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Übersetzende Frauen: Gender und Repräsentation

Auf dem Gebiet Übersetzung und Geschlecht gibt es mehrere Forschungsperspektiven, hier handelt es sich um einen Bereich der Forschung, der noch immer viel unerforschtes "Gelände" zu bieten hat. Eine aktuelle Forschungsinitiative arbeitete an der Beantwortung verschiedener Fragen, die im Zentrum der aktuellen Debatten über Identität, Geschlecht und Macht in unseren pluralen Gesellschaften stehen.
Übersetzende Frauen: Gender und Repräsentation
Das von der EU finanzierte Projekt "Translation and Gender" (TRANS) unternahm eine kritische Betrachtung der wichtigsten zeitgenössischen Perspektiven auf Geschlecht, Kultur und Übersetzung mit interdisziplinärer Blickrichtung. Die Studie untersuchte auch Nancy Hustons Praxis der Selbstübersetzung und des Crossovers im Kontext feministischer Theorie und Übersetzung.

Die Forschung berücksichtigte verschiedene dazugehörige Theorien (z. B. die psychoanalytische Theorie) und die Werke feministischer Theoretikerinnen und Schriftstellerinnen wie Sherry Simon, Gayatri Spivak, Judith Butler, Joan Scott, Hélène Cixous und Julia Kristeva sowie weiterer Autorinnen. Ziel war die Erstellung eines Überblicks über die Zusammenhänge und Fragen, die bereits im Bereich der Übersetzungswissenschaften und der feministischen Theorie aufgekommen sind, und die Beziehungen zwischen diesen beiden. Von dort aus konzentrierte sich die Arbeit auf die bisher im Bereich von Übersetzung und Geschlecht noch nicht berücksichtigte zeitgenössische feministische Theorie, etwa der italienischen Feministin Rosi Braidotti, und auf die Geschlechtermetaphorik in der Übersetzung.

Ein weiteres Ziel war die Erforschung der Werke von Autorinnen, die an Grenzen schreiben (sogenanntes border-writing) und sich selbst übersetzen (self-translation). Die Forschungsfragen bezogen auf die Verknüpfung der Mikroaspekte (textlich, inhaltlich) und Makroaspekte (sozial/ historisch/interkulturell) von Übersetzung und Gender lenkten diese spezielle Analyseaufgabe.

Die am Projekt Forschenden erwogen den erkenntniskritischen Horizont der theoretischen Ansätze am Schnittpunkt von feministischen Studien und Untersuchungen der Übersetzungswissenschaften mit Blick darauf, wie die in dieser Studie gestellten epistemischen Fragen zu einer allgemeinen Theorie der Übersetzung beitragen könnten. Die Arbeit und die Resultate dieser Forschungslinie wurden in einen für die kanadische Zeitschrift TTR (Traduction, Terminologie, Rédaction) geschriebenen Artikel einbezogen. Weitere diesbezügliche erkenntnistheoretische Fragen der Übersetzungswissenschaften wurden gleichermaßen in einem Interview mit dem führenden französischen Philosophen und Übersetzungswissenschaftler Jean-René Ladmiral erörtert, das im September 2012 (Jahrgang 57/3) in der internationalen Fachzeitschrift für Übersetzung META veröffentlicht wurde.

Weitere Aktivitäten umfassten die Organisation zweier großer internationaler Konferenzen und mehrere Hochschulveranstaltungen. Die Präsentationen der im Rahmen des TRANS-Projekts durchgeführten Arbeiten erzielten positive Aufmerksamkeit. Das verheißt Gutes für die Forschung zum Thema Übersetzung und Geschlecht, die Auswirkungen auf die Politikgestaltung haben wird, die im Interesse des sozialen Zusammenhalts auf die Einbeziehung und Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger abzielt.

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