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Die Verbindung zwischen Veränderungen der Gehirnhälften und Verhalten und Kognition

Das Gehirn ist ein wichtiges Organ – nicht nur zur Lebenserhaltung, sondern auch für Kognition, Sprache, Lernen, Emotionen und andere Funktionen. Es ist in zwei zerebrale Hemisphären unterteilt, die durch das Corpus callosum verbunden sind. Diese Hemisphären sind hinsichtlich Struktur und Funktion offenbar austauschbar.
Die Verbindung zwischen Veränderungen der Gehirnhälften und Verhalten und Kognition
Das EU-finanzierte Projekt 'A cognitive neuroscientific model of impulsivity and anxiety' (CNMIA) leistete durch die Untersuchung der Hirnhemisphären und ihrer Rolle bei Sprache und Verhalten bahnbrechende Forschungsarbeit. Besonders die Auswirkungen von Impulsivität und Angst auf die linguistische Wahrnehmung und Aufmerksamkeitskontrolle wurde bei normalen und klinischen Patienten thematisiert.

Der Test zum dichotischen Hören von Wörtern und Affekten (DLWA) wurde eingesetzt, um die Hemisphärenfunktion hinsichtlich Aufmerksamkeitskontrolle und Sprachkognition einzuschätzen. Die Studie umfasste sowohl Gesunde als auch Patienten, die von hoher Impulsivität oder Angststörungen betroffen waren. Die Ergebnisse zeigten, dass hohe Ängstlichkeit und hohe Impulsivität die Genauigkeit reduzierten und die Ablenkung erhöhten, wenn die Probanden Interferenzen ausgesetzt waren. Es wurde festgestellt, dass die linke Hemisphäre (LH) in diesen Zuständen hoher Emotionalität Wahrnehmungsdefizite aufwies, wobei die rechte Hemisphäre (RH) von verringerter Kognitionskontrolle betroffen war. In Studien zur Aufmerksamkeitskontrolle zeigte die LH eine höhere Anfälligkeit für Unkonzentriertheit und war stärker in die Verarbeitung von Wörtern eingebunden, während die RH stärker mit der Verarbeitung von Emotionen verbunden war.

Während der nächsten Projektphase wurde ein Elektroenzephalogramm (EEG) von einem Patienten mit linker Hemisphärektomie erstellt, dabei wurden Wörter mit emotionalen Prosodien verwendet. Prosodie stellt Rhythmus, Betonung und Intonation gesprochener Sprache dar und Hemisphärektomie bedeutet das Abtrennen oder Entfernen einer Gehirnhälfte. Eine interessante Erkenntnis war, dass die RH die Muster der LH imitierte, um die Sprachverarbeitungsfähigkeit des Patienten wiederherzustellen.

Funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) und Diffusions-Tensor-Bildgebung wurden mit der EEG verbunden, um die Unterschiede zwischen den Hemisphärenaktivitäten während der Beschallung mit emotional aufgeladenen Wörtern zu untersuchen. Interessanterweise zeigten die Testergebnisse, dass die Wortverarbeitung bei emotionaler Intonation andere Gehirnmuster aufweist als bei normaler Sprechweise. Außerdem reagierten Menschen mit geringer Impulsivität mit einer ausgeglichenen Hemisphärenaktivität auf emotionale Prosodie, anders als hochimpulsive Patienten. Jedoch waren beide Gruppen anfällig für Interferenzen, wenn sie einer traurigen Prosodie ausgesetzt waren.

Solche Messungen von Verhalten, Emotion, Kognition und anderer Reaktionen könnten als Neuro-Feedback zur Verhaltensnormalisierung bei Menschen zum Einsatz kommen, die an Verhaltens- oder Selbstkontrolldefiziten leiden. Menschen, die von Angstzuständen, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivität und ähnlichen Störungen betroffen sind, könnten dann korrektive Therapien für eine höhere Lebensqualität erhalten.

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