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Präklinische Forschung an neuem Arzneimittel macht Hoffnung für die Behandlung des Rett-Syndroms

Wissenschaftler haben gezeigt, dass ein neues Arzneimittel die Symptome einer seltenen genetischen Erkrankung reduzieren kann.
Präklinische Forschung an neuem Arzneimittel macht Hoffnung für die Behandlung des Rett-Syndroms
Das Rett-Syndrom, eine der gängigsten Ursachen für geistige Entwicklungsstörungen aufgrund einer genetischen Erkrankung, wirkt sich auf die Entwicklung des Gehirns aus. Dies führt nach und nach zu Störungen der Augen- und Körperbewegungen sowie sprachlichen Fähigkeiten. Das Syndrom tritt fast ausschließlich bei Mädchen auf. Derzeit gibt es keine Heilung für das Rett-Syndrom, und die Behandlung ist auf die Bekämpfung der Symptome ausgerichtet, zu denen Epilepsie und Atemnot zählen.

Ein Team von Forschern, dass auch über das EU-finanzierte Projekt DISCHROM unterstützt wurde, demonstrierte, wie ein spezifischer Inhibitor die klinischen Symptome des Rett-Syndroms lindern kann. Die Studie wurde vor Kurzem in der Fachzeitschrift „Cell Reports“ veröffentlicht. Dr. Manel Esteller, Leiter der Studie, erklärte in einer Pressemitteilung des Bellvitge Biomedical Research Institutes die gewonnenen Erkenntnisse. „Uns war seit mehreren Jahren bekannt, dass die Gehirne von Mädchen mit Rett-Syndrom Entzündungen aufweisen, sodass wir testen wollten, ob ein Wirkstoff, der ein zentrales neuroinflammatorisches Protein namens Glykogensynthase-Kinase 3B (glycogen synthase kinase-3B, GSK3B) hemmt, die Symptome teilweise umkehren könnte.“

Die Forscher begannen mit einem präklinischen Modell der Erkrankung und untersuchten hierfür ein Mausmodell für MECP2-Defizienz (Methyl-CpG-Bindeprotein 2), wie sie beim menschlichen Rett-Syndrom auftritt. Das klassische Rett-Syndrom und manche Varianten der Erkrankung werden durch Mutationen im MECP2-Gen verursacht. Dieses Gen liefert die Anweisungen für die Herstellung eines MeCP2-Proteins, das für die normale Hirnfunktion entscheidend ist. Dr. Esteller ergänzte: „Die Ergebnisse waren überaus vielversprechend: Agens SB216763 verlängerte das Leben der Tiere, reduzierte deutlich Tremor und Atemnot und verbesserte die Bewegungskoordination.“

Laut der Ergebnisse „verursacht die Inhibition von GSK3B auch ein ,Erwachen‘ der schlafenden Neuronen des Syndroms: diese Hirnzellen beginnen jetzt damit, den Kontakt untereinander wiederherzustellen; und die Kommunikation zwischen neuronalen Synapsen nimmt zu.“ Dr. Esteller erklärte: die Erkenntnisse „bieten einen neuen Weg zur Verbesserung der Lebensqualität dieser Patienten, und jetzt ist es die Aufgabe von Neurologen, deren Anwendbarkeit bei Patienten mit Rett-Syndrom unter Beweis zu stellen.“

Das Rett-Syndrom ist eine der Chromatin-Erkrankungen (chromatin diseases, CD), die unter dem Projekt DISCHROM behandelt wurden. Chromatin ist ein Komplex von Makromolekülen, der sich in Zellen befindet, und der DNA, Protein und Ribonukleinsäuren beinhaltet. Die Chromatinstruktur ist für die Regulation der Genexpression von entscheidender Bedeutung. Es wurde festgestellt, dass mehrere genetische Erkrankungen beim Menschen durch Genmutationen verursacht werden, bei denen Proteine hergestellt werden, die an der Aufrechterhaltung oder Modifizierung der Chromatinstruktur beteiligt sind.

Das Ziel von DISCHROM (Chromatin diseases: from basic mechanisms to therapy) bestand darin, die Forschung und berufliche Bildung auf dem Gebiet von Chromatinerkrankungen zu fördern. Zu diesem Zweck wurde über das DISCHROM Initial Training Network eine Gruppe fachübergreifender Experten zusammengestellt, die durch technische Teams unterstützt wurden. Nachwuchsforscher wurden auf fortgeschrittenem Niveau in den Bereichen Molekular-, Zell-, Entwicklungs- und Chromatinbiologie, Genomik, Epigenetik, Bioinformatik, Bildgebung und hochdurchsatzfähigen genetischen Verfahren ausgebildet. Neben dem Rett-Syndrom widmete sich DISCHROM drei weiteren Chromatinerkrankungen: der Alpha-Thalassämie mit geistiger Entwicklungsstörung, der fazioskapulohumeralen Muskeldystrophie und dem ICF-Syndrom (Immunschwäche, Instabilität der Zentromerregion einiger Chromosomen und faziale Anomalien).

Weitere Informationen:
DISCHROM-Projekt

Quelle: Gestützt auf Projektinformationen und Medienberichte

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