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Fintech-Lösung könnte zur Verringerung finanzieller Ausgrenzung beitragen

Eine EU-unterstützte digitale Technologieplattform bietet allen Verbrauchern eine sichere und benutzerfreundliche Methode für sofortige Zahlungen. Sie wird der Bevölkerung ohne Bankkonto die Teilnahme an der globalen Finanzwirtschaft ermöglichen.
Fintech-Lösung könnte zur Verringerung finanzieller Ausgrenzung beitragen
Angesichts der zunehmenden Konnektivität und der weit verbreiteten Nutzung von Smartphones, sind Apps für das mobile Banking und Bezahlen massentauglich geworden. Dies trägt zu einem Anstieg in der Anzahl und im Umfang von bargeldlosen Transaktionen bei. Laut dem World Payments Report 2017 verzeichneten die bargeldlosen Transaktionen zwischen 2014 und 2015 ein enormes Wachstum, das sich auf ein Volumen von 433,1 Milliarden bezifferte. Doch bestehende IT-Systeme, die in diese Transaktionen involviert sind, weisen mehrere Einschränkungen auf, vor allem, wenn sie zentralisiert sind. Hohe Wartungskosten werden auf die Kunden abgewälzt, während steigende Bankgebühren zu finanzieller Ausgrenzung führen.

Das EU-finanzierte BILLON-Projekt ging diese Herausforderungen durch ein Blockchain-basiertes Sofortauszahlungssystem an, das den aktuellen Finanzvorschriften entspricht. Es greift auf die Distributed-Ledger-Technologie (DLT) zurück, um kostenlose Girokonten einzurichten, mit denen äußerst kostengünstige Zahlungen in echten Währungen wie Euro, britische Pfund und polnische Zloty getätigt werden können. Der Anbieter dieser DLT ist Billon, ein Blockchain-Technologieunternehmen mit Sitz in Warschau, das im Vereinigten Königreich ebenfalls bei einer Financial Conduct Authority (Agentur für Finanzgebaren) als E-Geld-Institut registriert ist. Wie in einer Pressemitteilung erklärt wird, ermöglicht die leichte und dezentrale Architektur von Billon Benutzern, Geld zu sparen und weniger Dokumente und Identitätsnachweise zu benötigen, da Endbenutzern oder bestätigten Instanzen direkt auf der Blockchain voller Zugriff gewährt wird.

Blockchain und DLT

Laut einem Weltbankbericht ist eine Blockchain eine bestimmte Art von Datenstruktur, die bei manchen dezentralen Ledgern verwendet wird und die Daten in Form von Paketen überträgt, welche als Blöcke bezeichnet werden. Diese sind in einer digitalen Kette miteinander verbunden. DLT ist eine spezielle Art von elektronischem Datenverarbeitungs- und Speichersystem. Dezentraler Ledger bezeichnet eine Datenbank, die in einem Netzwerk an mehreren Standorten, geographischen Regionen oder Instituten gemeinsam genutzt wird. Diese gibt Teilnehmern oder Knoten gemeinsame Berechtigungen zum Schreiben, Lesen und Speichern von Eintragungen in den Ledger. DLT hat aufgrund substanzieller Kosteneinsparungen das Potenzial zur Revolutionierung von Zahlungen, Wertpapierabwicklungen und Back-Office-Funktionen. Hierdurch werden direkte Peer-to-Peer-Transaktionen zur Umgehung von Zwischenstellen ermöglicht. Eine Anwendung ist auch außerhalb des Finanzsektors im Bereich der Datenbankpflege möglich, z. B. im Gesundheitswesen.

Billon steht seit Neuerem aufgrund des revolutionären Potenzials seiner Technologie für direkte Zahlungen im Rampenlicht. Das Unternehmen wurde in der jährlichen Liste der FinTech50 erwähnt, in der die innovativsten europäischen Unternehmen der Welt aus dem Finanz- und Technologiebereich aufgeführt sind. Die FinTech50 2018 wurden aus mehr als 1 800 FinTech-Unternehmen in Europa ausgewählt.

Regulierung und finanzielle Inklusion

Betriebe überall in Polen und im Vereinigten Königreich nutzen bereits die Blockchain-Lösungen von Billon zur Überweisung von elektronischem Geld, das digitale Äquivalent zu Bargeld, das gemäß der überarbeiteten EU-Richtlinie über Zahlungsdienste qualifiziert ist. Die Richtlinie wurde eingeführt, um EU-weite elektronische Zahlungen günstiger, einfacher und sicherer zu gestalten.

Robert Kałuża, Mitbegründer und Chief Operating Officer von Billon, sagte in einer Pressemitteilung, dass die Einführung der Richtlinie „signifikante Vorteile für diejenigen hat, die bislang von den Finanzsystemen ausgegrenzt waren.“ Sie können zum Beispiel „Entgelt in digitaler Form für befristete oder unregelmäßige Arbeit entgegennehmen, ohne dass ein Bankkonto oder eine Kreditkarte erforderlich sind, die kostspielig sein können.“ Billon ist darauf ausgerichtet, aus diesen regulatorischen Veränderungen Erträge zu schöpfen.

Das anhaltende Projekt BILLON (Disrupting the economy – FinTech blockchain solution revolutionises direct payments. Secure, low-cost and simple bank-free payments for everyone) zielt auf die Revolutionierung des Marktes für alternative Zahlungen ab.

Weitere Informationen:
BILLON project

Quelle: Gestützt auf Projektinformationen und Medienberichte

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