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Sind wir nur noch einen Klick vom Zeitalter der „bereichernden Berichterstattung“ entfernt?

Kann das EU-finanzierte Projekt INJECT – inmitten der Mediendebatten über „Fake News“ und „Alternative Fakten“ – für Journalisten eine Lösung für die Herausforderung bieten, die Nachfrage nach originalen Inhalten rund um die Uhr zu erfüllen und gleichzeitig die Richtigkeit zu wahren?
Sind wir nur noch einen Klick vom Zeitalter der „bereichernden Berichterstattung“ entfernt?
Das Ziel des EU-finanzierten Projekts INJECT besteht darin, die journalistische Kreativität zu fördern und gleichzeitig den Arbeitsablauf in den betriebsamen Redaktionen zu verbessern. Im Mittelpunkt des Projekts steht die Verwendung eines digitalen Werkzeugsatzes, der gerade im Pilotversuch erprobt wird. Seit Beginn des Projekts vor sechs Monaten wurde dieser Werkzeugsatz mit Hilfe von Journalisten entwickelt, die für die erforderliche Resonanz zur schrittweisen Verbesserung der Technik sorgten.

Nun geht die Prüfung einen Schritt weiter, und der Werkzeugsatz wird unter echten Arbeitsbedingungen erprobt. Das Pilotprojekt wird von den Teams dreier norwegischer Lokalzeitungen in Hordaland, Sunnhordland und Hallingdølen durchgeführt, und es ist geplant, die Anzahl und Art der Journalisten, die an der Erprobung beteiligt sind, zu erweitern. Die Teams untersuchen nicht nur die Wirksamkeit der Algorithmen des Werkzeugs, sondern auch, in welchem Maß das Werkzeug für die Arbeitsleistung der Journalisten wirklich einen Mehrwert erzeugt.

Den kreativen Funken entzünden

Der Antrieb für das Projekt INJECT (Innovative Journalism: Enhanced Creativity Tools) entstand aus dem zunehmenden Druck, der in den Redaktionen herrscht, um mit geringeren Ressourcen und vor dem Hintergrund zunehmenden Wettbewerbs rund um die Uhr neue und ansprechende Inhalte zu produzieren. Diese Herausforderungen finden zudem in einem Kontext statt, in dem die Rechenschaftspflicht für die Richtigkeit der Fakten immer anspruchsvoller wird.

Entscheidend ist, dass INJECT so konzipiert wurde, dass es mehr als eine Suchmaschine ist, denn es arbeitet mit einem Algorithmus, der speziell entwickelt wurde, um Journalisten nicht nur dabei zu helfen, Informationen zu finden, sondern auch Möglichkeiten zu sondieren, um dem Artikel einen richtigen Blickwinkel zu geben. Dies geschieht zum Beispiel, indem ein sogenannter „kreativer Funke“ angeboten wird, der erscheint, wenn ein Journalist mit der Computermaus über Schlüsselwörter fährt. Es sind vorgeschlagene Ansätze zum Schreiben eines Artikels, die aus Hintergrundinformation über die Personen oder Orte, die in einem Artikel vorkommen, hervorgehen. Der Werkzeugsatz bietet zudem erläuternde und interaktive „Faktenkarten“ oder Fußnoten, mit denen der Journalist seinen Artikel mit eindeutigen Quellenangaben aufbauen kann.

Mit dem (Arbeits-)Strom schwimmen

INJECT nutzt Techniken, die aus Studien zur Interaktion zwischen Menschen und Computern und zur künstlichen Intelligenz hervorgehen, wie beispielsweise natürliche Sprachverarbeitung (Natural Language Processing, NLP), mit deren Hilfe Reporter schnell und ausgedehnt mehrere Datenbanken durchsuchen können, um neue Quellen und Daten zu erhalten. Der Werkzeugsatz wurde so konzipiert, dass er direkt in Redaktionssysteme eingebunden werden kann und Funktionalitäten beinhaltet, die dem Nutzer eine Armaturentafel anbieten, mit der Informationen effektiver verwaltet werden können. Beispielsweise muss man mit den Arbeitsanzeigen nicht ständig zwischen Dokumenten oder Registerkarten am Computer wechseln, wenn man einen Artikel verfasst.

Wenn man George Brock, Professor für Journalistik an der City, University of London zum innovativen Ansatz von INJECT befragt, so sagt er: „INJECT hat das Ziel, etwas zu tun, was bisher noch keine andere Journalismussoftware versucht hat: die Verbindung kreativer Suchtechniken mit Möglichkeiten, die dem Leser mehr Informationen über Hintergründe und Quellen bieten. Und diese Hilfe ist einfach zu nutzen und schnell.“

Das Werkzeug kann derzeit als TinyMCE-Plug-in auf GoogleDocs und WordPress sowie als eigenständige Web-Version arbeiten. Es kann 1,5 Millionen Nachrichtenquellen in englischer, norwegischer und holländischer Sprache durchsuchen. Zudem kann es um die eigenen Archive der Nachrichtenagenturen erweitert werden. Die norwegischen Archive sind derzeit tatsächlich integriert, sodass die lokalen Zeitungen im Pilotversuch Quellen in ihrer eigenen Sprache durchsuchen können.

Es wird erwartet, dass das Werkzeug in den norwegischen Redaktionen im Herbst voll funktionsfähig sein wird. In Abhängigkeit der Ergebnisse der laufenden Pilotphase wird es um diese Zeit herum auch weiter verbreitet. Es ist geplant, dass das Werkzeug während des Sommers 2018 in den Redaktionen mehrerer Länder in Europa zur Verfügung gestellt wird.

Weitere Informationen erhalten Sie unter:
Projektwebsite

Quelle: Gestützt auf Projektinformationen und Medienberichte

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