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Auf den Spuren der Entwicklung technischer Traditionen in der europäischen Bronzezeit

Untersucht man Kulturen der europäischen Bronzezeit und archäologischen Materialien, konzentriert man sich im Allgemeinen auf fertigbearbeitete Artefakte. Ein EU-finanziertes Projekt folgte einem neuartigen Ansatz und entschied sich dafür, die physikalischen Modalitäten zu erforschen, die ausgenutzt wurden, um Rohstoffe in ein fertigbearbeitetes Objekt umzuformen.
Auf den Spuren der Entwicklung technischer Traditionen in der europäischen Bronzezeit
Das Projekt "The 'European Bronze Age cultures and technical evolution: A phylogenetic approach" (BRONZE AGE) wollte den Ursprung und die Entwicklung der für die mittlere Bronzezeit (2 200 bis 800 vor unserer Zeitrechnung) typischen technologischen Vielfalt besser verstehen und modellieren. Zu diesem Zweck betrachteten die Forscher des Projekts zwei Kulturen: eine auf einer Insel beheimatete und eine weitere von einem Kontinent.

Dieser Ansatz basierte auf der Idee, dass technische Verhaltensweisen, die eine Verbindung mit Körper und Geist darstellen, durch das soziokulturelle Umfeld der Handwerker und der Weitergabe von Traditionen von einer Generation zur nächsten beeinflusst werden. Die Frage lautet dabei, ob das Ganze ein Resultat der Evolution innerhalb einer kulturellen Gruppe (Phylogenie) oder ein interkultureller Transfer (Ethnogenese) ist.

Um Antworten auf die verschiedenen Fragen der Evolution technischer Traditionen zu finden, setzten die Projektmitglieder auf das "Chaîne opératoire"-Konzept sowie phylogenetische Stammbäume und Netzwerke, um die Beziehungen zwischen Vorfahren und zu veranschaulichen. Diese bildeten die Grundlage für die Weiterentwicklung eines neuen Paradigmas für die Bronzezeit und einer neuen Methodik zur Erforschung der Anthropologie der Technik. Chaîne opératoire, eine Arbeitsschrittanalyse, ist ein methodisches Werkzeug, das zur Analyse technischer Prozesse und sozialer Handlungen verwendet wird, die Bestandteil des schrittweisen Einsatzes, der Herstellung und späteren Entsorgung von Artefakten sind.

Die BRONZE AGE-Forscher entwickelten Merkmale, die eine gewisse Abfolge der Arbeitsschritte (chaîne opératoire) in einer Matrix kodieren, die zur phylogenetischen Analyse verwendet werden könnte. Sie überarbeiteten 60 Chaînes opératoires des Formgebungsverfahren komplett und passten sie an die phylogenetische Analyse an. Die entwickelte Methodik belegt die Möglichkeit, eine Brücke zwischen der Anthropologie von Verfahren und der Phylogenetik zu schlagen.

Die Untersuchungsergebnisse unterstützen mit Nachdruck die Hypothese der Phylogenese, nach der Ähnlichkeiten zwischen technischen Traditionen im Zusammenhang mit einem Abstammungsprozess mit Veränderungen, ausgehend von einem gemeinsamen Vorfahren, stehen. Dies bedeutet, dass diese kulturellen Gruppen zum größten Teil auf einem Prozess der Phylogenese basieren. Die aufgedeckte Seltenheit horizontaler Transfers zwischen die Lehre betreffenden Abstammungslinien impliziert eine in Gemeinschaften organisierte Gesellschaft, in denen nur wenige Austausch stattfand.

Insgesamt stützen die BRONZE AGE-Resultate die Theorie der phylogenetischen Entwicklung von Kulturen. Dies widerlegt die aktuellen Annahmen, dass die Bronzezeitgesellschaften Europas reich an außerkulturellen Interaktionen und Austauschnetzen waren. Die im Rahmen des Projekts entwickelte Methodik ist auf jeglichen archäologischen und ethno-archäologischen Kontext anwendbar und kann daher zur Analyse und Modellierung der gesamten europäischen Bronzezeit verwendet werden, um die Ergebnisse dieser Studie zu bestätigen oder zu relativieren.

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