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Zur Rolle von T-Lymphozyten bei Epstein-Barr-Infektionen

Das Epstein–Barr-Virus (EBV) gehört zur Familie der Herpesviren, die für Krebs- und immunproliferative Erkrankungen sowie akute infektiöse Mononukleasen (AIM) verantwortlich sind. Europäische Forscher wollen nun die Immunprozesse erforschen, die bei einer EBV-Infektion initiiert werden.
Zur Rolle von T-Lymphozyten bei Epstein-Barr-Infektionen
Bei Virusinfektionen erfolgt die durch T-Lymphozyten vermittelte Immunantwort über die Aktivierung des T-Zell-Rezeptors (TCR). Die TCR-Aktivierung ist ein für das Immunsystem instrumenteller Prozess, dem die Antigenpräsentation durch entsprechende Immunzellen vorausgeht. T-Zellen, die in Kontakt mit einem Antigen gekommen sind, werden als T-Gedächtniszellen bezeichnet. Trifft die Zelle ein zweites Mal auf dieses Antigen, wird eine wirksamere und sehr viel schnellere Immunantwort als beim ersten Mal induziert.

Neuere Studien schreiben kreuzreaktiven T-Gedächtnis-Zellen eine Rolle bei EBV-induzierten AIM zu. Die genaue Funktion kreuzreaktiver CD8-T-Zellen bei der Pathologie von EBV zu charakterisieren war Hauptaufgabe des EU-finanzierten Projekts EBV HORIZONS. So wurde ein Panel mit EBV-spezifischen CD8-T-Zellklonen von Kindern, Erwachsenen und älteren Menschen mit EBV-Infektionen analysiert. Letztliches Ziel war die Identifizierung der Liganden, die von diesen Klonen erkannt werden.

Im ersten Schritt wurde das TCR-Repertoire bei gesunden Probanden aller Altersgruppen analysiert, wobei viele gemeinsame Rezeptoren entdeckt wurden. Mit dem Mechanismus der so genannten konvergenten Rekombination wurde das interindividuelle Auftreten von TCR-Klontypen innerhalb antigenspezifischer CD8-T-Zellpopulationen erklärt, dem zufolge diese TCR-Klontypen die häufigsten Produkte der V(D)J-Rekombination (variable diversity joining) darstellen.

Die Arbeitshypothese von EBV HORIZONS lautete, dass diese gemeinsamen TCR für Klone von Belang sind, die die Immunantwort auf eine Infektion auslösen. Analysen von TCR-Sequenzen bei naiven CD8-Zellen von Mäusen ergaben, dass TCR mit konvergenten Eigenschaften bei einzelnen Mäusen in höheren Kopiezahlen vorhanden waren und auch bei mehreren Mäusen nachgewiesen wurden.

Eine nachfolgende Analyse von naiven und T-Gedächtnis-Zellen beim Menschen enthüllte, dass der Mechanismus der konvergenten Rekombination das TCR-Repertoire des Zellpools von naiven und T- CD8-Gedächtniszellen beeinflusst sowie deren Interaktion bei ein und derselben oder zwischen mehreren Personen.

Die Forschungsergebnisse sind für die Behandlung von EBV-Infektionen relevant, da sie die komplexe Immunantwort auf das Virus enthüllen. Weiterhin könnten Modelle der Immunantwort für künftige therapeutische Strategien erstellt werden.

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