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Multimedia bringt Fremdsprachen "live" in das Klassenzimmer

In diesem Jahr werden über 80 Millionen Schüler in europäischen Schulen Fremdsprachenunterricht erhalten, die meisten von ihnen werden aber nicht die Gelegenheit haben, mit Muttersprachlern zu reden. Der Besuch eines anderen Landes ermöglicht es Schülern zwar, Alltagssituation...
In diesem Jahr werden über 80 Millionen Schüler in europäischen Schulen Fremdsprachenunterricht erhalten, die meisten von ihnen werden aber nicht die Gelegenheit haben, mit Muttersprachlern zu reden. Der Besuch eines anderen Landes ermöglicht es Schülern zwar, Alltagssituationen lebensnah und unmittelbar mitzuerleben, ist aber kostspielig und gewöhnlich nur kurz. Mit Hilfe des Telematik-Programms der Europäischen Kommission haben Fremdsprachenschüler jetzt die Chance, oft und leicht mit Muttersprachlern zu reden. Möglich wird dies durch Videokonferenz- und Multimedia-Kommunikation direkt aus dem Klassenzimmer.

Dr. Paul Kelly, Direktor der Monkseaton Community High School in der Nähe von Newcastle in Großbritannien, erkannte das Potential von Multimedia in diesem Bereich schon vor mehreren Jahren. Zusammen mit Kollegen aus anderen Schulen in Europa gründete er das Sprachennetz "Students Across Europe Language Network" zur Bewältigung der praktischen Probleme.

Mit Hilfe des Telematik-Programms verbindet das SAELN-Netz über Videokonferenz-Technik jetzt Schulen in England, Frankreich, Deutschland und Spanien. In einer typischen "Sitzung" werden beispielsweise zwei Gruppen mit je etwa drei Studenten miteinander verbunden. Zuerst spricht die eine Gruppe in ihrer Muttersprache, während die Schüler auf der anderen Seite an der Verbesserung ihrer Fremdsprachenkenntnisse arbeiten. Dann werden die Rollen vertauscht. Die Schüler werden aufeinander abgestimmt, so daß das Niveau ihrer Fremdsprachenkenntnisse ungefähr gleich ist.

Als Folge dessen können Schüler regelmäßig miteinander sprechen. Ihnen bieten sich dadurch viele der Vorteile der Interaktion in echten Live-Situationen. Die Videoverbindungen werden durch andere Multimedia-Arbeit unter Verwendung von z.B. CD-ROM und E-mail ergänzt.

Wie gelang es Dr. Kelly, das Konzept eines Sprachennetzes in ein funktionierendes interaktives Multimedia-Lehrmittel für den Fremdsprachenunterricht umzusetzen? Zuerst war die Frage der Finanzierung zu lösen. Nach einigen Nachforschungen stießen Dr. Kelly und seine Kollegen auf das Telematik-Programm der GD XIII der Europäischen Kommission. Es fördert die Entwicklung von Anwendungen neuer Multimedia-Technologien auf "Real Life"-Probleme, und eine seiner Prioritäten ist die Entwicklung von Anwendungen, die in Schulen in ganz Europa genutzt werden können.

"Ich glaube, das Projekt ist möglicherweise etwas ungewöhnlich, da wir uns bereits zusammengeschlossen hatten, um Möglichkeiten für die Finanzierung der Arbeit zu finden, die wir durchzuführen hofften, bevor sich die Gelegenheit des Telematik-Programms bot," erläuterte Dr. Kelly.

Er nahm zuerst mit der Programmleitung in der Europäischen Kommission Kontakt auf. Anschließend besorgte er sich die Förderungsunterlagen, in denen das Programm, seine Ziele und den Verfahren bezüglich der Antragsstellung erklärt werden.

"Wir schrieben das Angebot direkt von diesen Unterlagen ab und befolgten die darin enthaltenen Anweisungen," sagte Dr. Kelly. Er würde es aber anderen nicht unbedingt raten, ganz so naiv zu sein. "Ich muß zugeben, daß wir einiges falsch machten."

Dr. Kelleys anfängliche Interessenbekundung hatte Ratschläge seitens der Programmleitung zur Folge, die das Projektteam äußerst nützlich fand. "Die Manager des Telematik-Programms haben das Projekt hervorragend unterstützt und halfen uns, die richtigen Verfahren einzuhalten, gleichzeitig aber auch den EG-Kontext zu verstehen."

Dr. Kelly ist der Ansicht, daß das SAELN-Projekt äußerst erfolgreich und die Reaktion der Europäischen Kommission sehr positiv gewesen ist. "Die Kommission bat uns, das Projekt dem EU-Parlament und anderen sowie auf vielen Konferenzen vorzustellen."

Eine der Eigenschaften des SAELN-Projekts, die ungewöhnlich ist und zu seiner Beliebtheit beiträgt, ist eindeutig sein Erfolg. Eine unabhängige Bewertung, die von der Universität von Durham durchgeführt wurde, hat ergeben, daß Schüler, die das SAELN-System benutzten, bei Prüfungen viel besser abschnitten. Auch zeigte es, daß an dem Projekt beteiligte Schüler eine viel positivere Einstellung gegenüber dem Arbeiten im Ausland und gegenüber der Arbeit mit Sprachen aufweisen. In dieser Hinsicht ist das Projekt nach Meinung von Dr. Kelly ein Modell für "winzige" EU-Einrichtungen, die die traditionellen großen EU-Einrichtungen ergänzen können.

Das SEALN-Projekt wird, nachdem der Dienst im Versuch mit 200 Lehrern und 1000 Schülern getestet worden ist, ab 1999 ein Konzept für einen interaktiven Fremdsprachenunterrichtsdienst für Schüler darstellen. Das Projekt verbreitet seine Forschungsergebnisse zur Zeit an Bildungsbehörden in ganz Europa und hat seine Ausweitung auf andere Unterrichtsfächer zum Ziel. Religion, Kultur und ethnische Konflikte sind mögliche Unterrichtsbereiche.

Das SAELN-Projekt ist nur eine der 101 Telematikanwendungen-"Success Stories" in einem von GD XIII der Europäischen Kommission veröffentlichten Buch mit dem Titel "Advancing the Information Society".

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