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Wissenschaft im Trend: Mehr Frauen in der Wissenschaft? Das erleben wir wahrscheinlich nicht mehr

Neuen Studien zufolge kann es noch einige Generationen dauern, bis die Geschlechter in der Wissenschaft gleichberechtigt sind.
Wissenschaft im Trend: Mehr Frauen in der Wissenschaft? Das erleben wir wahrscheinlich nicht mehr
Was bringen all die vielversprechenden Initiativen auf der ganzen Welt, die neugierige junge Mädchen in wissenschaftsbegeisterte Erwachsene verwandeln wollen? Analysen von Millionen wissenschaftlicher Artikel der letzten Jahre haben zwar ergeben, dass schon der gegenwärtige Zustand ziemlich entmutigend ist, doch die Zukunft sollte uns erst recht Sorgen machen.

Laut einer Studie, die in der Zeitschrift „PLOS Biology“ veröffentlicht wurde, wird die Ungleichverteilung der Geschlechter in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) und der Medizin wohl noch mehrere Jahrzehnte andauern, besonders in den Bereichen Chirurgie, Informatik, Physik und Mathematik. Und es wird noch schlimmer. In Fachdisziplinen wie Physik oder Informatik könnte es noch Jahrhunderte dauern bis die Gleichverteilung geschafft ist.

Wissenschaftler der University of Melbourne arbeiteten mit PubMed und ArXiv, zwei großen Datenbanken mit tausenden veröffentlichten wissenschaftlichen Artikeln, und untersuchten die Namen der über 36 Millionen Autoren von knapp 10 Millionen Artikeln, die in den letzten 15 Jahren in 6 000 wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht wurden. Die Ergebnisse zeigten, dass die wenigsten Frauen in Physik, Informatik, Mathematik und Chemie publizierten, wohingegen in der Pflege die meisten Autoren Frauen waren.

Wie lange noch bis zur Geschlechterparität?

Beim Ungleichgewicht der Geschlechter gibt es kleine Fortschritte. In fast jedem Fach in Medizin und MINT gleichen sich die Geschlechterverhältnisse an. Der Frauenanteil in männerdominierten Bereichen wächst, zum Beispiel in der Physik auf 17 %. Männer arbeiten häufiger in Frauenberufen wie zum Beispiel der Pflege (75 % Frauen). Aber die Vorhersagen zur Ungleichverteilung in einigen Feldern sind deprimierend. Die düsteren Prognosen: 320 Jahre in der Pflege, Informatik (280), Physik (258) und Mathematik (60).

„Meine Vorhersagen zur Gleichverteilung gehen davon aus, dass der Frauenanteil in MINT und Medizin sich weiter nur schleppend verändern wird“, sagte der Evolutionsbiologe und Hauptautor Dr. Luke Holman dem Magazin „Forbes“. „Wir könnten da ganz leicht eingreifen, indem mehr Frauen in typischen Männerdisziplinen eingestellt und gehalten werden. So könnten wir viel schneller ein Gleichgewicht der Geschlechter erreichen als ich vorhergesagt hatte.“

Die Forscher untersuchten auch die jeweilige Verteilung in 100 Ländern. In Deutschland, der Schweiz und Japan fanden sie eine größere Ungleichverteilung der Geschlechter, in einigen europäischen, afrikanischen und südamerikanischen Ländern eine eher kleinere.

Lösungen für das Ungleichgewicht

Die Studie kam zu dem Schluss, dass weitere Interventionen notwendig sein werden, wenn Frauen in MINT- und medizinischen Berufen in gleichem Umfang vertreten sein sollen wie Männer. Zusätzliche Reformen in der Ausbildung, der Betreuung und im wissenschaftlichen Publizieren seien nötig.

Die „BBC“ zitiert Dr. Holman mit den Worten: „Die Lösungen sind schon da, aber es ist sehr schwer, etwas zu verändern und Menschen dazu zu bringen, Änderungen umzusetzen.“ Und er fügt hinzu: „Wir haben bisher zu wenig wirklich umgesetzt, weil es schwer ist, etwas zu ändern,was Menschen schon immer so gemacht haben. Und vielleicht hat das Thema auch bei Menschen in Machtpositionen im wissenschaftlichen Bereich und an Universitäten nicht die Priorität, die es verdient.“

Dr. Holman und seine Kollegen tragen definitiv ihren Teil dazu bei. Sie haben ein kostenloses interaktives webbasiertes Tool entwickelt, das Wissenschaftler, Verwalter, Fördereinrichtungen, Gesetzgeber, wissenschaftliche Organisationen und die breite Öffentlichkeit dazu anregen soll, sich weiter mit der Ungleichverteilung der Geschlechter in MINT und Medizin zu beschäftigen.

Quelle: Gestützt auf Medienberichte

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