Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft - CORDIS

Neue medizinische Gesundheits-App unterstützt bessere medizinische Entscheidungen in Malawi

Im Rahmen von Projekt SUPPORTING LIFE ist eine App entwickelt worden, welche die Einhaltung der Strategie für das CCM (Community Case Management, kommunale Fallverwaltung) weitaus einfacher als bisher macht, und ebenso lokale Gesundheitskräfte dabei unterstützt, bessere Entscheidungen zu treffen. Die App wurde in Malawi getestet, da sie die Interessenträger dort schnell implementieren konnten.
Neue medizinische Gesundheits-App unterstützt bessere medizinische Entscheidungen in Malawi
In Malawi arbeiten Gesundheitsüberwachungsassistenten (Health Surveillance Assistants, HSA) unermüdlich daran, eine Brücke zwischen den meisten abgelegenen lokalen Gemeinden und dem nationalen Gesundheitssystem zu bauen, um das Leben von Patienten zu verbessern und um zu verhindern, dass Krankenhäuser unnötigerweise ihren Sättigungspunkt erreichen. Genauer gesagt, ist das Engagement hierbei so stark, dass Prozesse, die einfacher befolgt werden können, dringend notwendig sind.

Die CCM-Strategie – ein klinisches Entscheidungsinstrument, das in vielen Ländern der Subsahara-Region Anwendung findet, um HSA dabei zu unterstützen, die richtigen Entscheidungen zu treffen – war ein Schritt in die richtige Richtung. Es ermöglicht HSA unter Kindern zwischen zwei Monaten und fünf Jahren unverzüglich solche Patienten zu erkennen, die dringend in ein Krankenhaus eingewiesen werden müssen und solche, die an patientennahen Einrichtungen behandelt werden können, ehe sie wieder nach Hause zurückkehren.

Die CCM-Implementierung hat jedoch so ihre Mängel, da die Lösung papierbasiert ist – die Bereitstellung über eine mobile Gesundheits-App (mHealth, mobile Gesundheit)würde den Verwaltungsaufwand voraussichtlich erheblich verringern und zu schnelleren und besseren Entscheidungen beitragen. Durch die App, so die Hoffnung von Projekt SUPPORTING LIFE (Supporting Low-cost Intervention For disEase control team), soll genau die Lösung zur Verfügung gestellt werden, die Malawi braucht.

Warum haben Sie sich bei diesem Projekt auf Malawi fokussiert?

Es gibt verschiedene Länder, welche die Kriterien für unser Projekt erfüllten, doch Malawi zählt zu den ärmsten Ländern der Welt, hat eine riesige Bevölkerung, eine sehr eingeschränkte Gesundheitsinfrastruktur und eine sehr geringe Betreuungsqualität. Wir hatten das Gefühl, dass ein Projekt wie SUPPORTING LIFE wirklich hilfreich bei der Überwindung dieser Situation sein würde. Es gibt dort große Möglichkeiten in Verbindung mit der IKT.

Welche Art von Hilfe wollten Sie für Gesundheitsüberwachungsassistenten (HSA) leisten?

HSA haben eine äußerst große Arbeitsbelastung. Sie sind dafür verantwortlich, die Patienten in ihrer Gemeinde in einer Reihe von Gesundheitsbereichen zu betreuen.

Mit diesem Projekt zielten wir auf HSA ab, die CCM-Leitlinien anwenden, die ein gültiges Register und eine lange Liste auszufüllender Papierformulare erforderlich machen. Als ob das nicht genug wäre, müssen HSA alle diese Formulare ausfüllen und parallel dazu medizinische Entscheidungen treffen: soll das Kind nach Hause, in der hiesigen Klinik behandelt werden oder direkt ins Krankenhaus? Hiermit umzugehen wird schnell schwierig, vor allem wenn man jeden Tag auf eine hohe Anzahl an Patienten trifft.

Der Punkt von SUPPORTING LIFE war es, das Leben von HSA zu vereinfachen und ihre medizinische Entscheidungsfindung zu unterstützen. Unsere App unterstützt sie dabei, unterschiedliche Fragen durchzugehen, die dem Patienten gestellt werden müssen, um die CCM-Leitlinien einzuhalten.

Sind Sie im Zuge des Voranschreitens des Projekts auf unvorhergesehene Anforderungen für HSA gestoßen?

Wir sind auf eine Reihe davon gestoßen. Einfache Dinge wie der Transport sind eine sehr große Herausforderung. Da Malawi auch über eine gute Telekommunikationsinfrastruktur verfügt, dachten wir zuerst, dass wir eine webbasierte App einsetzen könnten, damit Aktualisierungen und neue Veröffentlichungen einfacher angewandt werden können. Wir mussten allerdings feststellen, dass die Netzkonnektivität ein größeres Problem war, als gedacht, sodass wir die Anwendung zu einem autonomen Betrieb umgestalten mussten, der auch offline funktioniert.

Die Stromversorgung war ebenfalls ein Problem, sodass wir alle HSA mit Mini-Solarpaneelen ausstatten mussten, damit diese ihre Telefone mit Strom versorgen könnten. Schließlich stellten wir fest, dass nicht alle HSA mit ihren Smartphones vertraut waren, sodass wir gesonderte Schulungen integrieren mussten, nur um den HSA zu zeigen, wie das Telefon und die App selbst verwendet werden.

Da Sie gerade davon sprechen, wie genau funktioniert die App? Was ist ihr Mehrwert?

Es gab bereits vor SUPPORTING LIFE ein paar digitale Lösungen, diese waren jedoch nicht zu 100 % auf das CCM ausgelegt. Bei SUPPORTING LIFE ist das der Fall, und die App ist ebenfalls auf das IMCI abgestimmt – die gehobenen Leitlinien für Krankenhausumgebungen. Ferner haben wir eindeutige Schulungsvideos in die App integriert, wir haben den Offline-Modus, das Entscheidungsunterstützungssystem, das Datenerhebungssystem ... All das ist ziemlich einzigartig.

Wie war das Feedback ach den Feldversuchen?

Wir haben mit allen zuständigen Führungskräften im Gesundheitsministerium aufseiten von IMCI und CCM sowie auf der IT-Seite gesprochen. Wir sind zudem auf Bezirksleiter, HSA und Gemeindemitglieder zugegangen. Die überwiegende Mehrheit der Menschen befürwortete die „SUPPORTING LIFE“-App aus zwei Gründen: der Technologie an sich, die Patienten das Gefühl gab, eine bessere Behandlung zu erhalten (Wohlfühlfaktor), und dem Datenerhebungs-/Entscheidungsunterstützungsprozess.

Darüber hinaus drängt das Gesundheitsministerium in Malawi ziemlich stark auf die Einrichtung einer Gesundheitsplattform für das gesamte Land, die auf CCM-Leitlinien basiert. Man meinte, dass SUPPORTING LIFE genau das Modell sei, nach dem sie gesucht hätten.

Was sind abgesehen von dem Wohlfühlfaktor, den Sie soeben erwähnten, die Vorteile für Patienten?

Ursprünglich strebten wir sehr harte klinische Ergebnisse wie Sterblichkeitsraten oder schwerwiegende Folgen an, wir stießen jedoch auf ein großes Hindernis: In Malawi wird nicht die Art von Informationen aufbewahrt, die einen Vergleich vor/nach SUPPORTING LIFE ermöglicht hätte. Daher mussten wir unseren Forschungsfokus verändern.

Letztlich beobachteten wir, ob die Kinder angemessen in Kliniken oder Krankenhäuser eingewiesen werden. Wir entwarfen einen Prozess, um diese Wirkung zu messen und erhielten eine Stichprobe von mehr als 7 000 Kindern aus verschiedenen Regionen in Nord-Malawi. Wir werten die Ergebnisse noch aus, aber das generelle Feedback lautete, dass die Anzahl unnötiger Einweisungen zurückging und dass SUPPORTING LIFE zu einer besseren klinischen Behandlung vor Ort beitrug.

Können jetzt alle HSA auf die App zugreifen?

Es gibt verschiedene mHealth-Projekte in ganz Malawi, und jedes dieser Projekte wird von anderen Gruppen geleitet. Bestimmte Gruppen nutzen vielleicht eine bestimmte Art von Smartphone, während weitere Gruppen andere Smartphones und überdies eine andere App verwenden. Es ist also alles sehr fragmentiert, und dem Gesundheitsministerium ist das wohlbekannt. Im Hinblick auf die Zukunft wird die Schaffung einer gemeinsamen Plattform angestrebt, auf der sich alle Interessenträger anmelden können.

Haben Sie irgendwelche Folgepläne?

Wir arbeiten nach wie vor sehr eng mit dem Gesundheitsministerium zusammen, indem wir diesem Berichte, Präsentationen und gewonnene Erkenntnisse für die Zukunft mitteilen.

Quelle: Interview im Magazin research*eu Ergebnisse, Ausgabe 71

Verwandte Informationen

Programme

Länder

  • Vereinigtes Königreich
Folgen Sie uns auf: RSS Facebook Twitter YouTube Verwaltet vom Amt für Veröffentlichungen der EU Nach oben