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Wissenschaft im Trend: Ein uraltes chinesisches Grab, die Großmutter eines Kaisers und ein ausgestorbener Affe als warnendes Beispiel

Eine unbekannte, lang vergessene Affenart wurde jetzt in einem königlichen Tempel in Zentralchina entdeckt. Wissenschaftlern zufolge sollte das ein Weckruf für die Welt sein.
Wissenschaft im Trend: Ein uraltes chinesisches Grab, die Großmutter eines Kaisers und ein ausgestorbener Affe als warnendes Beispiel
Ein Team von Wissenschaftlern hat in der Provinz Shaanxi einen Schädel und einen Kiefer eines ausgestorbenen Gibbons ausgegraben, der in einer etwa 2300 Jahre alten königlichen Grabkammer lag. Das Team gab ihm den Namen Junzi imperialis. Diese bisher unbekannte Gattung und Art eines Gibbons könnte der erste Affe sein, der jemals von Menschen ausgerottet wurde. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Science" veröffentlicht.

Hat die Menschheit bei seinem Untergang eine aktive Rolle gespielt?

Der Studie zufolge war der Junzi damals in dieser Region wahrscheinlich weit verbreitet und könnte bis zum 18. Jahrhundert überlebt haben. Die Forscher glauben, dass der Junzi aufgrund des Verhaltens der damaligen Menschen, wahrscheinlich durch Abholzung der Wälder und Jagd, ausgestorben ist. Bisher gab es allerdings keine Beweise dafür, dass der Mensch direkt für das Aussterben einer unserer nächsten Verwandten verantwortlich war. „Es ist nur sehr wenig über das Verschwinden von Primaten bekannt – fast nichts“, sagte James Hansford, Co-Autor der Studie und promovierter wissenschaftlicher Mitarbeiter der Zoological Society of London, gegenüber „National Geographic“. „Überhaupt sicher sagen zu können, dass das vorgekommen ist, ist schon ein wichtiger Schritt.“

Hansford entdeckte die Knochen zusammen mit anderen Wissenschaftlern bei einer Untersuchung des Inhalts des Grabs. Dieses wurde erstmals im Jahr 2004 ausgehoben und enthielt 12 Gruben mit tierischen Überresten. Sie gehen davon aus, dass die Grabkammer – und vielleicht auch der Gibbon – Lady Xia gehört haben könnten, der Großmutter des ersten Kaisers von China, Qin Shihuang. Entdeckt wurden außerdem die Knochen von Schwarzbären, Kranichen, Leoparden, Luchsen und einigen Haustieren.

Gibbons sind die kleinsten Affen und weltweit die schnellsten Säugetiere, die auf Bäumen leben und nicht fliegen können. Außerdem sind sie näher mit dem Menschen verwandt als mit jeder anderen Affenart. Laut einem Artikel, der auf die in „Science“ veröffentlichten Ergebnisse verweist, wurden sie als königliche Primaten verehrt und im Kaiserreich China oft als prestigeträchtige Haustiere gehalten.

In dieser Region Chinas gibt es keine Gibbons mehr. Aus der Studie geht hervor, dass man aufgrund dieser Entdeckung von einer noch unbekannten biologischen Vielfalt unter Primaten ausgehen kann, die damals in Asien geherrscht haben muss.

Ein Grab mit warnender Botschaft

Heute leben mehr als 12 verschiedene Gibbonarten in den Regenwäldern Nordostindiens, Südchinas und Indonesiens. Die meisten davon sind entweder bedroht oder nahezu ausgestorben. Alle verbleibenden chinesischen Arten stehen momentan auf der Roten Liste gefährdeter Arten der International Union for Conservation unter „vom Aussterben bedroht“.

„CNN“ zitiert Hansford: „Herausragend an dieser Studie ist, dass sie eine einzigartige Gattung vorstellt, etwas vollkommen Neues in die Wissenschaft einbringt. Aber sie zeigt auch das erste bekannte Aussterben eines Primaten, das von Menschen verursacht wurde.“ Er fügt hinzu: „Wir hatten angenommen, dass sie im Verlauf der Geschichte viel widerstandsfähiger gegenüber der anthropogenen Belastung gewesen wären, aber eigentlich haben sie wohl viel länger darunter gelitten als wir dachten. Das macht hoffentlich die Notlage der Gibbons und auch anderer Primaten deutlicher.“

Niemand kann sicher sagen, ob die Menschen diese Gibbons wirklich vollständig ausgerottet haben. Aber die neuen Erkenntnisse sind eine Mahnung, dass das von Menschen verursachte Aussterben ganzer Arten nicht nur ein modernes Problem ist. Haben wir unseren schlechten Einfluss auf die Natur unterschätzt? Das Königreich der Tiere kennt die Antwort vielleicht schon.

Quelle: Gestützt auf Medienberichte

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