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Antibiotikafreie Behandlung von Milchkühen rückt näher

Bedeutet Antibiotikaresistenz das Ende für moderne Behandlungsmethoden bei Euterinfektionen in der Milchindustrie? Mitnichten – zumindest wenn es nach einer Forschergruppe geht, die derzeit eine bahnbrechende Technologie zur wirksamen Behandlung aller getesteten Bakterien entwickelt.
Antibiotikafreie Behandlung von Milchkühen rückt näher
Antibiotikaresistenz breitet sich weltweit bedrohlich aus. Mit der zunehmenden Resistenz von Bakterien gegenüber den Antibiotika, durch die sie eigentlich abgetötet werden sollen, verlieren diese Arzneimittel ihre Wirksamkeit. Unsere Möglichkeiten zur Behandlung häufig auftretender Infektionskrankheiten werden dadurch bedeutend eingeschränkt. Ohne sofortiges Handeln prognostiziert die Weltgesundheitsorganisation eine Post-Antibiotika-Ära, in der häufige Infektionen und leichte Verletzungen wieder zu einer tödlichen Gefahr werden können.

Das EU-finanzierte Projekt PanaMast (Progressing a non-antibiotic antimicrobial treatment for Bovine Mastitis towards market – PanaMast) widmet sich dem Ziel, das Problem der Antibiotikaresistenz zu stemmen. Dazu konzentrieren die Forscher ihre Arbeit auf die bovine Mastitis, eine weltweit häufig auftretende Entzündung des Euters bei Milchkühen. Mastitis wird für gewöhnlich mit konventionellen Antibiotika behandelt. PanaMast entwickelt nun die weltweit erste nicht-antibiotische Behandlung zur Behandlung von laktierenden Kühen.

Eine innovative Technologie mit gesundheitlichen und wirtschaftlichen Vorteilen

Die neue nicht-antibiotische Technologie der Forscher, die sogenannte langwirksame reaktive Spezies („long-acting reactive species“ – LARS), hat sich bisher gegen alle getesteten Mikroorganismen als wirksam erwiesen, darunter auch gegen antibiotikaresistente Bakterien wie den Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA). Vor allem aber induziert sie keine Resistenz. Neben der hohen Wirksamkeit bei gramnegativen und grampositiven Bakterien zeigt LARS außerdem ein ausgezeichnetes Sicherheitsprofil und ein niedriges Toxizitätsprofil in vivo sowie in vitro. Die Verabreichung ist in verschiedener, beispielsweise in aerosoler oder zerstäubter Form, möglich. Dank ihrer geringen minimalen Hemmkonzentrationen eignet sich die Technologie zudem für eine Vielzahl therapeutischer Anwendungen.

Die neue Behandlung bietet nicht nur gesundheitliche Vorteile, sondern bedeutet für die Milchbauern auch einen erheblichen wirtschaftlichen Nutzen. Durch den Einsatz konventioneller Antibiotika verlieren die Bauern Milchgeld, da die Milch von behandelten Kühen für eine gewisse Zeit während und nach der Behandlung nicht verkauft werden kann. Infizierte Kühe, bei denen die Antibiotika nicht wirken, müssen zudem gekeult werden. Für die europäische und amerikanische Milchwirtschaft entstehen dadurch jährlich Kosten in Höhe von mehr als 3 Milliarden Euro. Werden infizierte Kühe allerdings mit LARS behandelt, ist der Verkauf der Milch sowohl während als auch nach der Behandlung möglich – ein erheblicher Vorteil für Bauern und Milcherzeuger.

In einer Pressemitteilung des projektleitenden Unternehmens Westway Health erklärte Geschäftsführer Dr. Ruairi Friel den innovativen Ansatz des Unternehmens: „Die Idee entstand aus dem Wissen über andere Möglichkeiten, die es zur Abtötung von Bakterien wie MRSA noch gibt. Sie kommen weltweit alltäglich zum Einsatz, etwa in Form von Desinfektionsmitteln oder durch Dampfreinigung. Wir konnten nun eine neue Methode entwickeln, die Bakterien abtöten kann, ohne lebendes Gewebe zu beschädigen. Unsere Lösung basiert auf einer Wirkstoffkombination mit natürlichem Ursprung. Wenn es uns gelingt, diese Lösung weiterzuentwickeln und zu skalieren, sind wir davon überzeugt, der globalen Herausforderung durch Antibiotikaresistenz begegnen zu können.“

PanaMast beabsichtigt, bis zum Ende des 24-monatigen Projekts, die Testphase für sein neues Produkt abzuschließen und das Produkt zur Marktfähigkeit (Technologie-Reifegrad 8) zu bringen. Die Genehmigung durch die Europäische Arzneimittelagentur vorausgesetzt, soll das Produkt bis 2021 oder 2022 auf den Markt kommen.

Weitere Informationen:
PanaMast-Projektwebsite

Quelle: Gestützt auf Projektinformationen und Medienberichte

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