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Wissenschaft im Trend: Könnte der Klimawandel noch viel schlimmer sein als bisher angenommen?

Eine neue Studie wirft Zweifel an Klimamodellvorhersagen auf und zeigt, dass der Klimawandel viel schlimmer sein und dazu noch viel früher eintreten wird, als die meisten Menschen denken.
Wissenschaft im Trend: Könnte der Klimawandel noch viel schlimmer sein als bisher angenommen?
Es ist kaum verwunderlich, dass die globale Erderwärmung eine tiefgreifende Wirkung auf die Erde ausübt. Aber dass die Erderwärmung letztendlich doppelt so stark sein könnte wie ursprünglich prognostiziert? An dieses beschleunigte Tempo wird man sich erst noch gewöhnen müssen.

Eine in der unabhängigen britischen Fachzeitschrift „Nature Geoscience“ erschienene Studie deutet darauf hin, dass die globale Erderwärmung doppelt so hoch sein könnte, als aktuelle Klimamodelle vorhersagen. Ein internationales Forscherteam aus 17 Ländern stützte seine Erkenntnisse auf drei Wärmeperioden in den vergangenen 3,5 Millionen Jahren, als die Welt im Vergleich zu den vorindustriellen Temperaturen des 19. Jahrhunderts noch 0,5-2 °C wärmer war.

Der Trend geht in die falsche Richtung

„Die Veränderungen, die wir heute sehen, schreiten viel schneller voran als alles, was die Erde in der Vergangenheit jemals erfahren hat,“ erklärte die Hauptautorin der Studie, Katrin Meissner von der Universität von Neusüdwales in Australien gegenüber der „USA Today“. „Was die Geschwindigkeit der Veränderungen betrifft, so befinden wir uns in unbekannten Gewässern.“

Im Dezember 2015 haben 195 Länder das Übereinkommen von Paris verabschiedet, das erste universelle, rechtsverbindliche globale Klimaabkommen dieser Art. Es legt einen globalen Aktionsplan zur Vermeidung eines gefährlichen Klimawandels fest, der die globale Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C begrenzen soll.

Nur 2 °C globale Erderwärmung können den entscheidenden Unterschied ausmachen

„Selbst bei nur zwei Grad Erderwärmung – oder möglicherweise sogar nur 1,5 Grad – sind die signifikanten Auswirkungen auf das Erdsystem tiefgreifend“, erklärte Alan Mix, Mitverfasser der Studie und Wissenschaftler an der Oregon State University in den USA, in einem Interview mit der amerikanischen Tageszeitung. „Wir können davon ausgehen, dass der Anstieg des Meeresspiegels über Jahrtausende hinweg nicht aufzuhalten wäre und sich auf einen Großteil der Weltbevölkerung, der Infrastruktur und der Wirtschaftstätigkeit auswirken würde.“

Die Forscher fanden heraus, dass die Erderwärmung während der ersten beiden Perioden durch vorhersehbare Veränderungen der Erdumlaufbahn verursacht wurde. Die dritte war das Ergebnis atmosphärischer CO₂-Konzentrationen von 350-450 Teilen pro Million. Solche Konzentrationen sind denen von heute sehr ähnlich. Das Team kombinierte eine Vielzahl von Messungen, um die Auswirkungen von Klimaänderungen zu ermitteln. Dazu gehörten Eisbohrkerne, Sedimentschichten, Fossilien, Datierungen mithilfe von Atomisotopen und viele andere bewährte Paläoklima-Verfahren.

Zusammen liefern diese drei Perioden starke Beweise dafür, wie eine wärmere Erde aussehen würde, sobald sich das Klima stabilisiert hätte. Andererseits erwärmt sich unser Planet heute viel schneller als in jeder einzelnen dieser Perioden, da die CO₂-Emissionen dank menschlicher Aktivitäten immer weiter steigen. Selbst wenn diese Emissionen von heute auf morgen aufhören würden, so würde es Jahrhunderte bis Jahrtausende dauern, um das Gleichgewicht wiederherzustellen.

Die Ergebnisse zeigen, dass unsere aktuellen Klimavorhersagen die langfristige Erderwärmung möglicherweise um den Faktor zwei unterschätzen. Potenzielle Veränderungen, selbst bei zwei Grad Erderwärmung, wurden in Klimamodellen, die sich auf die nahe Zukunft bezogen, unterschätzt. „Klimamodelle scheinen für kleine Veränderungen zuverlässig zu sein, wie beispielsweise für emissionsarme Szenarien über kurze Zeiträume hinweg, etwa die nächsten Jahrzehnte bis zum Jahr 2100“, so Meissner in einem Interview mit dem „Guardian“. „Aber wenn die Veränderung größer oder beständiger wird ... kommt es einem so vor, als wenn sie den Klimawandel unterschätzen.“

Sind die Pariser Ziele zur Eindämmung der globalen Erderwärmung wirklich ausreichend, um die negativen Auswirkungen auf die Erde zu stoppen oder sogar rückgängig zu machen? Wenn es zu keiner ernsthaften Reduzierung der CO₂-Emissionen kommt, werden wir keine Studien mehr brauchen, um die Alarmglocken für unseren Planeten zu läuten.

Quelle: Gestützt auf Medienberichte

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