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Wissenschaft im Trend: Haben Wissenschaftler die älteste menschliche Zeichnung entdeckt?

Archäologen behaupten, in einer Höhle in Südafrika die früheste Zeichnung, die je durch einen Menschen angefertigt wurde, entdeckt zu haben.
Wissenschaft im Trend: Haben Wissenschaftler die älteste menschliche Zeichnung entdeckt?
Wer hätte je gedacht, dass eine 73 000 Jahre alte Zeichnung, die auf einen Fels in einer alten Höhle gekritzelt ist, so aussieht, wie, nun ja, ein Hashtag. Was das Ganze noch faszinierender macht, ist, dass die Zeichnung um mindestens 30 000 Jahre älter ist, als die bislang ältesten bekannten Zeichnungen in Spanien und Indonesien.

In der Blombos-Höhle, etwa 300 km östlich von Kapstadt, machten Archäologen eine Entdeckung, die sie als die älteste bekannte abstrakte Bleistiftzeichnung von Menschenhand bezeichnen. Sie wurde von Jägern und Sammlern angefertigt, die zeitweilig in der Blombos-Höhle ihr Zuhause fanden. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht.

Wissenschaftler haben auf der Welt ältere Gravuren entdeckt, doch die Linien auf dem Gestein markieren die erste abstrakte Zeichnung. „Das abrupte Ende aller Linien an den Kanten des Fragments legt nahe, dass sich das Muster ursprünglich über eine größere Fläche erstreckte. Das Muster war möglicherweise in seiner Gesamtheit komplexer und strukturierter, als in seiner abgeschnittenen Form“, berichtete Christopher Henshilwood von der Universität Bergen in Norwegen und der Witwatersrand-Universität in Südafrika der Agentur „Reuters“. Henshilwood, der die veröffentlichte Forschung leitete, fügte hinzu: „Wir würden dies nur zurückhaltend als Kunst bezeichnen. Es handelt sich definitiv um ein abstraktes Muster und es hatte für den Schöpfer mit ziemlicher Sicherheit eine Bedeutung und war Bestandteil eines gemeinsamen Zeichensystems, das von anderen Menschen in dieser Gruppe verstanden wurde.”

Das Muster an sich ist sehr einfach, doch was an dieser Stelle beachtenswert ist, ist, dass die Zeichnung während der Mittelsteinzeit angefertigt wurde. Die Zeichnung wurde mit Rotstein angefertigt, einem Lehm-Erdpigment, das vom Menschen vor mindestens 285 000 Jahren verwendet worden ist. Dies legt nahe, dass unsere Vorfahren moderne kognitive Fähigkeiten besaßen.

„All diese Erkenntnisse verdeutlichen, dass der frühe Homo sapiens am südlichen Kap verschiedene Techniken zur Erstellung ähnlicher Zeichen verschiedenen Medien benutzte“, sagte Henshilwood. „Diese Beobachtung stützt die Hypothese, dass diese Zeichen symbolischer Natur waren und einen inhärenten Bestandteil der fortschrittlichen kognitiven Fähigkeiten dieses frühen afrikanischen Homo sapiens, Vorfahre vom heutigen Menschen, darstellten.“

Kann die weltweit älteste Zeichnung als Kunst bezeichnet werden?

In der Studie bezeichnen Henshilwood und sein internationales Team von Archäologen das Artefakt als eine Zeichnung. Doch kann es mit dem Etikett der Kunst belegt werden? „Wir wissen keineswegs, ob es sich um Kunst handelt“, erklärte Henshilwood „National Geographic“. „Wir wissen, dass es ein Symbol ist. (...) Kunst lässt sich schwer definieren. Man schaue sich verschiedene Abstrakte von Picasso an. Ist das Kunst? Wer sagt einem, ob das Kunst ist oder nicht?

Hob ein früher Mensch bewusst ein Stück Rotstein auf, um damit ein Hashtag-ähnliches Zeichen auf ein Stück Gestein zu ritzen? Sollte es ein Objekt oder sogar ein abstraktes Konzept darstellen? Skeptiker könnten sagen, dass die Rautezeichen nicht mehr sind, als Kritzelei, nur ein paar frühe Menschen, die eine Verbindung zur Welt aus ihrer damaligen Sichtweise herstellen. Sei es, wie es sei, der Fund ist eine weitere spannende Entwicklung für unser Verständnis des frühen modernen Menschen.

Quelle: Gestützt auf Medienberichte

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