Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft - CORDIS

FP6

Top Story

Gefördert unter: FP6-AEROSPACE

FTE-Erfolgsstorys - Keine Angst vorm Blitzeinschlag beim Fliegen

Verkehrsflugzeuge werden im Durchschnitt einmal pro Jahr vom Blitz getroffen. Obgleich die Auswirkungen auf Flugzeuge und Hubschrauber bei einem Blitzschlag mit niedriger Amplitude minimal sind, können Blitzeinschläge hoher Amplitude teure Verspätungen und bedeutende Reparatur- und Wartungsarbeiten nach sich ziehen. Ein EU-finanziertes Projekt hat einen Prototypen eines Flugsystems entwickelt, das die Eigenschaften realer Blitzeinschläge und deren mögliche Auswirkungen auf Flugzeuge messen kann.
FTE-Erfolgsstorys - Keine Angst vorm Blitzeinschlag beim Fliegen
In der Vergangenheit sammelte man Ist-Daten aus Blitzeinschlägen an Testflugzeugen und konnte so über Jahre hinweg geeignete Eingangswerte zu den Effekten von während des Flugs einschlagenden Blitzen bereitstellen. Es existieren jedoch keine großen Mengen an Daten über Blitzschlag während des Flugs. Mehr Daten bedeuten auch mehr Wissen über das Phänomen und ermöglichen es den Flugzeugkonstrukteuren, die Bauform zu optimieren und so die Wartungskosten nach einem Blitzeinschlag zu reduzieren. Die Blitzerfassung und die Übermittlung von Informationen an die Wartungsteams in Echtzeit bedeutet, dass Vorbereitungen zur Inspektion oder zur Reparatur getroffen werden können, noch bevor das Flugzeug gelandet ist.

Das ILDAS-Projekt ("In-flight lightning strike damage assessment system") ist eine gemeinsame Initiative zwölf europäischer Unternehmen, die ein Prototypsystem entwickelt und validiert haben, das die Auswirkungen eines Blitzeinschlags direkt am Flugzeug bewertet und Daten liefert, die zur Verbesserung des zukünftigen Flugzeugdesigns genutzt werden können.

Im Rahmen des Projekts entwickelte man ein System, zu dem moderne, intelligente Sensoren am Rumpf und an den Tragflächen des Flugzeugs gehören, die Blitzschlagparameter und Ströme charakterisieren, die bei einem Einschlag während des Flugs in der Außenhaut fließen. Außerdem ersannen die Projektpartner wichtige Sensorlösungen für den Kabineninnenraum, die nunmehr eine viel bessere Ausgangsbasis für die Entwicklung eines ILDAS-Bordsystems für moderne Verkehrsflugzeuge bilden, da sie wesentlich leichter im Flugzeug zu installieren sind.

"Wir haben ein Messsystem entwickelt, das tatsächliche Blitzeinschlagsdaten messen kann", sagt Rob Zwemmer, ILDAS-Projektkoordinator am National Aerospace Laboratory in Amsterdam. "Überdies konnte ein äußerst vielversprechender Fenstersensor erfolgreich validiert werden, was den Hauptvorteil hat, dass er im Inneren des Flugzeugs verortet sein kann."

"Das ILDAS-System wurde an einem echten Flugzeug überprüft, allerdings nur am Boden", fügt Zwemmer hinzu. "Um für reale Anwendungen bereit zu sein, muss sich ILDAS in einem realen Flugumfeld beweisen und tatsächlich das Flugzeug treffende Blitzeinschläge messen."

Er bekennt jedoch, dass es sehr schwierig sei, ein solches Umfeld zu finden, da die Piloten nicht gewillt sein oder es ihnen nicht gestattet sei, ganz bewusst in ein Gebiet zu fliegen, in dem ein Flugzeug wahrscheinlich vom Blitz getroffen wird. Nun, da das Prjekt beendet ist, besteht der nächste Schritt für das ILDAS-Team darin, eine Lösung für dieses Problem zu finden.

"Wir arbeite derzeit mit Airbus zusammen, um zu diesem Zweck ein ILDAS-System in ein Testflugzeug zu bringen", bestätigt Zwemmer.

Ein Geschäftsszenario

Nach erfolgreicher Überprüfung des Systems während des Flugs beabsichtigt man die Entwicklung einer umfangreichen Geschäftsfallstudie, um sicherzugehen, dass die ILDAS-Systeme so kostengünstig wie möglich bei einsatzbereiten Flotten zum Einsatz kommen können.

Neben den Tests am Boden untersuchte das ILDAS-Team außerdem ein Datenbankkonzept, bei dem es um die Speicherung und Auswertung der gemessenen und abgeleiteten Blitzeinschlagdaten geht. Diese Datenbank wird an sich schon von Wert sein, ist sich Zwemmer sicher, da sie die nachfolgende Ausnutzung der Ergebnisse erleichtere.

Die zu den Blitzeinschlägen aufgezeichneten Daten können in die Datenbank heruntergeladen werden, wodurch eine schnelle exakte Bewertung der Schwere eines Einschlags nach dem Ereignis möglich wird. Sofortiges Wissen über den Schweregrad des Blitzeinschlags verschaffen den Fluggesellschaften einen Hinweis auf die erforderliche Stufe der Inspektion und Wartung nach dem Blitzeinschlag. Auf diese Weise werden Ausfallzeiten und Kosten gespart.

Zwemmer zufolge wird die Weiterentwicklung des Datenbankkonzepts voraussichtlich in zukünftige ILDAS-Projekte einbezogen.

- Vollständige Bezeichnung des Projekts: "In-flight lightning strike damage assessment system"
- Projektakronym: ILDAS
- ILDAS-Projektwebsite
- Projektreferenznummer: 30806
- Name/Land des Projektkoordinators: Robert Zwemmer / Avionics Development & Qualification Department, National Aerospace Laboratory NLR (Niederlande)
- Gesamtprojektkosten: 4 255 247 EUR
- Beitrag der EK: 2 331 EUR
- Projektbeginn/-ende: Oktober 2006 bis Juli 2009% L - Weitere Partnerländer: Frankreich, Tschechische Republik, Deutschland, Vereinigtes Königreich, Niederlande

Verwandte Informationen

Folgen Sie uns auf: RSS Facebook Twitter YouTube Verwaltet vom Amt für Veröffentlichungen der EU Nach oben