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Gezielte Wissensvermittlung reduziert Cannabiskonsum nachweisbar

Kognitive verhaltenstherapeutische Sitzungen mit stimulationshungrigen Jugendlichen, den sogenannten Sensation-Seekern, können deren Cannabiskonsum wesentlich reduzieren, so das Ergebnis einer EU-finanzierten Studie.
Gezielte Wissensvermittlung reduziert Cannabiskonsum nachweisbar
Die eingeschränkte Fähigkeit zu anhaltender Aufmerksamkeit, beeinträchtigte kognitive Prozesse oder Anfälle von Psychose sind einige der beunruhigendsten Nebenwirkungen des regelmäßigen Cannabiskonsums. Da immer mehr Länder damit beginnen, Cannabis zu entkriminalisieren und gemäß der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht durchschnittlich 20 % der 15- bis 34-jährigen Europäerinnen und Europäer die Droge konsumieren, sind Präventionsmaßnahmen erforderlich. Das gilt speziell für Teenager, die besonders gefährdet sind, da sich ihr Gehirn noch in der Entwicklung befindet.

Um den Gebrauch von Cannabis in diesen Risikogruppen zu verhindern und einzudämmen, haben Forscher der Universität Montreal und vom CHU Sainte-Justine Children’s Hospital 1 038 britische Neuntklässler und deren Lehrer in ein Experiment einbezogen, welches das Ziel verfolgte, den Erstkonsum von Cannabis zu verzögern und die Häufigkeit zu reduzieren. „Die Schülerinnen und Schüler nahmen freiwillig an zwei 90-minütigen, kognitiven verhaltenstherapeutischen Sitzungen teil, die auf ihren speziellen Persönlichkeitstyp angepasst wurden. In diesen Sitzungen lernten sie aus von anderen gefährdeten Jugendlichen beschriebenen realen Szenarien. Dort wurde gezeigt, wie Menschen Risiken meistern. „Man erwähnte Cannabis nicht direkt, aber es wurde diskutiert, wenn es die Schüler zur Sprache brachten“, erklärt Ioan T. Mahu, Erstautor der Studie, die im Rahmen des Projekts ALICE RAP teilweise von der EU finanziert wurde.

Während des Zweijahresexperiments wurde der Drogenkonsum in anonymen Fragebögen erfasst, welche die Teilnehmenden alle sechs Monate ausfüllten, wobei ein Bewertungsprotokoll mit etlichen Prozeduren zum Einsatz kam, um Schüler herauszufiltern, die Falschinformationen lieferten. Rund 25 % der Jugendlichen konsumierten im Lauf der zweijährigen Studie Cannabis.

Hochwirksame Interventionen

„Es gab Anzeichen, dass das Programm bei allen Jugendlichen, die an den Interventionen teilnahmen, den Erstkonsum von Cannabis verzögerte bzw. die Häufigkeit reduzierte, und die Resultate zeigten außerdem durchweg, dass das Programm besonders wirksam in der Verhinderung des Cannabiskonsums bei den am meisten gefährdeten Teenies, den Sensation-Seekern, ist“, bemerkt Dr. Patricia Conrod, Leiterin der Studie.

Sensation-Seeker, ständig nach Abwechslung Suchende, sind eine Kategorie von Menschen, die zuerst von Marvin Zuckerman von der Universität Delaware als besonders geneigt, Risiken einzugehen, Abenteuer zu suchen und neue Erfahrungen zu machen sowie als enthemmt und weitgehend intolerant gegenüber Langeweile beschrieben wurden. Diese Persönlichkeitsmerkmale machen sie besonders empfänglich für den Charme von Cannabis.

Während die Intervention der Forscher im Allgemeinen sechs Monate nach deren Durchführung mit einer Verringerung des Cannabiskonsums um 33 % verbunden war, erreichte diese Rate bei den Sensation-Seekern 75 % und resultierte gleichermaßen in signifikanten Einschränkungen der Häufigkeit des Gebrauchs in der Zeit danach.

Die Resultate dieser Studie zeigen nicht nur, wie wichtig Präventivmaßnahmen sind, sondern auch, auf welche Weise unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale verschiedene Reaktionen auf derartige Maßnahmen auslösen können. „Zukünftige Studien sollten die Motivationen zum Cannabiskonsum unter Leuten mit verschiedenen Risikopersönlichkeitstypen betrachten, um Interventionsprogramme zu entwickeln, die so effektiv sind, wie es dieses für die Sensation-Seeker war“, empfiehlt Mahu abschließend.

Weitere Informationen sind abrufbar unter:

ALICE RAP
http://www.alicerap.eu/

Quelle: Gestützt auf eine Pressemitteilung der Universität Montreal.

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