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Effiziente Verabreichung von Medikamenten über implantierte Kapseln

Im Kampf gegen den Krebs und andere tödliche Viruskrankheiten ist schon lange klar geworden, dass alternative Verfahren zur Verabreichung von Medikamenten die Bildung von bösartigen Tumoren vielleicht unterdrücken könnten. Die durch das aktuelle Forschungsprojekt gestützte logische Annahme, dass der Schlüssel zu einer Therapie in den biologischen, genetischen Eigenschaften der Zelle liegt, unterstreicht die Bedeutung des gewählten Vektors für die Verabreichung des Wirkstoffs. Im aktuellen Projekt wurden erfolgreich Kapseln entwickelt, die aus Zellulose hergestellt wurden und so Patienten implantiert werden können, wo sie dann die benötigten Antikörper frei setzen.
Effiziente Verabreichung von Medikamenten über implantierte Kapseln
Die Entwicklung von Verfahren zur systematischen, langfristigen Verabreichung von Medikamenten wäre eine Lösung für eine Vielzahl von Krankheiten, die eine derartige Behandlung erfordern. Ein in diesem Zusammenhang offensichtliches Beispiel ist die Behandlung von Diabetes-Patienten, die ständig Insulin benötigen, aber auch von Krebspatienten, bei denen eine langfristige Behandlung und Überwachung erforderlich sind. Im Fall von Krebs und anderen lebensbedrohenden Viruskrankheiten ist es für die Wirksamkeit eines Medikaments außerdem von Bedeutung, dass es lokal und nach Möglichkeit in der Nähe des Tumors verabreicht werden kann.

Die Möglichkeit, Kapseln zu implantieren, in denen sich Zellen befinden, die Antikörper produzieren, wurde nun im aktuellen Projekt untersucht. Mit Erfolg: Nach eingehenden In-vivo-Tests an Mäusen über eine Zeitspanne von gut zehn Monaten konnte nachgewiesen werden, dass Kapseln aus Zellulosesulfat nach Implantation unter die Haut oder in die seröse Membran auf der Bauchhöhlenwand keine neutralisierenden Flüssigkeitsreaktionen aktivieren und somit sicher zur Verabreichung von Medikamenten verwendbar sind. Speziell im Hinblick auf Krebs und Viruserkrankungen wurden über Kapseln, die Hybridomzellen enthielten, monoklonale Antikörper in den Blutstrom von immunkompetenten Mäusen transferiert. Die Verabreichung dauerte mehrere Monate.

Ein entscheidender Punkt bei diesem Verfahren ist die Tatsache, dass die Zellulosesulfatmatrix keine Reaktionen des Immunsystems auslöst. Kapseln, die in die freie Bauchhöhle implantiert werden, bleiben beweglich und werden nicht von Körperflüssigkeiten absorbiert (keine Vaskularisation). Im Gegensatz dazu bilden Kapseln, die unter die Haut implantiert werden, Neo-Organe, bei denen es innerhalb von Tagen zur Vaskularisation kommt. Eine weitere wichtige Beobachtung, die darauf hindeutet, dass die Verwendung von Zellulose keine unterstützenden Auswirkungen hat, ist die, dass weder eine isolierende Fibrose noch irgendwelche offensichtlichen Entzündungsreaktionen festgestellt wurden, und das über Beobachtungszeiträume von zehn Monaten.

Das mittelständische österreichische Unternehmen, von dem das Verfahren zur Verkapselung von Zellen zur Produktion monoklonaler Antikörper entwickelt wurde, ist auf der Suche nach Partnern für ein Joint-Venture- oder Marketingabkommen für die Anwendung des Verfahrens und zur Entwicklung einer wirksamen Gen- bzw. Zelltherapie für eine Vielzahl von Krankheiten.
Datensatznummer: 80396 / Zuletzt geändert am: 2005-09-18
Bereich: Biologie, Medizin
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