thema, um die Phänomenologiedebatte zu unterfüttern. Es betrachtete relevante und parallele Forschungen der Philosophen Martin Heidegger, Maurice Merleau-Ponty, Jan Patočka, Jacques Derrida und Marc Richir.

Das Projekt führte zunächst eine allgemeine theoretische Analyse zum Thema durch, mit dem Schwerpunkt auf der Häufigkeit eines Anfangsereignisses, dessen Natur und seiner Beziehung zum Subjekt. Dann wurde die Verbindung zwischen "Stiftung" und Historizität, die Dynamik zwischen dem Empirischen und dem Transzendentalen sowie zwischen Bedingtheit und Bedeutung betrachtet.

Das Projekt befasste sich weiterhin mit dem Zusammenhang zwischen "Stiftung" und Kultur und verglich in diesem Zusammenhang den phänomenologischen und den strukturalistischen Ansatz. Danach wurde die sprachliche "Stiftung" in Zusammenhang mit der vorsprachlichen Erfahrung analysiert. Der Schwerpunkt des Projekts lag insgesamt auf der Verbindung zwischen "Stiftung" und Historizität, wobei erstere einen Beitrag zur Entstehung der Phänomenologie von Historizität leistete.

Die Ergebnisse von PHENINST wurden in mehreren Publikationen, einem Buch sowie auf Workshops, Konferenzen und Seminaren vorgestellt. Sie liefern neue Denkansätze zu Phänomenologie, Historizität und dem Konzept "Stiftung". Philosophen und Wissenschaftlern steht nun eine umfassendere Studie zum Thema zur Verfügung.

Verwandte Informationen

Schlüsselwörter

Institution, PHENINST, Husserl, Phänomenologie, Historizität
Folgen Sie uns auf: RSS Facebook Twitter YouTube Verwaltet vom Amt für Veröffentlichungen der EU Nach oben