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Forscher aus Europa, Indien, Brasilien und den USA ergründen gemeinsam die Mysterien des menschlichen Skeletts

Mit der Unterstützung von INTERBONE konnte an sechs der weltweit renommiertesten Universitäten die Nachwuchselite der Knochenspezialisten ausgebildet werden. Zu erwarten ist auch, dass durch die Projektergebnisse, die auch Einblicke in die Interaktionen zwischen Knochengeweben und anderen Geweben geben, der Weg für eine weitere internationale Zusammenarbeit auf diesem Gebiet weiter geebnet werden wird.
Forscher aus Europa, Indien, Brasilien und den USA ergründen gemeinsam die Mysterien des menschlichen Skeletts
Vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei. Will man aber so komplexen biologischen Mechanismen wie dem Zusammenspiel zwischen Knochenzellen, Matrizen und Systemen auf den Grund gehen, bedarf es eines noch weiteren Blickfelds. Dass Knochenzellen eine wichtige Rolle für den Stoffwechsel, den Erhalt der Gesundheit und die Abwehr von Krankheiten spielen, ist bekannt. Was genau sie dabei tun, ist jedoch nach wie vor nicht ausreichend erforscht. Prof.  Anna Maria Teti, Forscherin am Institut für Experimentelle Medizin der Universität L'Aquila (Italien), leitete über drei Jahre lang das Projekt INTERBONE und setzte während dieser Zeit auf eine engere Forschungszusammenarbeit zwischen Nachwuchsforschern als Schlüssel zur Lösung des Rätsels.

Den EU-Finanzierungsmitteln in Höhe von 230.000 € und der engen Zusammenarbeit zwischen sechs Universitäten aus den Niederlanden, Italien, Brasilien, den USA und Indien ist es zu verdanken, dass es Frau Prof. Teti und ihrem 20-köpfigen Team aus Forschern verschiedener Fachbereiche nun gelang, neue Erkenntnisse über die Interaktionen zwischen Knochengewebe und anderen Geweben in drei wesentlichen Gesundheitsbereichen zu gewinnen: im Bereich des Energiestoffwechsels, der Forschung zur Entstehung von Leukämie sowie der Bruchheilung, der Geweberegeneration und biokompatibler orthopädischer Implantate. Die Forschungsgrundlage bildeten In-Vitro- und In-Vivo-Experimente sowie aus vorherigen Studien gewonnene Erkenntnisse.

"Die Teilnehmer haben in hochkarätigen Fachzeitschriften publiziert, unter anderem in ‘Nature’ und ‘Cell’", erklärt Prof. Teti. "Es wurden viele bedeutende Ergebnisse erzielt. Dazu zählt etwa die Erkenntnis, dass Lipocalin 2 eine wichtige Rolle im Knochenabbau und in diesem Zusammenhang auch beim Energiestoffwechsel spielt. Bemerkenswert ist auch die Erkenntnis, dass ein wesentlicher Zusammenhang zwischen der Zelldysregulation der Knochenstammzellen und der Entstehung von Leukämie besteht, sowie dass zu starke und damit die Knochenbildung hemmende Skelettentlastung mit einer starken Wechselbeziehung zwischen Knochenzellen und Endothelen in Verbindung steht. Zudem konnten neue Biostoffe zu verbesserter Osteointegration in der Knochenheilung entwickelt werden."

Prof.  Teti betont, dass keiner dieser Meilensteine erreicht worden wäre, wäre nicht so viel Wert auf Austauschbesuche, Weiterbildung und Networking gelegt worden, wobei das Programm stets darauf ausgerichtet war, starke und solide Partnerschaften zwischen Europa und anderen Regionen der Welt zu schmieden bzw. bestehende auszubauen. "Forscher und Nachwuchswissenschaftler erlebten die Zusammenarbeit als sehr produktiv. Das Vorhaben war eine Herausforderung, aber wir haben sie angenommen und sind nun, was unser Wissen, unsere technischen Fähigkeiten und unsere Denkansätze anbelangt, auf einer höheren Stufe angelangt, die der Ausgangspunkt weiterer, noch komplexerer multidisziplinärer Forschungsprojekte sein kann. Wir sind sehr dankbar für die Chancen, die uns dieses Projekt, durch welches wir bestehende Beziehungen stärken und neue aufbauen konnten, eröffnet hat."

Nach drei Jahren Projektlaufzeit verfügen die Teilnehmer über einen größeren Wissens- und Erfahrungsschatz, insbesondere in Bezug auf die Schaffung von Tiermodellen, In-Vivo- und In-Vitro-Tests, die Zellbiologie von Endothelen und ihren Crosstalk mit Knochen- und Blutstammzellen, den Crosstalk von Endothelen und Knochenzellen bei Entladungs- und Gewebewiederherstellungsvorgängen, und schließlich auch in Bezug auf innovative Biostoffe für verbesserte Osseointegration und Knochenbruchheilung.

Das Projekt ist nun zwar abgeschlossen. Das Konsortium möchte die gute Zusammenarbeit aber weiter stärken, vielleicht sogar im Rahmen eines weiteren vergleichbaren Austauschprogramms. Auf lange Sicht wird das Wissen, das durch INTERBONE zu solchen Osteoporoseerkrankungen, die durch eine geringe Beanspruchung des Knochengerüsts hervorgerufen werden, zur Entstehung von Leukämie und zur Wundheilung angehäuft wurde, von beträchtlichem Nutzen für Patienten sein.

Weitere Informationen sind abrufbar unter:

INTERBONE
http://www.interbone.org/

Quelle: Gestützt auf ein Interview mit Prof.  Anna Maria Teti, INTERBONE-Projektkoordinatorin der Universität L’Aquila in Italien.

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