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Bahnschwellen der nächsten Generation produzieren Strom

Wenn Sie denken, es gab sie schon immer, dann haben Sie Recht. Bahnschwellen, diese rechteckigen Klötze, die unter Bahngleisen liegen, haben sich über die Jahre kaum weiterentwickelt. Ein KMU aus Italien will jetzt mit maßgeschneiderter, nachhaltiger Schwellentechnologie für neuen Schwung sorgen.
Bahnschwellen der nächsten Generation produzieren Strom
Traditionell werden Bahnschwellen aus Holz oder später auch aus Beton hergestellt. Zwar haben sich beide Materialien bewährt, aber sie haben auch gewisse Nachteile. Sie verursachen nicht nur Lärm und Schwingungen, sondern müssen auch oft und teuer gewartet werden. Weitere große Problemfelder, denen sich Greenrail („Greenrail, innovative and sustainable railway sleepers: the greener solution for railway sector“) widmen will, sind das Zerreiben des Schotters, die Querverschiebung und die Lebensdauer.

Greenrails innovative Lösung wurde bereits in mehr als 55 Ländern patentiert. Die Schwellen bestehen aus einem Kern aus Spannbeton und einer äußeren Schicht aus einem Mix von recyceltem Kunststoff und Gummi aus Altreifen. Die Erfindung kann mit integrierten Sensoren erweitert werden, Strom erzeugen oder Sonnenenergie sammeln, weshalb sie bereits für Kunden weltweit von Interesse ist.

Woran machen Sie den Bedarf an neuen Bahnschwellen fest?

Giovanni de Lisi: Wir haben festgestellt, dass es seit 1900 kaum Innovationen im Bereich der Bahninfrastruktur gegeben hat. Bahnschwellen aus Beton sind seit 100 Jahren Standard. Sie bringen aber einige technische Nachteile mit sich: zum Beispiel entstehen beim Zugverkehr viel Lärm und große Schwingungen, die Wartungskosten sind sehr hoch, der Schotter wird extrem zerrieben und sie sind starken Witterungseinflüssen ausgesetzt. Es wird Zeit für Veränderung, nachhaltige Innovationen, ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Genau das macht Greenrail: wir bieten ein neues Produkt mit besseren technischen, ökonomischen und umweltfreundlicheren Ergebnissen, mit dem Potenzial, zur Standardlösung der Zukunft zu werden.

Wo steht Ihre Technologie im Sinne der Nachhaltigkeit und Kosten im direkten Vergleich zu Alternativen?

Die Greenrail-Schwellen haben eine einzigartige Zusammensetzung. Ihre Kunststoff- und Gummibestandteile sind alle recycelt, tragen also enorm zu einer besseren Abfallwirtschaft bei. Auch technisch stellen sie eine Verbesserung dar: mit besserer elektrischer Isolierung, weniger Schwingungen, weniger Lärm und geringerem Zerreiben des Schotters sowie einer längeren Lebensdauer. Dank dieser technischen Vorteile lassen sich die Wartungskosten im Vergleich zu Betonschwellen um etwa das 2- bis 2,5-fache reduzieren.

Welche Sensoren können in Ihre Schwellen eingebaut werden und wozu?

In die Struktur der Greenrail-Schwellen können piezoelektrische Module, Sonnenkollektoren oder intelligente Sensoren integriert werden, die Energie gewinnen oder diagnostische Daten übermitteln. Greenrail Piezo erzeugt Strom, während Greenrail Solar Sonnenenergie erzeugen und gewinnen kann. Dank der Integration von intelligenter Sensorik kann Greenrail LinkBox außerdem diagnostische Daten übermitteln, um die Sicherheit der Infrastruktur zu verbessern. Mit all diesen intelligenten Greenrail-Schwellen ist der Sprung von einer passiven zu einer aktiven Infrastruktur möglich.

Können Sie uns mehr von Ihren Bahnschwellen und deren Funktionsweise erzählen?

Greenrail-Schwellen bestehen aus einem Kern aus vorgespanntem Stahlbeton und einer äußeren Schicht aus einem Mix von Gummi aus Altreifen und recycelten Kunststoffen. Dank dieser einzigartigen Zusammensetzung können wir bis zu 35 Tonnen dieser Materialien pro Kilometer Gleis wiederverwenden.

Wenn Sie auf die ursprünglichen Projektziele zurückschauen, war das Projekt für Sie ein Erfolg? Und wenn ja, warum?

Das Greenrail Projekt ist auf dem richtigen Weg. Seit Projektstart im Oktober 2016 haben wir schon viele Ziele und Meilensteine erreicht, die ursprünglich für das Projekt geplant waren. Wir haben die erste Charge Basisschwellen produziert und auch eine Teststrecke gebaut. Greenrail wurde in Italien zertifiziert und wir sind an FuE-Arbeiten für intelligente Greenrail-Schwellen beteiligt. Außerdem hat unser Unternehmen einen ersten Handelsvertrag im Wert von 75 Millionen EUR mit einer amerikanischen Firma abgeschlossen. Letzten Monat haben wir dann ein wichtiges Partnerschaftsabkommen mit INDRA unterzeichnet.

Wie sehen Ihre weiteren Pläne für die Kommerzialisierung aus?

Nachdem wir den Vertrag mit der Firma in den USA geschlossen hatten, kamen von der ganzen Welt Bestellungen und Anfragen rein. Momentan sind wir in offenen Verhandlungen mit vielen Betrieben auf der ganzen Welt, in Europa, dem Nahen Osten und Zentralasien. Unser Produkt ist maßgeschneidert, das heißt es kann nach verschiedenen technischen Vorgaben entworfen und hergestellt werden. Darum können wir unsere Technologie an jedes Gleissystem anpassen, überall auf der Welt, und unser Absatzmarkt ist damit global.

Wollen Sie einen Förderantrag für Phase 3 stellen? Was haben Sie vor?

Wir evaluieren noch, welche Vorteile uns das KMU Instrument Phase 3 bietet. Aber momentan konzentrieren wir uns auf das laufende Projekt und unser Geschäft.

Quelle: Interview im Magazin research*eu Ergebnisse, Ausgabe 72

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