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Entwicklung der Position der Frau in Wissenschaft und Forschung

Mehr als 300 Teilnehmer - bei weitem die Mehrzahl Frauen - kamen zur Konferenz über Frauen und die Wissenschaften, die am 28. und 29. April in Brüssel stattfand. Diese gemeinsam von der Europäischen Kommission und dem Europäischen Parlament veranstaltete Konferenz sollte die F...
Mehr als 300 Teilnehmer - bei weitem die Mehrzahl Frauen - kamen zur Konferenz über Frauen und die Wissenschaften, die am 28. und 29. April in Brüssel stattfand. Diese gemeinsam von der Europäischen Kommission und dem Europäischen Parlament veranstaltete Konferenz sollte die Faktoren untersuchen, die Frauen von einer wissenschaftlichen Karriere abhalten bzw. den Aufstieg von Frauen behindern, die eine solche Karriere ergreifen. Gleichzeitig sollten Maßnahmen zur Verbesserung der Stellung der Frau in der europäischen Wissenschaft erörtert werden.

Während sich die Teilnehmer einig waren, daß Frauen in der wissenschaftlichen Gemeinschaft in Europa untervertreten sind, wurden hierfür viele verschiedene Gründe genannt und unterschiedliche Standpunkte hinsichtlich der zu ergreifenden Abstellmaßnahmen vertreten. Manche befürworteten die gezielte Verwendung öffentlicher Mittel zur Förderung von Forschung durch Frauen. Andere waren der Meinung, daß sich ihre Ziele besser durch einen Prozeß der Bewußtseinsbildung in wissenschaftlichen Kreisen erreichen lassen, insbesondere hinsichtlich des von Frauen geleisteten wissenschaftlichen Beitrags. Viele betonten, daß Frauen die verdiente wissenschaftliche Anerkennung, z.B. durch die Verleihung von Nobel-Preisen, vorenthalten worden sei.

Die Sammlung und Analyse der statistischen Informationen über die Position der Frau in den Wissenschaften, insbesondere auf europäischer Ebene, ist noch nicht weit genug ausgereift, um eingehende Untersuchungen zu gestatten. Die Konferenz forderte daher eine höhere Priorität für die Zusammenstellung dieses Informationsmaterials. Man sieht jedoch deutlich, daß der Unterschied zwischen Männern und Frauen bereits bei der Erziehung beginnt, und daß Jungen mit größerer Wahrscheinlichkeit wissenschaftliche Themen wählen als Mädchen. An den Hochschulen studiert eine viel größere Anzahl von Männern technische und Naturwissenschaften, abgesehen von der Medizin. Die Zahlen für weibliche wissenschaftliche Angestellte sind noch schwieriger zusammenzustellen. Sie beruhen meistens auf einzelstaatlichen und nicht auf europäischen Erhebungen. Sie lassen allerdings erkennen, daß weniger Frauen wissenschaftliche Positionen bekleiden als Männer, und daß Frauen auf diesem Gebiet im allgemeinen eine weniger verantwortliche Positionen bekleiden. (Die Zahlen lassen auch erkennen, daß weibliche Wissenschaftler in Südeuropa auf allen Ebenen einen höheren Rang genießen als in Nordeuropa.) Untersuchungen haben des weiteren gezeigt, daß Frauen viel mehr Erfahrung benötigen und viel mehr Arbeit leisten müssen, um eine Finanzierung für ihre Arbeiten oder eine Beförderung zu sichern. Die Konferenz wurde von Eryl McNally und Godelieve Quistoudt-Rowohl eröffnet - beide sind leitende Mitglieder des Forschungsausschusses des Europäischen Parlaments. Nach Frau McNally, einer Sozialistin, müßten sich führende Entscheidungsträger und Forschungsleiter verstärkt auf die Chancengleichheit auf den Gebieten konzentrieren, für die sie zuständig sind. Nach Frau Dr. Quistoudt-Rowohl, einer christlichen Demokratin, dürfte das Geschlecht eines Wissenschaftlers eigentlich keine Rolle spielen, sofern die Forschungsprogramme der EU logisch den Grundsatz überragender wissenschaftlicher Leistung zur Anwendung bringt. Sie ist überzeugt, daß Frauen selber zeigen können müssen, daß sie diese Grundsätze der überragenden Leistung erfüllen.

Frau Edith Cresson, die Kommissarin mit Zuständigkeit für Wissenschaft, Forschung und Innovation, Erziehung und Berufsbildung, und Jugend, und nebenbei die erste Frau, die die Verantwortung für die Forschungsprogramme der EU trägt, präsentierte eine Anzahl von Initiativen, die die Kommission vorgeschlagen hat, um die Teilnahme der Frau am Fünften FTE-Rahmenprogramm zu fördern. Das neue Programm, das Anfang 1999 anlaufen soll, ist das erste Programm, das spezifisch auf die Erfüllung der Erfordernisse der europäischen Bürger und von Europas Industrie abstellt. Nach Ansicht von Frau Cresson bedeutet die Tatsache, daß 51% aller europäischen Bürger Frauen sind, daß die neuen Programme auch auf ihre Belange abstellen müssen. Für Frau Cresson geht es bei der Frage der Rolle der Frau in der Wissenschaft nicht nur um Forschung "durch" Frauen, sondern auch um Forschung "für" und "über" Frauen.

Im Rahmen des Fünften Rahmenprogramms begrüßte die Kommissarin den von Frau McNally eingebrachten Änderungsantrag, der die Gewährleistung der Chancengleichheit bei der Durchführung des gesamten Programms vorsieht. Diesem Antrag wurde inzwischen vom Rat und vom Parlament stattgegeben. Zur Durchsetzung plant die Kommission Maßnahmen zur Ermutigung von Frauen zur Teilnahme an Projekten; zur Sammlung statistischer Angaben über die Teilnahme von Frauen an Programmen; zur Gewährleistung, daß Frauen in einem wesentlichen Verhältnis in den Beratungs- und Konsultationsausschüssen vertreten sind, darunter den neuen beratenden Ausschüssen und unter den Gutachtern und in den Prüfungsausschüssen für die einzelnen Programme. Bereiche von Interesse für Frauen werden in den verschiedenen Programmen besonders hervorgehoben, insbesondere auf Gebieten sozialwirtschaftlicher Forschung im Bereich des "Programms zur Förderung des Humanpotentials".

Die Durchführung dieser Maßnahmen wird von einem neuen "Europäischen System zu Kontrolle auf Bevorzugung von Geschlechts wegen" überwacht, das bei der Kommission eingerichtet wird und sich auf das gesamte Rahmenprogramm erstreckt. In der ganzen EU soll ein Netz für Frauen und die Wissenschaften eingerichtet werden, das den Austausch und die Koordinierung einzelstaatlicher Initiativen gestattet. Dieses Netz soll sowohl Einzelpersonen als auch Organisationen verbinden, die auf diesem Gebiet aktiv sind, einschließlich von vielen der Konferenzteilnehmer. Um ein verstärktes Bewußtsein und die politische Diskussion der vorgeschlagenene Maßnahmen zu erreichen, legt Frau Cresson der Kommission in Kürze eine Kommunikation zu diesem Thema vor. Hiermit soll nicht nur die Position der Frauen in den Wissenschaften angesprochen werden, sondern auch das Berufsbildungssystem, daß Frauen scheinbar von einem Studium der angewandten Wissenschaften und des Maschinenbaus abhält.

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