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Kommunikationsbarrieren für Kinder mit Zerebralparese niederreißen

Die von der EU finanzierten Wissenschaftler des ABC-Projekts haben eine bahnbrechende Anwendung entwickelt, die an Zerebralparese leidende Kinder dabei unterstützt, mit anderen Menschen zu kommunizieren und zu interagieren.
Kommunikationsbarrieren für Kinder mit Zerebralparese niederreißen
Menschen mit dyskinetischer Zerebralparese (Dyskinetic Cerebral Palsy, DCP), zu denen in Spanien 15 % aller Zerebralparesefälle zählen, können bei normaler Intelligenz nicht sprechen oder sich äußern, da sie ihre Motorik nicht steuern können. So können sie nur schwer Beziehungen zu ihrer Umwelt und zu anderen Menschen aufbauen, was gerade bei Kindern Entwicklungsstörungen hervorrufen kann.

Das bereits im Oktober 2014 abgeschlossene EU-finanzierte Dreijahresprojekt ABC wollt diese Herausforderung mit der Entwicklung eines bedienerfreundlichen Kommunikationssystems auf Basis einer Hirn-Computer-Schnittstelle angehen. „ABC Communicator“ steht nun als kostenlose App für Android-Tablets zur Verfügung und ist auf jede Sprache einstellbar.

Diese ABC Communicator App wird in Verbindung mit Trägheitssensoren (ähnlich wie bei Mobilfunktechnologie, die Aktivität registriert) und einem Elektromyografiesystem (EMG) betrieben, welches die willkürliche Kontraktion von Muskeln und durch das Gehirn erkennen kann. Mit diesen Geräten kann ein an Zerebralparese leidendes Kind seine Bedürfnisse ausdrücken, die dann auf dem Tablet angezeigt werden.

Das System umfasst außerdem einen Hautsensor, der fünf emotionale Zustände, d. h. positiv (hohe und geringe Intensität), neutral und negativ (geringe und hohe Intensität) erkennen kann. Auf diese Weise eröffnet das ABC-System zusätzlich zu einem deutlichen Kommunikationskanal zur Außenwelt überdies die Möglichkeit, den emotionalen Zustand von Kindern mit DCP besser zu verstehen.

Die Kinder selbst haben den Vorteil, dass sie in der Lage sind, ihren Gemütszustand deutlicher zum Ausdruck bringen. Damit werden Enttäuschungen vermieden und ihre emotionale Entwicklung wird gefördert.

Das ABC-System enthält außerdem ein Gesundheitsmodul, das wie ein Sportband arbeitet und Vitalzeichen wie etwa Puls und Atmung überwacht. Insgesamt bieten die Technologien viele Möglichkeiten der Verbesserung von Kommunikation und Lernmöglichkeiten sowie der stärkeren sozialen Teilhabe für Kinder mit Zerebralparese.

Bei diesem Projekt wurden von der Konzeption bis hin zur Validierung Endanwender mit DCP sowie auch Pflegefachkräfte einbezogen. Um DCP-Patienten auf effektive Weise in den Designprozess einzubeziehen, wurden neue nutzerzentrierte Designmethoden entwickelt.

Die Projektresultate erwiesen sich nicht nur als wirksam, sondern sind auch leicht zugänglich. Die in der ABC-Anwendung eingesetzten Geräte sind Produkte, die man ganz einfach in Fachgeschäften kaufen kann, was letztlich bedeutet, dass die Lebensqualität tausender Kinder mit DCP verbessert werden kann. Angesichts der Bedeutung von Kommunikation und Interaktion für die normale Entwicklung eines Kindes dürften die Vorteile dieser Technik in den kommenden Jahren zu spüren sein.

Der modulare Aufbau des ABC-Systems und die Unabhängigkeit jedes einzelnen Bauteils bedeuten gleichermaßen, dass die potenziellen Möglichkeiten des Projekts weit über die ursprüngliche DCP-Nische hinausreichen könnten. So könnten beispielsweise verschiedene Modulkombinationen in andere, in Produktnischen zu findende Hilfsmittel, etwa für Menschen mit multipler Sklerose, integriert werden. Die ABC-Module verfügen außerdem über Potenziale in gängigen Anwendungen wie E-Learning, Arbeitssicherheit und Fahrassistenz.

Das ABC-Projekt wurde in Höhe von 2,5 Mio. EUR im Rahmen des RP7-Programms finanziert.

Weitere Informationen sind abrufbar unter:

ABC
http://www.abc-project.eu/

Quelle: Gestützt auf eine Pressemitteilung von Asociación RUVID.

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