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FTE-Erfolgsstorys - Neue Philosophie im Autobau: Projekt mit erhellender Wirkung

Die Autohersteller suchen innovative und kostengünstige Wege zum Bau leichterer Fahrzeuge, ohne Einbußen in den Punkten Komfort oder Sicherheit in Kauf nehmen zu müssen. Die Kunden wollen immer mehr Funktionen und Fahrzeuge besserer Qualität, ohne aber dafür mehr zahlen zu müssen. Die Regierungen wollen eine CO2-arme Wirtschaft und umweltfreundlichen Verkehr, der Sicherheits- wie auch Emissionsstandards einhält. Das ist zweifellos viel verlangt, aber Autos leichterer Bauart, die dank der Finanzierungsanstrengungen der EU schon bald bereitstehen werden, dürften alle glücklich machen.
FTE-Erfolgsstorys - Neue Philosophie im Autobau: Projekt mit erhellender Wirkung
Europäische Forscher haben einen neuen Ansatz zum Bau von Fahrzeugen entwickelt, mit dem 35 bis 40 % von deren Gewicht abgeschmolzen werden. Die Rechnung ist denkbar einfach: Leichtere Autos bedeuten weniger Kraftstoffverbrauch und weniger CO2-Emissionen. Dass ist nicht nur eine gute Nachricht für die Umwelt, sondern auch für die Fahrerinnen und Fahrer, die derzeit immer mehr zahlen müssen, um die Tanks ihrer Fahrzeuge zu füllen.

Das Projekt SUPER LIGHT CAR (SLC) erzielte diesen Durchbruch, indem schwere Stahlteile durch leichtere Werkstoffe wie Aluminium und kohlenstoffaserverstärkte Kunststoffe ersetzt wurden und neue Möglichkeiten zum Verbinden dieser Materialien entwickelt wurden, was bislang für die Ingenieure eine große Hürde darstellte.

Das EU-finanzierte Team erdachte überdies Sicherheitsmaßnahmen, die sicherstellen sollen, dass die Autos immer noch noch den Anforderungen an Steifigkeit, Unfallsicherheit, Materialermüdung und Korrosionsbeständigkeit genügen. Simulationen zeigen, dass die Projektresultate diese Anforderungen erfüllen.

Laut Dr. Martin Goede von der Volkswagen AG waren die Schwerpunkte das innovative Materialdesign, die Fertigung und neue Montagemethoden. Die besten Werkstoffe und Fertigungsverfahren wurden untersucht, um Gewicht und Kosten so weit wie möglich zu reduzieren. "Neben der Entwicklung von Metallen und Leichtmetallen spielt die Forschung an faserverstärkten Kunststoffen eine wichtige Rolle", berichtet er.

Dr. Goede koordiniert ein gewaltiges Konsortium europäischer Partner aus der Tschechischen Republik, Spanien, Frankreich, Deutschland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Schweden, der Schweiz und dem Vereinigte Königreich. Zu den Partnern zählen VW, Fiat, Opel, Renault, Volvo, Porsche und Daimler wie auch Spezialisten und Zulieferer wie ArcelorMittal und Norsk Hydro.

Forschung in dieser Größenordnung sei für einen Hersteller oder ein Land praktisch unmöglich, so der Koordinator. Er fordert dazu auf, Erfahrung und Kompetenzen miteinander zu teilen und kollektive Investitionen in die Ergebnisse vorzunehmen - genau dort, wo es mit den EU-Fördermitteln für große integrierte Teams kritisch wird. Anstatt viele unprofitable kleinere Projekte zu betreiben, wissen die Entwickler nun genau, wie viel Fahrzeuggewicht bei eingehaltenen Standards eingespart werden kann. Und dies ist ein wichtiger Schritt in Richtung Markteinführung.

Auto auf Diät

Die im Zusammenhang mit modernen Fahrzeugen bestehenden Forderungen nach mehr Komfort und Sicherheit wie etwa die Notwendigkeit der Klimaanlage bis hin zum Wunsch nach moderner Fahrassistenztechnologie verbrauchen die durch neue kraftstoffsparende Motorentechnik gewonnenen Einsparungen.

Und jedes zusätzliche Kilo befördert dem Kraftstoffverbrauch nach oben. Ein Standard-C-Klasse-Wagen hat zum Beispiel seit den 1970ern 40 % an Gewicht zugelegt. Ein typischer Volkswagen Golf wiegt heute 1 617kg, verglichen mit den 970kg, mit denen er zum ersten Mal auf den Markt kam. Inzwischen werden die traditionellen fossilen Brennstoffe immer knapper und somit auch teurer. Der Verkehrssektor muss sich dem Druck stellen, seinen CO2-Fußabdruck sowie die Umweltverschmutzung zu minimieren.

Der Verkehr ist heute für rund ein Viertel der CO2-Emissionen in Europa verantwortlich. Die Senkung des Kraftstoff- und Energieverbrauchs wird die EU bei der Umsetzung ihrer Strategie Europa 2020 für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum unterstützen.

Die ersten Anzeichen sind gut. Die Hersteller kleinerer Serienfahrzeuge konnten mit Erfolg das Gewicht einiger Fahrzeuglinien senken, obgleich sich diese in Handarbeit gebaute Versuchsreihe für die Hauptakteure als zu teuer und unpraktikabel erwiesen hat. So ging das Projekt noch einen Schritt weiter, um den SLC-Ansatz in einen für große Stückzahlen brauchbaren Kontext zu rücken. Der C-Klasse-Prototyp des Projekts kann in der Tat in einen größeren Maßstab umgesetzt werden und sich in ein paar Jahren als kommerziell realisierbar erweisen. Simulationen demonstrierten eine Fertigungskapazität von 1 000 Fahrzeugen täglich.

Der Prototyp erfüllt sämtliche Anforderungen und könnte, wenn es es auf den Markt schafft, viele Tonnen Kraftstoff einsparen und der EU eine echte Hilfe dabei sein, ihr Ziel einer kohlenstoffarmen Wirtschaft zu erreichen. SLC könnte wahrlich erhellende Wirkung auf die Autohersteller zeigen.

- Vollständige Bezeichnung des Projekts: SUPER LIGHT CAR
- Projektakronym: SLC
– http://www.superlightcar.com / SLC Website
- Projektreferenznummer: 516465
- Name/Land des Projektkoordinators: Volkswagen AG/Deutschland
- Projektkosten: 19,6 Mio. EUR
- Beitrag der EK: 10,4 Mio. EUR
- Projektbeginn/-ende: Februar 2005 bis Juli 2009
- Andere Partnerländer: Tschechische Republik, Spanien, Frankreich, Deutschland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Schweden, Schweiz, Vereinigtes Königreich

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