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Bürgerplattformen für engere Zusammenarbeit und Entscheidungsfindung

Von der EU finanzierte Forscher des D-CENT-Projekts analysieren neue Onlinewerkzeuge und Plattformen, um direkte Demokratie und auf den Bürger ausgerichtetes ökonomisches Empowerment zu erleichtern.
Bürgerplattformen für engere Zusammenarbeit und Entscheidungsfindung
Empowerment, d. h. eine echte Übertragung von Verantwortung an die Bürgerinnen und Bürger, sowie die Beteiligung an Entscheidungsprozessen können nur dann stattfinden, wenn es eine aufrichtige demokratische Mitbestimmung gibt sowie ein System vorhanden ist, das die Beiträge zum gemeinsamen Wohl auf angemessene Weise anerkennt. Das durch die EU finanzierte Projekt D-CENT, das im Oktober 2013 auf den Weg gebracht wurde, baute auf innovativen neuen Online-Werkzeugen und Plattformen auf, um der Bürgerschaft eine entscheidende Stimme und ein gerechteres Mittel zur Anerkennung des gesellschaftlichen Werts zu geben.

Obwohl das Internet ein enormes Potenzial besitzt, um neue Formen der sozialen Interaktion und Basiszusammenarbeit zu erleichtern, ist es zunehmend zentralisiert worden. Das D-CENT-Projekt hat versucht dem entgegenzuwirken, indem es alternative Mittel für die Onlineorganisation mithilfe von Projekten und der Entwicklung neuer Online-Tools entwickelt hat, um neue offene Plattformen zu schaffen, auf denen eine echte Basiszusammenarbeit erfolgen kann.

D-CENT hat sich zunächst mit der Frage der Bürgerbeteiligung an Entscheidungsfindungsprozessen befasst, indem es sich einige der innovativsten Experimente Europas in direkter Demokratie in Finnland, Island und Spanien angeschaut hat. Diese Projekte haben gezeigt, wie Millionen Bürgern Verantwortung übertragen werden kann und die Menschen an alltäglichen Entscheidungsprozessen beteiligt werden können, wenn die richtigen Werkzeuge und Plattformen existieren.

In Island etwa wurden die Bürger aufgefordert, sich an einer neuen Wiki-Gestaltung zu beteiligen, während das Offene Ministerium in Finnland ein Experiment zum Crowdsourcing von Gesetzestexten ist. Außerdem sind einige der dynamischsten sozialen Onlinebewegungen Europas in Spanien anzutreffen.

Ein gemeinsames Merkmal der meisten dieser Projekte war das Bedürfnis, die demokratische Debatte zu stärken und die gesellschaftliche Bewertung zu berücksichtigen. Das gilt insbesondere für Projekte mit sozialen Auswirkungen. Um dies zu erleichtern hat D-CENT Freecoin eingeführt, eine neue digitale soziale Währung, die auf Bitcoin basiert. Bitcoin ist ein virtuelles Bezahlsystem, das als Open-Source-Software freigegeben wurde.

Ziel von Freecoin ist es, die sogenannte Sharing Economy zu ermuntern, indem dem gesellschaftlichen Nutzen ein „Wert“ zugewiesen wird. So wurde etwa in Finnland ein dezentralisiertes soziales Vergütungssystem eingeführt, um die Beiträge der Mitglieder einer städtischen landwirtschaftlichen Kooperative zu belohnen, die im gemeinsamen Interesse der Kooperative handeln.

Die Nutzung von Freecoin könnte parallel zu neuen Regierungsinnovationen für die Erholung von Volkswirtschaften nach einer Rezession erfolgen, oder sie könnte die Dynamik des Vertrauensmanagements in die finanziellen Dienstleistungen der Industrie verbessern helfen, indem der soziale Wert besser berücksichtigt wird. D-CENT glaubt, dass Freecoin ein besserer Baustein für eine neue Wirtschaft sein könnte, der kollektive Güter stärker wertschätzt.

Die Forscher von D-CENT werden vom 7. bis 8. Juli in Brüssel an einer Rundtischdiskussion mit Bürgeraktivisten, sozialen Bewegungen und Entwicklern von neuen quelloffenen Demokratiewerkzeugen teilnehmen. Die Diskussion wird sich auf die Art der Onlinewerkzeuge und auf Selbstlenkungsmodelle konzentrieren, die zur Ermächtigung der Bürger erforderlich sind. Die Veranstaltung wird es dem Projekt auch ermöglichen, eine Bilanz der bisherigen Fortschritte zu ziehen.

Schließlich wird D-CENT der Zivilgesellschaft nutzbare digitale Werkzeuge für soziale Innovation und Nachhaltigkeit liefern und zur Einrichtung langfristiger Alternativen zu den zentralen Onlineplattformen von heute beitragen. Das Projekt endet im Mai 2016.

Weitere Informationen sind abrufbar unter:

D-CENT
http://dcentproject.eu/

Quelle: Gestützt auf Pressemitteilungen des D-CENT-Projekts.

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