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Seevögel finden ihr Zuhause im Dunkeln über den Geruch

Der Geruchssinn (Olfaktion) von Vögeln spielt für die Vogelökologie eine entscheidende Rolle. Dies trifft insbesondere auf den Blausturmvogel zu, der bekanntermaßen jedes Jahr in das gleiche Nest mit demselben Partner zurückkehrt.
Seevögel finden ihr Zuhause im Dunkeln über den Geruch
Der Blausturmvogel nistet in Erdbauen, in die er nach Ausflügen zur Nahrungssuche zurückkehrt. Die olfaktorischen Hinweise, welche die Vögel in Richtung des Erdbaueingangs lotsen, können auf eine Vielzahl von Quellen zurückgehen. Dies schließt Lipide von den Federn des Nesteigentümers sowie Bürzeldrüsensekretionen ein. Die chemische Zusammensetzung des Nestgeruchs und der Bestandteile, welche die Erkennung vereinfachen, sind jedoch auch nach einem Jahr noch nicht vollständig klar.

Aus diesem Grund wurde im Rahmen des EU-finanzierten Projekts BIRDSCENTS (Role and function of olfaction in seabirds) untersucht, wie der Blausturmvogel (Halobaena caerulea), der im Südlichen Ozean lebt und auf kleinen Inseln in der Region der Arktis brütet, seinen Geruchssinn nutzt, um den Nestgeruch und den Geruch anderer Blausturmvogel-Individuen zu erkennen.

Das Ziel war die Identifizierung und Charakterisierung flüchtiger organische Verbindungen (Volatile Organic Compounds, VOCs), die aus dem Gefieder und den Nesten des Vogels hervorgehen. Hierzu wurden im Rahmen von Feldarbeit auf der Kerguelen-Inselgruppe im südlichen Indischen Ozean Brutvögel-Proben von Nestmaterial und von flüchtigen organischen Verbindungen gesammelt. Zunächst wurden die Proben mithilfe von Festphasenmikroextraktion und direkter thermischer Desorption analysiert.

Die Wissenschaftler untersuchten zudem eine innovative Strategie für die direkte Vor-Ort-Beprobung von flüchtigen organischen Verbindungen der Nester, indem flüchtige organische Verbindungen in zwei sequenzierten Thermodesorptionsröhren eingefangen wurden. Die erste Röhre war mit Tennax-TA und die zweite mit Sulficarb gefüllt. Darüber hinaus wurden für die Analyse anhand einer Gaschromatographie mit Massenspektrometrie unterschiedliche Labormethoden zur Extraktion flüchtiger organischer Verbindungen aus Federn untersucht.

Unabhängig von der angewandten Methode deuteten die Ergebnisse darauf hin, dass sich die flüchtigen organischen Verbindungen von Nestern jedes Jahr ändern könnten und dass diese ebenfalls von Art zu Art und je nach Belegung des Nests unterschiedlich sind. Es wurde außerdem ein „Nest-Label“ demonstriert, das mit dem Heimflugverhalten in Zusammenhang stehen könnte. Flüchtige organische Verbindungen von Federn offenbarten ein individuelles Kennzeichen, das bei der sozialen Kommunikation und bei dem Zielflugverhalten des Blaustumvogels von Bedeutung sein könnte.

Die Ergebnisse von BIRDSCENTS werden zukünftige Arbeit an den chemischen Kommunikationssystemen und an der chemischen Ökologie von Vögeln und Vertebraten unterstützen. Die Ergebnisse können ebenfalls genutzt werden, um herauszufinden, welche Rolle der Geruchssinn bei Vögeln spielt und welche Bedeutung dieser angesichts des Klimawandels für den Artenschutz hat.

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Schlüsselwörter

Seevögel, Geruchssinn, Blausturmvogel, Nestgeruch, BIRDSCENTS, flüchtige organische Verbindungen
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