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Soziale Kognition bei Affen

Ein EU-Team untersuchte bei Affen Zusammenhänge zwischen kognitiven Fähigkeiten und Komplexität des Sozialverhaltens. Trotz vernachlässigbarer Unterschiede zwischen Arten mit komplexem und weniger ausgeprägtem Sozialverhalten wurde festgestellt, dass soziale Kognition bei Arten mit komplexem Sozialverhalten ausgeprägter ist.
Soziale Kognition bei Affen
Charles Darwin postulierte, dass bestimmte kognitive Fähigkeiten bei Menschen und Tieren ähnlich sind, andere Bereiche jedoch nur Menschen vorbehalten sind. Einige dieser Unterschiede lassen sich mit der These von der sozialen Intelligenz erklären, die Zusammenhänge zwischen kognitiven Fähigkeiten und komplexem Sozialverhalten mancher Arten sieht.

Das EU-finanzierte Projekt MACACOGNITUM (Evolution of cognition and primate social style) prüfte diese Hypothese und verglich hierzu kognitive Fähigkeiten mehrerer eng verwandter Affenarten, die sich lediglich in ihrem Sozialverhalten unterschieden. In standardisierten psychologischen Tests und einem experimentellen Top-down-Ansatz sollten Einflüsse des sozialen Miteinanders auf die kognitiven Fähigkeiten der Affen untersucht werden, wovon man sich Hinweise auf die kognitive Evolution bei Affen erhoffte.

Die Forscher testeten 39 Makaken aus drei europäischen Naturschutzgebieten bzw. Forschungszentren mit 16 kognitiven Aufgaben, einer Aufgabe zu inhibitorischer Kontrolle (kognitive Unterdrückung bestehender irrelevanter Handlungstendenzen) und einer Temperamentstudie.

Bei den physischen Kognitionsaufgaben erreichten sozialverträgliche und intolerante Arten ähnliche Ergebnisse, hingegen schnitten tolerante Makaken bei bestimmten sozialen Kognitionsaufgaben und der inhibitorischen Kontrollaufgabe besser ab als die weniger toleranten Spezies. Ergebnisse wie diese bestätigen den vermuteten Zusammenhang zwischen sozialer Toleranz und höherer kognitiver Leistung.

Der Schluss lautet, dass spezifischere Kommunikation und inhibitorische Kontrolle die Koordination und Kommunikation zwischen Individuen beeinflussen. Eine zweite Schlussfolgerung war, dass vor allem soziale Toleranz in Kombination mit starkem Bindungsverhalten zwischen nicht verwandten Individuen kooperatives Verhalten begünstigt. Die Ergebnisse veranschaulichen, wie sich beim Menschen Zusammenarbeit und Kognition evolutionär entwickelt haben könnten.

Ihre Ergebnisse stellten die Projektmitarbeiter der Forschung auf Konferenzen und in Berichten unabhängiger Fachzeitschriften vor. Für das breitere Publikum wurden Informationsveranstaltungen wie z. B. ein Zoobesuch oder Schulgespräche organisiert.

Die Ergebnisse von MACACOGNITUM fördern neue Forschungssynergien und Exzellenz im Europäischen Forschungsraum (EFR) und liefern mögliche Erklärungen zur Evolution menschlicher und anderer Primaten.

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Schlüsselwörter

Soziale Kognition, soziale Komplexität, MACACOGNITUM, Evolution, Primat, soziales Miteinander
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