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Zur Dynamik der polarisierten Debatte um LGBT-Rechte in postjugoslawischen Ländern

Die politische Debatte um LGBT-Rechte (lesbisch, schwul, bisexuell und transgender) wird im postjugoslawischen Raum kontrovers geführt. Eine EU-Initiative analysierte nun LGBT-Aktivismus und entsprechende Politiken im ehemaligen Jugoslawien.
Zur Dynamik der polarisierten Debatte um LGBT-Rechte in postjugoslawischen Ländern
LGBT-Aktivismus wird in Medienberichten viel Aufmerksamkeit gewidmet, allerdings liegen kaum empirische Untersuchungen zu Effekten dieses Engagements auf das Leben der nicht-heterosexuellen Population im ehemaligen Jugoslawien vor.

Das EU-finanzierte Projekt LGBTQYU ((Post-)Yugoslav LGBT activism: Between nationalism and Europeanisation) sollte die Lücke bei der Sexualitäts- und Geschlechterforschung im postjugoslawischen Raum schließen und befragte die LGBT-Community in einer empirischen Studie, um die transnationale Forschung und aktivistische Zusammenarbeit zu fördern.

Die Forscher erstellten eine historische Analyse zu Entstehung, Entwicklung und Aktivitäten von LGBT-Aktivistengruppen und untersuchten die Rolle der EU und europäischer Integrationsprozesse bei der Förderung von LGBT-Initiativen in dieser Region. Ein weiteres Thema war, wie LGBT-AktivistInnen Intersektionalität (Überschneidung verschiedener Arten von Diskriminierung) wahrnehmen.

2015 fand ein 3-tägiger Workshop für 30 Forscher und Aktivisten der Universität Amsterdam und aus allen ehemaligen jugoslawischen Staaten statt, der in zwei überarbeiteten Bänden zu wichtigen Ergebnissen kam. Im ersten Band werden die komplexen Verknüpfungen zwischen LGBT-Rechten und europäischer Integration sowie Konsequenzen für Aktivisten, Bürger und Beamte analysiert, was einen wichtigen Beitrag zur Literatur zur politischen Arbeit im postjugoslawischen Raum sowie LGBT-Aktivismus leistete.

Der zweite Band bietet Einblicke in verschiedene Formen des Engagements von LGBT-Aktivisten und beschreibt, wie das Konzept Intersektionalität in die heutige politische Debatte in Kroatien und Serbien einfließt. Damit liegt erstmals eine systematische empirische Analyse zum LGBT-Aktivismus vor, die auch Einblicke in bislang vernachlässigte Zusammenhänge mit Obdachlosigkeit, Arbeitnehmerrechten, Spannungsfeld zwischen städtischem und ländlichem Raum sowie Nicht-Heterosexualität im ehemaligen Jugoslawien bietet.

LGBTQYU analysierte aus interdisziplinärer Perspektive die bislang wenig beachtete Geschichte des LGBT-Engagements im postjugoslawischen Raum, die Entstehung von LGBT-Aktivistengruppen sowie die Entwicklung entsprechender Politiken, Kooperationen und Konflikte. Im Ergebnis wurde die Debatte um Gender und sexuelle Identität auf eine höhere Forschungsebene der regionalen sozialwissenschaftlichen Forschungsagenda gehoben.

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Schlüsselwörter

LGBT-Rechte, LGBT-Aktivismus, ehemaliges Jugoslawien, LGBTQYU, Intersektionalität
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