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Patienten mit chronischen Lungenkrankheiten in Niedrigeinkommensländern können aufatmen

Wirksame Prävention, Diagnose und Behandlung chronischer Lungenkrankheiten in benachteiligten Gebieten? Ein internationales Team von Wissenschaftlern zeigt wie das funktioniert.
Patienten mit chronischen Lungenkrankheiten in Niedrigeinkommensländern können aufatmen
Laut der Weltgesundheitsorganisation leiden weltweit über 250 Millionen Menschen an der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) und etwa 235 Millionen an Asthma. Die große Mehrheit aller Todesfälle infolge dieser Krankheiten tritt in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auf. Zwar wurden in Ländern mit hohem Einkommen bereits wirksame Schritte zur Prävention und Behandlung chronischer Lungenkrankheiten unternommen, doch diese Maßnahmen auf Niedrigeinkommensländer zu übertragen, in denen solche Krankheiten weiter verbreitet sind, bleibt eine Herausforderung.

Das EU-finanzierte Projekt FRESH AIR wurde ins Leben gerufen, um dem Bedarf an Maßnahmen zur Prävention, Diagnose und Behandlung nicht übertragbarer Lungenkrankheiten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sowie bei gefährdeten Bevölkerungsgruppen in Ländern mit höherem Einkommen zu begegnen.

Der Schwerpunkt von FRESH AIR lag darauf, aktuelles Wissen und evidenzbasierte Maßnahmen, die sich bereits in Regionen mit hohem Einkommen bewährt haben, an die praktischen Herausforderungen von Umgebungen mit wenigen Ressourcen anzupassen. Dieser Ansatz wird als Implementationsforschung bezeichnet und kam bereits in vier Zielländern zum Einsatz: Griechenland, Kirgisistan, Uganda und Vietnam.

Belastung mit Tabakqualm und Verschmutzung von Raum- und Außenluft – die Hauptursachen für COPD – sind in allen vier Ländern verbreitet. In Griechenland gibt es zwar ein relatives starkes Bewusstsein für die Gesundheitsgefahren beim Verbrennen von Holz oder Kohle zum Heizen, doch viele können es sich wegen der andauernden Sparmaßnahmen nicht leisten, zu Hause moderne Heizgeräte zu nutzen. Griechenland hat außerdem den höchsten Anteil an Tabakkonsum in der EU (38 % der Bevölkerung), was das Problem noch zusätzlich verschärft. Ein außergewöhnlich hoher Raucheranteil unter den Männern ist auch in Kirgisistan (47,4 %) sowie Uganda und Vietnam zu finden (56,1 %). Das hängt damit zusammen, dass die Öffentlichkeit sich der Gefahren des Rauchens und der extensiven Nutzung von Biomasse beim Heizen nur wenig bewusst ist.

Gesundheitsmaßnahmen vor Ort

FRESH AIR hat sich dieser Probleme mit einer Reihe wirksamer Ansätze, wie zum Beispiel Rehabilitationsprogrammen, qualitativen und quantitativen Forschungsprojekten sowie Schulungsprogrammen, angenommen. Im Rahmen des Projekts haben Gesundheitsfachkräfte in Uganda die Gemeinden vor Ort über die Gefahren der Luftverschmutzung im Haushalt belehrt. Patienten mit COPD in Griechenland und Vietnam haben Programme zur Lungenrehabilitation durchlaufen, die für ihre jeweiligen Kulturen maßgeschneidert wurden. In Kirgisistan haben Allgemeinärzte von einem Schulungsseminar zur Reduktion des Tabakkonsums profitiert.

Die maßgeschneiderten Maßnahmen des Projekts haben in den Zielgemeinden zu Verbesserungen der Gesundheit von Patienten mit COPD und Asthma geführt und gleichzeitig den teilnehmenden Gesundheitsfachkräften die Möglichkeit gegeben, ihre Fähigkeiten und Kenntnisse zu verbessern. Allgemeinärzte in allen vier Ländern erhielten Online-Schulungen in Spirometrie – also der Messung des Lungenvolumens. Dadurch konnten die Ärzte, die moderne diagnostische Spirometer einsetzten, zu jeder durchgeführten Spirometrie eine Rückmeldung bekommen. Indem sie die Teilnehmer sensibilisierten und saubere Küchenherde zur Verfügung stellten, haben die Forscher von FRESH AIR außerdem zur Reduzierung der Raumluftverschmutzung beigetragen.

„Eine wichtige Lektion für uns war, dass Kooperation für den Erfolg unerlässlich ist. Wenn man nicht nur Praktiker, sondern auch Patienten und andere lokale Interessengruppen einbezieht, bekommen sie das Gefühl, dass das Projekt und seine Ergebnisse auch ihnen gehören. Und das wird dazu beitragen, dass die eingeführten Maßnahmen auch nach dem Ende des Projekts weiter zum Einsatz kommen“, sagt Projektkoordinatorin Rianne van der Kleij vom Leiden University Medical Center in einer Meldung auf der Website von News Medical.

Die Erkenntnisse aus FRESH AIR („Free Respiratory Evaluation and Smoke-exposure reduction by primary Health cAre Integrated gRoups“) werden weiter verbreitet, um Prävention, Diagnose und Behandlung nicht übertragbarer Lungenkrankheiten in anderen Kontexten zu verbessern und einen Beitrag zur Verbesserung der weltweiten politischen Maßnahmen in diesem Bereich zu leisten.


Weitere Informationen:
Projektwebsite von FRESH AIR

Quelle: Gestützt auf Projektinformationen und Medienberichte

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