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Neue Heilungschancen für HIV-Infektionen

Der heute zur HIV-Therapie verabreichte Medikamentencocktail bekämpft das HIV-Virus mit starken Proteasenhemmern und Nucleosid-Analogstoffen. Diese Anti-HIV-Medikamente greifen das Virus an. Sie bringen es zwar nicht zum vollständigen Verschwinden aus dem menschlichen Organismus, reduzieren aber immerhin die Zahl der Viren auf eine Größenordnung, die im Blut des Patienten nicht mehr nachweisbar ist. Zusätzliche Medikamente, die das Immunsystem des Patienten so anregen, dass es das Virus aus den Immunzellen heraus (wo es noch immer vorhanden ist) angreift und unschädlich macht, könnte die vollständige Heilung einer HIV-Infektion möglich machen.
Neue Heilungschancen für HIV-Infektionen
Anti-HIV-Medikamente haben bei der Behandlung von Patienten, die mit dem tödlichen HIV-Virus infiziert sind, unerwartet große Erfolge möglich gemacht. Bei diesen hoch wirksamen Medikamenten, die im Grunde einen Cocktail aus einer Vielzahl unterschiedlicher Einzelwirkstoffe bilden, handelt es hauptsächlich um Proteasehemmer und Nucleosid-Analogstoffe. Dieser Medikamentencocktail drückt die Virenkonzentration zwar unter die Nachweisgrenze, ist aber nicht in der Lage, das Virus ganz auszuschalten. Daher ermöglicht die gegenwärtige Behandlung keine Heilung der Krankheit, und der Patient ist Zeit seines Lebens auf die Einnahme von Medikamenten angewiesen.

Das HI-Virus findet Schutz in den Zellen des Immunsystems, wo es der Anti-Virus-Medikamentencocktail nicht aufspüren und ausschalten kann. Diese „Virus-Rückzugsgebiete“ könnten allerdings vom Immunsystem selbst angegriffen werden, wenn dessen Funktion, die durch das Virus stark eingeschränkt ist, verbessert werden könnte. Wie die aktuelle Forschung zeigt, hemmt eine spezielle Proteinkinase - die Proteinkinase A, Typ I (PKAI) - lebenswichtige Funktionen des Immunsystems und löst eine Ausbreitung der vitalen T-Zellen aus den weißen Blutkörperchen aus, die in erster Linie für die Immunabwehr unseres Körpers verantwortlich sind. Die Zerstörung der T-Lymphozyten ermöglicht eine nachfolgende Infektion mit Krankheiten, die letztlich zum Tode führen.

Die Forschung hat weiterhin nachgewiesen, dass bestimmte Medikamente PKAI aktivieren und - in Zellkulturen – eine Verbesserung der Funktionen der T-Zellen in der Größenordnung von 300% bewirken. Es wurden noch verschiedene weitere Wirkstoffe entdeckt, die das Immunsystem stimulieren und seine Funktionen verbessern. Wenn es gelingt, die Aktivierung eines Signalpfades (Proteinkinase A, Typ I) in den weißen Blutkörperchen (T-Lymphozyten) durch eine neue Zusammenstellung bestimmter Medikamente zu blockieren, lassen sich die Funktionen des Immunsystems beträchtlich verbessern und sogar wieder normalisieren, d.h. auf dasselbe Niveau wie bei einem gesunden Menschen bringen. Das Immunsystem kann daher anschließend das HIV-Virus überall angreifen und ausschalten.

Die an der aktuellen Forschung beteiligten Projektpartner haben bereits die möglichen Pfade zur Beeinflussung des Immunsystems ausfindig gemacht und Substanzen entdeckt, die zu einer neuartigen Therapie der Immunsystem-Stimulation bei HIV-Patienten führen wird. Die von ihnen dabei entwickelte Technologie wird gegenwärtig zur Entwicklung von Medikamenten auf der Basis dieser Substanzen eingesetzt. Derzeit werden Partner gesucht, die sich an diesem anspruchsvollen Projekt im Rahmen eines Joint Ventures beteiligen wollen. Berücksichtigt man die Tragweite dieser tödlichen Krankheit (HIV) und der steigenden Zahl der Infektionen weltweit, kann man durchaus eine Lawine von wirtschaftlichen Vorteilen an erwarten, falls diese Idee zur Entwicklung von praktisch einsetzbaren Medikamenten führt.

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Datensatznummer: 80332 / Zuletzt geändert am: 2005-09-18
Bereich: Biologie, Medizin