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Mehr Zusammenarbeit bei der Wiedereingliederung von Straftätern

Eine Studie untersuchte die Zusammenarbeit zwischen psychiatrischen medizinischen Diensten und Justizvollzugsanstalten (JVA) in Norwegen, um einen pädagogischen Kontext für bessere Zusammenarbeit zu schaffen.
Mehr Zusammenarbeit bei der Wiedereingliederung von Straftätern
Bei der Wiedereingliederung von Straftätern in die Gesellschaft ist Rehabilitation eine der wichtigsten Strategien in JVAs. So sollen psychiatrische Dienste (MHS, mental health services) mit JVA-Beamten zusammenarbeiten und die psychische Gesundheit von Straftätern fördern, damit keine neuen Straftaten begangen werden. Allerdings sind weitere Forschungen nötig, um diese Zusammenarbeit zu verstärken.

Nun identifizierte und beschrieb das EU-finanzierte Projekt COLLABORATION (Reducing the burden of offender mental illness in Europe: Improving interorganisational collaboration between the mental health and criminal justice systems) Faktoren, die die Zusammenarbeit zwischen MHS und Strafjustizdiensten (criminal justice services, CJS) in Norwegen verstärken können. Das Team führte Interviews mit Direktoren beider Systeme durch, um Perspektiven für mehr Zusammenarbeit zu eröffnen.

So wurde die kollaborative Praxis bei Rehabilitation und Wiedereingliederung dokumentiert wie auch Instrumente der Kommunikation zwischen beiden Systemen. Enthüllt wurden dabei Bereiche, in denen es Konflikte bei der unterschiedlichen Interpretation von Patientendaten sowie unterschiedliche Schwellenwerte gab, ab denen Straftäter aus dem Gefängnis in den Maßregelvollzug überstellt werden. Ursache dafür, dass diese Verantwortung Straftätern gegenüber vernachlässigt wird, sind Ressourcenmangel, logistische Probleme und negative Einstellungen zur Täterpopulation. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass MHS- und JVA-Personal besser über die Rolle von Zusammenarbeit und Verantwortlichkeit aufgeklärt werden müssen.

COLLABORATION bewertete auch die interorganisationale Integration und kollaborative Praxis zwischen beiden Systemen. Das Forscherteam befragte dafür in einem Fragebogen Gefängnispersonal in vier Regionen Norwegens. Die Ergebnisse zeigten eine geringe relationale Koordination zwischen Gefängnisbeamten, Psychologen und Psychiatern in spezialisierten MHS. Andererseits war die Koordination zwischen Gefängnispersonal und Krankenschwestern, Sozialarbeitern sowie Gefängnisbeamten innerhalb derselben JVA am größten.

Die Forscher gaben Empfehlungen für Gefängnisdirektoren aus, in stärkerem Maße Arbeitstreffen mit spezialisierten MHS durchzuführen. An diesen Konferenzen sollten Gefängnisbeamte, die direkten Kontakt mit Insassen haben, gleichermaßen teilnehmen wie Führungskräfte. Ferner wurde vorgeschlagen, den Schwerpunkt dieser Treffen auf den Rehabilitationsprozess zu legen.

Durch Entwicklung eines evidenzbasierten pädagogischen Rahmens konnten Fachpersonal und Führungskräfte beider Systeme besser auf kollaborative Praktiken vorbereitet werden. Untersucht wurde auch, welche kollaborativen Kompetenzen seitens der Belegschaft nötig sind, um aktuellen und künftigen Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden. Die Forscher wählten einen integrierten Ansatz, um Kompetenzen an soziale Innovation und Rahmen für Integrationskompetenz zu knüpfen, die Zusammenarbeit erfordern.

Das Projekt mündete in der Gründung einer Gruppe, die sich der Unterstützung und Entwicklung von Forschung, Bildung und einer Praxis verschrieben hat, in der MHS/CJS und verwandte Bereiche eng zusammenarbeiten. Die Studie bietet eine klare Strategie, um die integrierte Versorgung für psychisch kranke Täter zu fördern.

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Schlüsselwörter

Zusammenarbeit, psychische Gesundheit, Strafvollzug, Rehabilitation
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