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Wissenschaft im Trend: 800 Jahre altes Rätsel um Schiffswrack dank Etikett auf Töpferware gelöst

Ein Keramikbruchstück, das vor der Küste Indonesiens gefunden wurde, offenbart die Herkunft eines gesunkenen Schiffs, das Töpferwaren und Luxusgüter transportierte.
Wissenschaft im Trend: 800 Jahre altes Rätsel um Schiffswrack dank Etikett auf Töpferware gelöst
Unser Rätsel hat seinen Ursprung in den 1980er-Jahren, als Fischer in der Javasee ein Wrack entdeckten. Das Schiff war vermutlich in Indonesien gebaut worden und befand sich wohl auf dem Weg von China zur indonesischen Insel Java. Es war kaum verwunderlich, dass der hölzerne Schiffsrumpf zerfallen war. Doch die Objekte, die die Ladung des Schiffes ausmachten, hinterließen wertvolle Hinweise. Tausende Keramikerzeugnisse aus China, Gusseisen sowie Luxusgüter, wie beispielsweise Stoßzähne von Elefanten oder Harze zur Herstellung von Weihrauch, wurden auf dem Meeresgrund gefunden.

Das Rätsel um die verlorene Geschichte eines Schiffswracks und seine Ladung

Im Jahr 1996 bargen Archäologen das Wrack und verbrachten die folgenden Jahrzehnte damit, den Schatz zu analysieren und zu datieren. Sie glaubten, er könne aus der Zeit zwischen 1250 bis 1300 stammen. Ende der 1990er-Jahre wurden über 7 500 Artefakte, die bis zu diesem Zeitpunkt aus dem Wrack gehoben worden waren, dem Field Museum of Natural History in Chicago übergeben.

Hier kommt Lisa Niziolek ins Spiel, Archäologin des Museums und Hauptautorin des Forschungsberichts, der im ‘Journal of Archaeological Science: Reports’ veröffentlicht wurde. Im Jahr 2014 begann sie, mit Keramikexperten aus China und Japan zusammenzuarbeiten. Inzwischen war eine neue Radiokarbontechnologie verfügbar, und Niziolek und ihr ausgefuchstes Team entschieden sich wie Detektive dafür, weitere Teile der Sammlung zu prüfen. Dadurch ergab sich eine völlig neue Situation.

Sie fanden heraus, dass einige der Töpferwaren Objekten aus dem 11. und 12. Jahrhundert ähnelten – sie wären also ein ganzes Jahrhundert älter, als zunächst angenommen. Diese These unterstützte ein Etikett auf zwei Keramikgefäße, dessen Bedeutung im Wesentlichen mit „Made in China“ wiedergegeben werden kann. Diese Aufschrift enthüllt ihre Herkunft. Laut Etikett wurden die Waren in Jianning Fu hergestellt. Dieser chinesische Bezirk wurde um das Jahr 1278, nach einer mongolischen Invasion, in Jianning Lu umbenannt. Das unglückselige Schiff war bereits vor diesem Zeitpunkt auf den Meeresgrund gesunken. Der Schiffbruch könnte schon vor dem Jahr 1200 geschehen sein, vielleicht bereits um 1162. Gut kombiniert, Sherlock!

In einer Stellungnahme des Field Museum merkte Niziolek an, dass die Chancen eher gering seien, dass ein Schiff der späteren Jianning-Lu-Zeit alte Töpferwaren mit dem überalterten Namen geladen hätte. „Das Schiff hatte wahrscheinlich etwa 100 000 Keramikobjekte an Bord. Es ist unwahrscheinlich, dass ein Kaufmann für deren Lagerung lange vor der Verschiffung gezahlt hätte – sie wurden vermutlich erst kurz vor dem Untergang des Schiffes hergestellt.“

Die Stellungnahme wies außerdem darauf hin, dass „das Schiff auch Stoßzähne von Elefanten für den medizinischen Gebrauch bzw. als Kunst sowie wohlriechende Harze zur Herstellung von Weihrauch oder zur Abdichtung von Schiffen geladen hatte. Beide Materialien waren ausschlaggebend für die Neudatierung des Wracks.“

„Das Schiffswrack der Javasee ist in vielerlei Hinsicht aufschlussreich. Es belegt nicht nur den Umfang des Seehandels in jener Zeit sondern auch dessen Komplexität“, erklärt Niziolek gegenüber ‚Reuters‘.

Warum machen 100 Jahre so einen großen Unterschied?

Gegenüber dem britischen ‚Independent‘ erklärt Niziolek, dass die Tatsache, dass das Schiffswrack eher 800 als 700 Jahre alt ist, deshalb so bedeutend ist, weil es seinen Ursprung in einer Zeit „wichtiger Veränderungen“ hat. Dazu sagte sie: „In dieser Zeit betätigten sich die chinesischen Händler zunehmend im Seehandel und waren abhängiger von Seewegen als von der über Land führenden Seidenstraße.“

Das Schiff fügt sich in das Gesamtbild der reichen Geschichte Chinas ein und bietet faszinierende Einblicke in den Seehandel Asiens vor 800 Jahren. Doch was widerfuhr dem Schiff letztendlich? Dieses Rätsel muss an einem anderen Tag gelöst werden.

Quelle: Gestützt auf Medienberichte

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