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Wie das HI-Virus die Entstehung regulatorischer T-Zellen behindert

Bei HIV-Patienten wird normalerweise durch eine hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART: highly active antiretroviral therapy) die Virenreplikation verhindert. Welche Mechanismen bei HIV im Detail die Immunabwehr regulieren, ist allerdings noch immer ein Rätsel. Eine europäische Studie untersuchte nun am "natürlichen" Arsenal regulatorischer T-Zellen, wie HIV die T-Zell-Entwicklung und –funktion beeinträchtigt.
Wie das HI-Virus die Entstehung regulatorischer T-Zellen behindert
Detaillierte Forschungen ergaben, dass das HI-Virus die Funktion regulatorischer T-Zellen beeinträchtigt, indem es den Thymus infiziert und dessen Funktion herabsetzt. Von besonderer Bedeutung bei einer HIV-Infektion sind die natürlichen regulatorischen T-Zellen (nTregs), die durch hochavide Interaktionen im Thymus selektiert werden und die Immunantwort steuern. Da keine spezifischen Marker existieren, um natürliche von induzierbaren regulatorischen T-Zellen zu unterscheiden, konnten nTregs bislang nicht im Detail analysiert werden.

Das EU-finanzierte Forschungsprojekt 3ITD (Impact of IL-7 and IFNa on nTreg development) untersuchte daher den Phänotyp und die Funktion der im Thymus gebildeten nTregs wie auch die Rolle, die diese Zellen bei der Immunantwort spielen.

Untersuchungen an den T-Zellen ergaben, dass die im Thymus gebildete nTregs-Fraktion CD25 statt CD127 exprimiert. CD25 ist ein Protein, das auf dem Interleukin-2 (IL2)-Rezeptor vorhanden ist (der normalerweise bei der T-Zellaktivierung präsent ist). CD127 ist ein Protein auf dem IL-7-Rezeptor und kritisch für die Entwicklung von Immunzellen. CD25-Zellen wurden im peripheren Blut von HIV-Patienten verglichen mit Kontrollpersonen in reduzierter Konzentration nachgewiesen. Ähnliche Ergebnisse wurden bei SIV-infizierten Tieren (Affen-HI-Virus) sowie bei menschlichen Autoimmunerkrankungen berichtet.

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass die Bildung von CD25 auf eine Interaktion zwischen unreifen T-Zellen und Thymus zurückgeht. Weiterhin könnte die niedrige Expression von CD25 in den regulatorischen T-Zellen bei HIV-Patienten das Ergebnis einer gestörten Aktivierung im Thymus sein. Weiterhin belegten funktionelle In-vitro-Assays die gestörte Aktivierung in natürlichen regulatorischen T-Zellen ohne CD25.

Neben neuen wichtigen Erkenntnissen zur T-Zellreifung im Thymus könnten die Ergebnisse von 3ITD von klinischer Bedeutung sein. Natürliche regulatorische T-Zellen könnten in der klinischen Praxis angewendet werden und die Grundlage für immunbasierte Therapien zur Wiederherstellung des Immunsystems nach einer HIV-Infektion darstellen.

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