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FP6

VIRGIL — Ergebnis in Kürze

Project ID: 503359
Gefördert unter: FP6-LIFESCIHEALTH
Land: Frankreich

Neue antivirale Arzneimittel mit geringer Resistenzentwicklung

Antivirale Arzneimittel (Virostatika) verlieren schnell ihre Wirkung, wenn die Viren im Laufe der Behandlung Resistenzen entwickeln. Ein Netzwerk europäischer Wissenschaftler untersuchte dieses Problem genauestens und erhoffte sich daraus Erkenntnisse zu besseren Behandlungswegen sowie zur Entwicklung neuer, wirksamer Arzneimittel.
Neue antivirale Arzneimittel mit geringer Resistenzentwicklung
Die Resistenz von Viren gegen Arzneimittel ist besonders bei der Bekämpfung von anstreckenden Krankheiten wie Grippe oder Hepatitis ein großes Problem. Die Auswirkungen einer solchen Resistenz können schwerwiegend sein, da sie die Wirkung der meisten Virostatika erster Wahl halbieren können. Man hat daher den Versuch gestartet, Arzneimittel zu entwickeln, gegen die Viren selten bis sehr selten resistent werden.

Hauptziel des EU-finanzierten Projekts "European vigilance network for the management of antirival drug resistance" (Virgil) war der umfassende und gemeinsame Zusammenschluss bestehender klinischer, technischer und wissenschaftlicher Netzwerke. Das entstandene Netzwerk zielte auf die Bildung einer gemeinsamen Multicenter-Plattform für klinische Forschung ab, deren Hauptaugenmerk auf der Virushepatitis liegen sollte.

Mehr als 20 ausgewählte Patienten mit Virushepatitis nahmen an dem Projekt teil. Man sammelte Daten zu ihrem Krankheitsverlauf vor, während und nach der Behandlung mit Virostatika und klassifizierte diese Daten je nach ihren Hinweisen zu einer Resistenzentwicklung.

Die Virgil-Partner erreichten alle gesetzten Ziele des Projekts und stellten eine zentrale Datenbank am Informationstechnologie-Zentrum in München zusammen. So wurde zum Beispiel das erste internationale elektronische System zur Erhebung von Daten über die virale Resistenz bei Virushepatitis, die eCase Report Form (eCRF, dt. Prüfbogen) entwickelt, geprüft und anschließend in die Datenbank eingespeist. Dies ermöglicht die Datenerhebung aus einer Vielzahl an Ländern, zudem sind bereits mehr als 1000 Patienten erfolgreich registriert.

Das Virgil-Projekt beschäftigt sich zurzeit primär mit Hepatitis-B-Virusinfektionen (HBV-Infektionen), da zu diesen genug erprobte Arzneimittel vorhanden sind, bei denen bereits eine Resistenzentwicklung nachgewiesen wurde. Das eCRF-System wird jedoch bald auch Daten zu Resistenzfällen beim Heptatitis-C-Virus (HCV) aufnehmen können.

Die erste umfangreiche klinische Bewertung der Virostatika Tenofovir und Entecavir zur Behandlung von Hepatitis B wurde bereits mit betroffenen Patienten durchgeführt. Aus dieser wichtigen Studie ging hervor, dass beide Präparate sowohl sicher als auch wirksam sind. Dennoch stellte man bei beiden Medikamenten gewisse Grenzen fest, die das Objekt weiterer Untersuchungen sein sollten.

Mit einem mathematischen Modell des Virgil-Konsortiums wurde dargelegt, wie sich die Resistenz von Viren auf die Faktoren Letalität, Morbidität und Kosten auswirkt. Die überraschenden Ergebnisse zeigten eine sehr hohe Letalität von 40 % (in einem Zeitraum von 20 Jahren) bei Hepatitis-B-Erkrankung. Bei früher Anwendung von Medikamenten mit einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit der Resistenzentwicklung kann die Letalität um bis zu 90 % reduziert werden.

Man richtete ein Online-Beratungssystem für Ärzte (VirDoc) ein, um ihnen den Umgang mit chronischen Hepatitis-B-Patienten zu erleichtern, bei denen eine virale Resistenz festgestellt wurde. Aufgrund technischer und menschlicher Hürden funktionierte das System jedoch nicht wie erwartet. Daher ist es notwendig, Lösungen zu finden, die das System für Mediziner ansprechender machen.

Virgil entwickelte jedoch ein umfassendes, wirksames und hochinteraktives Netzwerk zur Beobachtung, Prävention und schließlich auch Bekämpfung von Arzneimittelresistenz bei Viren. Dem Netzwerk eröffnen sich immer bessere und erweiterte Möglichkeiten, zudem schließen sich immer mehr Partner mit neuer Expertise an. Damit leistet das Netzwerk einen wertvollen Beitrag als Werkzeug für Forscher, Wissenschaftler und Amtsärzte zum effektiven Schutz gegen Viren.

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